Mineral – One Day When We Are Young

von am 11. Januar 2019 in EP

Mineral – One Day When We Are Young

Ihre produktive Phase umfasst streng genommen zwar gerade einmal um die viereinhalb Jahre. Allerdings hat es sich eine der besten und wichtigsten Emocore-Bands aller Zeiten über ihre zwei stilbildenden Genre-Meisterwerke fraglos verdient, ihren 25. Geburtstag mittels One Day When We Are Young zu feiern.

1994 in Texas gegründet, brachten es Mineral auf zwei Studioalben: The Power of Failing erschien 1997, der Nachfolger EndSerenade kurz darauf bereits 1998 – dem Jahr, in dem sich Chris Simpson, Scott McCarver, Jeremy Gomez und Gabriel Wiley auch schon wieder entschieden, getrennte Wege zu gehen. Die folgende Konkursmasse um Projekte wie The Gloria Record oder Pop Unknown wollte nie das selbe Maß an Aufmerksamkeit generieren, wie The Complete Collection von Mineral, deren überschaubares Studio-Vermächtnis sich mit den Jahren von der szeneprägenden West Coast-Initialzündung jedoch immer mehr zum kultisch verehrten Schatz mauserte.
Die kurze Reunion-Tour der Band 2014 war insofern Wasser auf die Mühlen Gläubiger – auf deren Anschluss jedoch abermals eine vier Jahre dauernde Funkstille folgte, an deren Ende 2018 nun eventuell ein zweites Leben für Mineral stehen könnte, eventuell aber auch nur ein neues Kapitel vor dem Finale: „And while it’s entirely possible these could be last songs the band ever write, this release will be followed up with a tour in 2019 “. Also: Abwarten, mal wieder.

Den Weg zu besagter Tour sowie auch dem ersten neuen Songmaterial des Quartetts seit knapp zwei Dekaden zeichnet nun jedenfalls der Fotoband One Day When We Are Young nach: Ein adäquates, anachronistischen Präsent für Fan und auch die Band selbst, „a written history of the band by music journalist Mischa Pearlman, it also contains brand new interviews with the band as well as contributions from Jim Adkins (Jimmy Eat World), Tim Kasher (Cursive), Norman Brannon (Texas Is The Reason), Frank Iero (My Chemical Romance) and Robert Pope (The Get Up Kids), as well as others close to the band who have played an important role in either their past or their present – or both. The book also includes a great deal of rare and never-before-seen photographs, memorabilia and handwritten lyrics, ensuring this is something to be cherished as much as the new songs themselves.

Wo das Herzstück der Veröffentlichung zwar der theoretisch besagter Hardcover-Band darstellt, zieht die unmittelbare Neugier und Aufmerksamkeit praktisch jedoch die aktuelle Standortbestimmung in Form zweier neuer Kompositionen – Aurora und Your Body is the World – auf sich, welche sich vielleicht einer weniger explizit hohen Erwartungshaltung ausgesetzt sehen (wie oft haben vermeintliche Comebackversuche – auch aus einer ähnlichen Ecke – schließlich bereits enttäuscht?), als angesichts der bisherigen Historie der Band vielmehr einer gravierenden Fallhöhe gegenüber beweisen müssen.
Um es vorwegzunehmen: Die insgesamt 13 Minuten sind vielleicht nicht essentiell dafür, dass Mineral ihren Platz im Olymp der Emocore-Bands neben Christie Front Drive, The Promise Ring, Texas is the Reason und Co. behalten werden. Doch ergänzen die beiden jüngsten Stücke der Kombo die unsterbliche hauseigene Discografie auf herausragendem Qualitätsniveau, fesselnd und rundum zufriedenstellend, lassen ohne falsche Nostalgie sogar eine einnehmende Euphorie aufkommen: One Day When We Are Young ist das mitunter beste, das dem Genre seit langen passiert ist.

Zumindest im Falle de Openers Aurora durchaus mehr als nur das. Über 8 Minuten klingen Mineral nur nach sich selbst, aber auch, als hätten American Football sich zusammen mit Last Days of April und Slint an einer subtilen Annäherung von getragen schwellende Noiserock-Tendenzen mit latentem Slowcore-Vibe versucht, die immer wieder energisch aus dem geduldigen, beinahe postrockig perlenden Treiben aufbrandend. Die Gitarren greifen schlicht wunderschön ineinander, kratzen schrammelnd über die räumliche Rhythmusarbeit, bis sich alle für eine Hymne in den Armeen liegen, die etwas Built to Spill‘eskes an sich trägt.
Der flehende, hohe, grandiose Gesang von Simpson hat dabei nicht mehr diese Rotzigkeit von einst, dafür aber eine erhebende Eleganz wie nie zuvor, ist wie alles an Mineral at 25 abgeklärter, jedoch nicht weniger dringlich und leidenschaftlich; reifer und gesetzter, aber immer noch energisch und ergreifend. Mineral sind schlicht extrem gut gealtert, ohne Abnutzungserscheinungen oder Ermüdungserscheinungen – Plattitüden hin oder her – reifer geworden.
Das zeigt sich auch im kompakteren zweiten Part der EP. Typischer strukturiert und näher an der Ästhetik am Sound von vor zwei Dekaden ist das von Bassist Gomez erdachte Your Body is the World, das mit seinem emotionalen Refrain den Ursprung des Platten/Buchtitels klärt und sich als catchy Grower erweist. Der kontemplative Einstieg mit seiner suberb grollenden Basslinie taumelt verspielt in einen packend angepeitschten Chorus, der das Gefühl von Mineral für catchy Melodien insgeheim auf dem Silbertablett serviert und zu überwältigender Harmonie-Lehre findet. Gut, vielleicht war das Material aus den 90ern noch eine Spur besser, für die zu kurze Spielzeit dieses Appetithappens spielt das keine Rolle. Wir haben es hier schließlich mit einer Veröffentlichung zu tun, die besagt: Schwärmen erlaubt, Träumen ebenso – nicht nur von vergangenen Glanztaten, sondern auch davon, was noch so alles von den unfehlbaren Mineral kommen könnte.

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