Pianos Become the Teeth – Wait for Love

von am 26. Februar 2018 in Album

Pianos Become the Teeth – Wait for Love

Kein Pianos Become the Teeth-Album ohne die Konzentration von Kyle Durfey auf die Thematik Vaterschaft. Für Wait for Love hat sich die Perspektive darauf jedoch geändert – und die Nuancen seiner Band damit neuerlich subtil verschoben.

Sowohl The Lack Long After als auch der stilistisch radikale Kurswechsel Keep You (2014) waren davon geprägt, dass Durfey den Tod seines Vaters zu verarbeiten versuchte.
Vier Jahre später haben sich die Vorzeichen geändert: Durfey ist mittlerweile selbst Vater geworden. Ein Umstand, der das vierte Studioalbum von Pianos Become the Teeth nunmehr inhaltlich formt und prägt, alte Dämonen zurücklässt. „Ich glaube nicht, dass ich jemals darüber hinwegkommen werde, aber es zerreißt mich nicht mehr pausenlos. Die Phasen der Trauer habe ich alle durchlebt. Ich könnte kein ganzes Album mehr darüber schreiben.“ sagt Durfey.
Was nun jedoch nicht bedeuten soll, dass die Trauerarbeit vollkommen aus dem Spektrum der Band verschwunden ist. Im finalen Blue scheint sich sogar vielmehr ein Kreis zu schließen, wenn Durfey darüber sinniert, dass sein Vater niemals seinen Sohn kennen lernen wird. „Would you believe it?/ I’m a family man now/ And here’s your boy’s boy/ All blue eyed and stubborn/ I wonder/ Where’s he get it all from?“ singt er dann mit klarer Stimme, während Pianos Become the Teeth sich in den Ausläufern von Stage Four und Rooms of the House in überdeutlicher Nähe zu Mogwai und Explosions in the Sky verorten, balladesk schwelgen und bewusst auf jedes zwingende Momentum verzichtend. „We all agree he’s got your eyes/ And I could die/ To see him sitting by your side“.

Insofern ist es neben diesem so traurigen wie versöhnlichen Abschluss auch sinnbildlich für den grundlegend positiver ausgerichteten Charakter der Platte, dass Pianos Become the Teeth das schlüssig betitelte Wait for Love mit entgegenkommend hintergründigen Zeilen beginnen: „Come and celebrate, cut loose and shake/ I can almost make out your words/ I can always taste this soothing hate/ Won’t you come and let your love guilt shine?/ Let your beauty ruin this light“.
Nichtsdestotrotz unterspült eine optimistische Note den Sound auf Fake Lighting, das seine Melodie zärtlich zwischen Indie und Postrock flirren lässt. Ein Refrain, der früher wohl verzweifelt intoniert gewesen wäre, beschwört heute eine fürsorgliche Melancholie, die sich eher über eine Nachdenklichkeit artikuliert, als über jedwede Dringlichkeit. Und damit ganz allgemein den Weg einer Platte vorgibt, die sich zwar auch flotter und rockiger hinter The National stellen kann (Charisma) oder die weiche Seite des Post Hardcore mit Emo-Mitteln erforscht (Bloody Sweet), sich jedoch vor allem als kontemplative Anmut versteht, die mit dezenten Mitteln und einer niemals aufdringlichen Subtilität ihre ergreifende Einkehr rund um perlende Gitarrenfiguren und weitschweifende Harmonien zeichnet.

Wait for Love macht damit an der Oberfläche einerseits nahtlos dort weiter, wo Keep You die Band neu erfunden hat, fächert aber andererseits dessen Fokus („Die Platte hatte auf jeden Fall eine gewisse musikalische Monotonie.“) gegen eine dynamischere Bandbreite auf, agiert gelassener und selbstverständlicher, ist weniger spröde und runder ausbalanciert. Umbrüche finden diesmal im Detail statt, Screamo-Ausbrüche wären theoretisch wieder denkbarer als zuletzt.
Das grandiose Schlagzeugspiel vonDavid Haik hat sich dabei zum unermüdlichen Impulsgeber eines augenscheinlich unspektakulären Songwritings gemausert, forciert einen wunderbar unterschwelligen Drive und treibt an, ohne sich aufzudrängen. Das Midtempo dominiert dabei den Takt, die Songs fließen mit ihren oszillierenden Reverbtexturen im genormten Sound auf den Erstkontakt fast schon zu gleichförmig ineinander. Die Highlights (wie etwa die aufwühlende Glanztat Manila, die ihre Wucht über die Hintertür schiebt, oder die den MO aufbrechende Atempause Bay of Dreams, die als sedative Trance vollkommen entschleunigt den gemeinsamen Nenner von minimalistischen Soundscapes und sphärisch Drone-Texturen ohne jedwede Gewalt findet) scheinen schließlich weniger eklatant hervor als noch auf Keep You: der allgemeine Druck und die erzeugte Intensität haben sich auf eine größere Wirkungsfläche verschoben.
Weswegen der heimliche Grower Wait for Love auch unscheinbarer und weniger spannend wirken kann als sein prägender Vorgänger. Doch der bespielte Raum ist tatsächlich sogar größer. Die Konturen verschwimmen, man verliert sich in der neu gefundenen Bereitschaft für Schönheit und Wohlklang. Bei einem weniger konzentrierten Konsum droht dadurch zwar die Aufmerksamkeit abzudämpfen. Doch nimmt man den zwischen die zwischen griffigeren Phasen vermessene Distanz unterbewusst nach und nach ohnedies keineswegs mehr als zielloses Mäandern wahr, sondern als den nötigen Weg einer traumwandelnd reifen Platte.
Durfey klingt darauf mit sich selbst in Frieden und Pianos Become the Teeth als vielleicht familiärste Band ihrer Zunft bei sich selbst angekommen. Diese abgeschlossene Entwicklung angemessen wertzuschätzen darf durchaus ihre Zeit verlangen.

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