Mogwai – Les Revenants

von am 16. Februar 2013 in Soundtrack

Mogwai – Les Revenants

Die in den Bildern der französischen Canal+ -Serie ‚Les Revenants‚ transportierte Spannung sei bereits ohne musikalische Untermalung derart intensiv gewesen, dass Mogwai „nur noch“ unterstützende Soundlandschaften beisteuern mussten, sagt Stuart Braithwaite über die dritte Soundtrack-Arbeit seiner Band.

Ein wichtiges Detail kehrt das Sprachrohr der schottischen Postrock-Institution dabei jedoch unter den Tisch: es ist keinesfalls notwendig, die französische Serie über die in Unkenntnis ihres Todes zurückkehrenden Geister (Les Revenents eben) kürzlich Verstorbener und damit verbundener weiterer mysteriöser Begebenheiten zu kennen, um vollends in den hier kreierten Soundkosmos von Mogwai hineingesogen zu werden und sich in der bedrückend melancholischen Grundstimmung hoffnungslos zu verlieren. Wie auf der vorgeschobenen, limitierten EP angedeutet, entfernt sich das Quintett kaum von den auf ‚Hardcore Will Never Die But You Will‚ und ‚The Hawk is Howling‚ bedienten Schemata, interpretiert diese aber abseits der rockigen Seite der Band in getragenen, balladesken Instrumetalsongs, die sich in ihrer Unaufgeregtheit deutlich an den 2006er Soundtrack ‚Zidane: A 21st Century Portrait‚ orientieren.

Repetitive Klavier- und E-Piani-Melodien tragen ‚Les Revenants‚ als markanteste Komponente, geloopte Motive hypnotisieren. Mogwai erzeugen gleichzeitig eine beruhigende wie innerlich aufwühlende Atmosphäre, Synthesizer kratzen am Zwielichtig und verleihen vor allem ‚Modern‚ einen gravierenden Industrial-Touch. Die Bässe malen immer langsam und sinister, Rhythmen bleibt stets bedächtig. Die 14 Songs geistern durch eine trügerische Nebelwand, inszenieren mit leichten Gewand eine verstörende Schwere mitt erhabenen Schönheit, bleiben dabei aber selten so greifbar und beschwörend wie im abschließenden Aushängeschild ‚Wizard Motor‚. Mit seinen sanften Schlagzeugunterstützung wirkt ‚Relative Hysteria‚ trotzdem wie ein übrig gebliebenes Juwel des so unterschätzten Herzenswerks ‚Rock Action‚.
Die sparsamen Arrangements auf ‚Les Revenants‚ aus Glockenspiel, Keyboardwänden oder vereinzelten tieftönenden Streichen unterstützen das dichte Wechselspiel zwischen leisen Hoffnungsschimmern (‚Special N‚), ätherischem Patentrezept (‚Kill Jester‚) und bedrückender Unruhe (‚Whiskey Time‚) wohlüberlegt, die Schotten bewegen sich eben mit schwindelerregender Sicherheit durch ihr ureigenes Hoheitsgebiet.  Mogwai  überraschen deswegen in erster Linie abermals durch die virtuose Beständigkeit, mit der sie es immer wieder verstehen trotz der seit zumindest ‚Mr. Beast‚ kontinuierlich bedienter Arbeitsmuster altbekannte Fassaden neue Schattierungen abzugewinnen. Unweit ihres sonstigen Schaffens ist ‚Les Revenants‚ somit natürlich Pflichtprogramm für Mogwai-Freunde, Genrefans und Scoreliebhaber gleichermaßen.

Für eine klein wenig aus dem Rahmen fallende Überraschung ist ‚Les Revenants‚ gegen Ende allerdings doch noch gut – also nicht mit den bereits auf der vorangegangenen EP gezeigten ‚The Huts‚, ‚This Messiah Needs Watching‚ und (des als Rausschmeißer etwas deplatzierten Spannungsbefeuerers) ‚Wizard Motor‘ – denn die hier aufgefahrenen Album-Ausgaben der Songs unterscheiden sich kaum von ihren alternativen Versionen. Aber: Mogwai inkludieren den ursprünglich von Braithwaite im Alleingang für einen Tribute-Sampler des verstorbenen Pelt-Musikers Jack Rose eingespielten Gospelsong von Washington Phillips, ‚What Are They Doing In Heaven Today?‚ ohne Nahtstellen in ihre instrumentale Welt – ein eindringliches und schwerfällig marschierendes Pianoballadenkleinod mit sanft (und nicht immer gerade) vorgetragenen Gesang von Braithwaite selbst. Nach ‚Hound of Winter‚ von der ‚Earth Division‚ EP der nächste dezente Hinweis darauf, wie gut der Band der Schritt Richtung fassbarem Folk steht. Alleine im Dunkeln gehört kann auch dieser beängstigend intensiv jeglichen Frohmut untergraben.

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  • Mogwai - Rave Tapes - HeavyPop.at - […] (ja, es wird wieder dunkler und bedrückender im Mogwai-Universum!) und würde auch am brillanten Soundtrack zur Ausnahmeserie Les Revenants…
  • Mogwai - KIN - HeavyPop.at - […] einfügen. Um nur die jüngere Vergangenheit zu bemühen: Der Niveauunterschied zwischen Les Revenants und Rave Tapes oder Atomic und…

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