Mr. Bungle – The Raging Wrath of the Easter Bunny Demo

von am 6. November 2020 in Album

Mr. Bungle – The Raging Wrath of the Easter Bunny Demo

Der Mindfuck findet nicht innerhalb von unberechenbaren Kompositionen statt, sondern auf Meta-Ebene: Mr. Bungle haben nach über zwei Dekaden Plattenpause mit The Raging Wrath Of The Easter Bunny Demo eine, genau, Demo von 1986 neu aufgenommen und servieren darauf puren Gemetzel-Thrash in Reinform.

Ein Witz, der aufgrund einer Spielzeit von 57 Minuten und einer damit einhergehenden, zur indifferenten Gleichförmigkeit neigenden Länge trotz wieselflinker und superversierter Standards (wie Spreading the Thighs of Death, dem gelungenden, aber leidlich notwendigen Corrosion of Conformity-Cover Loss for Words, einem schwindelfrei zum geifernden Soli drehend-flüstertenden Glutton for Punishment sowie der guten, wahllosen Single Sudden Death) im letzten Drittel der Platte auch auf eigene Kosten geht, wenn primär nur die immense Spielwut der neu formierten Band – neben dem Kern aus Mike Patton, Trevor Dunn sowie Trey Spruance spendieren Anthrax-Mann Scott Ian und Trommelbiest Dave Lombardo legendäre Genre-Virtuosität – bleibt.
Bis dahin haben Mr. Bungle aber praktisch alles richtig gemacht und die Erwartungshaltung (sofern es derartiges diese Band betreffend überhaupt gibt) jenseits der drei Klassiker (bestehend aus dem selbstbetitelten Debüt, dem scheuklappenbefreiten Meisterwerk Disco Volante und dem kaum schwächeren vermeintlichen Schwanengesang California) im Grunde mit einer atemlosen Entladung Thrash-Kompetenz pulverisiert.

Neben personeller Unterschiede und einem natürlich besseren, kraftvoll drückenden und nie zu sauberen Sound der direkten Produktion, nehmen Mr. Bungle auch inhaltliche Modifikationen am Ursprungs-Material vorgenommen.
Entgegen der bereits erwähnten Loss for Words und dem eigentlich nur undankbar platzierten Glutton for Punishment sind die ebenfalls neuen Songs Methematics (ein progressiv als Methadonprogramm für den Vektor-Entzug strukturierter Wirbelsturm) und der Ohrwurm Eracist (ein kompakter gedrosselter Exzentriker mit zündender Hook) absolute Bereicherungen für The Raging Wrath Of The Easter Bunny Demo, während Evil Satan nun fehlt – ganz egal, was der Musikexpress anderes suggeriert.
Und Hypocrites packt nun (ohne Weirdo-Pflichtdienst zu sein) mit dem Zusatz Habla español o muere kurzerhand den La Cucaracha-Vorschlaghammer aus verleibt sich paraphrasierend auch noch S.O.D.’s Speak English Or Die ein – der einzige humoristische Bruch aus der brettharten Roots-Rolle, die Raging Wrath Of The Easter Bunny Demo dekliniert, aber auch der offenkundigste Ausdruck davon, wieviel Bock alle Beteiligen auf die Sause haben.

Nach dem düster auf die falsche Fährte lockenden Intro Grizzly Adams kanalisiert sich diese Spielfreude vor allem in einer überragenden Eingangsphase, die diese Adaption auch ohne Originalitätspreis essentiell macht.
Anarchy Up Your Anus speit geifernd zwischen seinem tackernden Groove, trinkfesten Gang Vocals und potenten Mitgröhl-Parts, bevor das Highlight Raping Your Mind mit rasendem Tempo übernimmt, die routinierten Riffs mit so viel Energie und Dringlichkeit bis zu den gespaltenen Soli serviert, den Slayer-würdigsten Rausch anpeitschen. Pattons Ansatz dazu ist ein manischerer, als würde er in seiner Darkness-Rolle mit Rennwagen samt offenem Verdeck zu einem Dead Cross-Pit rasen und dabei gut gelaunt in jeden Gulli spucken, er presst und greint, aber unaffektiert und stets im Dienste des Songwritings und der restlichen Performance.
So schaffen Mr. Bungle es, die Geschwindigkeit und Intensität gefühlt immer enger zu ziehen, ihren Metal weiter zu steigern, was die Qualitätslatte für an sich absolut dynamisch galoppierende Paraden wie Bungle Grind eventuell eine Spur zu hoch setzt, wie alles hier aber eine Frage der Relation bleibt: Raging Wrath Of The Easter Bunny Demo mag sicher kein überragendes, irres oder gar spektakuläre Mr. Bungle-Album sein, aber eine durch und durch geile Thrash-Platte.

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