Periphery – Periphery II: This Time It’s Personal

von am 12. Juli 2012 in Album

Periphery – Periphery II: This Time It’s Personal

Periphery sind plötzlich nicht mehr nur das vorderste Aushängeschild des Djent: Sie könnten mit ihrem zweiten Album auch genau die Band sein, die das Genre endgültig in die aufmerksame Wahrnehmung des Mainstream hievt – als eventuell am einfachst zu verachtenden Band des Genres.

Vertrackte Strukturen und polyrhythmische Wahnsinnsabfahrten, manisch wütender Metalcore umgeben von Mathrock und progressivstem Metal, elektronische Spielereien als Abschmeckung. Riffsalven im Sekundentakt, noch öfter Taktwechsel, weit ausholende Grooveattacken. Arrangements, die Purzelbäume schlagen und sich mit dem Kopf gegen die Wand werfen. Periphery benennen ihr zweites Album nicht ohne Grund als direkten Nachfolger des ersten, trotz zahlreicher neuerlicher Besetzungswechsel vom Debütalbum von 2010, welches die Band aus Bethesda bereits durch die Decke hat gehen lassen: Das Sextett spielt wieder ihr scheuklappenbefreites Stilamalgam, so wahnsinnig virtuos, das es jedem Instrumentenschüler die Verzweiflungstränen in die Augen treiben muss, mit jedwede Aufmerksamkeitsspanne und Aufnahmefähigkeit attackierenden Songs, die so komplex sind, dass sie sich bloß am Computer komponieren lassen.

Doch hat sich auch einiges getan in den vergangenen zwei Jahren, vordergündig im Überbau des Periphery-Soundkosmos: Spencer Sotelo hat an seiner Stimme gearbeitet, singt beinahe nur noch hoch aus dem Hals, kaum mehr aus dem Bauch. Breitet sich so anstrengend irgendwo zwischen Greg Puciato von Dillinger Escape Plan und (gewöhnungsbedürftigerweise mehr denn je auch) Linkin Park Frontmann Chester Bennington aus, keift, presst und growlt hier und da immer noch, fröhnt seiner Leidenschaft zum cleanen Gesang aber mehr denn je, ergeht sich in vor allem in den Refrains in hymnisch ausladenden Gesangspassagen, episch gestikulierenden Harmonien. Soviel weinerliche Theatralik sorgt im Alleingang als Alleinstellungsmerkmal und Nervenstrapator, schlägt in Kombination mit der unterbauten Musik die schnellste Verbindung zwischen Dredg und den Säulenheiligen Meshuggah, Tesseract und Protest the Hero, Coheed and Cambria und Dream Theatre (passenderweise steuert John Petrucci als einer der Gäate dann auch ein Solo bei) – zwischen modernem Tech-Metal, experimentierfreudigem Deathcore und Schoolboy-Emo und macht die Band damit angreifbarer denn je, aber auch: zugänglicher.

Nicht nur ‚Ji‚ oder das Vorzeigeprodukt ‚Ragnarok‚ fallen deswegen mit seinen Melodiebögen förmlich aufdringlich mit der Tür ins Haus, ‚Periphery II: This Time It’s Personal‚ tut dies in seinen 70 Minuten permanent und immer wieder. Man muß sich nicht mehr jeden Songs über tausend geschlagene Haken erarbeiten, es genügen ein paar hundert, überall lauerende Hooklines und häpchenweise eingestreute atmosphärische Interludes funktionieren als Köder: wo man catchier werden konnte, wurde man es; wo sie noch progressiver werden konnten, spielen Periphery noch progressiver: kein zwangsweiser Widerspruch auf ‚Periphery II: This Time It’s Personal‚. Band-Mastermind, Vorstand und Chefgitarrist Misha Mansoor hat der Band dazu als Produzent einen Sound auf den Leib geschneidert, der sich in klinischer Sterilität jede Nuance makellos durchdacht ins rechte Licht rückt. ‚Periphery II: This Time It’s Personal‚ ist eine noch designtere Technikdemonstration als sein Vorgänger und theoretisch auch zielführender, praktisch jedoch auch als klassischer Fall von weniger ergreifendem „höher, weiter, schneller, dichter, dicker, melodiöser“ nicht unbedingt überzeugender. In seinen besten Momenten fügen sich die tausend aufgestapelten Ideen so zu packenden Songpuzzles zusammen, in seinen schwächsten Momenten trotzt es als Pro-Tools-Werbung und makelloses Technikgewichse immer noch kaltes Staunen ab. Von beidem bietet die wieder viel zu lange Spielzeit mehr als genug Augenblicke. Mehr davon Ende des Jahres auf dem Konzeptalbum ‚Juggernaut‚.

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