Pipe Bomb – Hell Hole
Hell Hole bietet „Christ-filled chaotic metalcore“ für all jene, die Norma Jean und The Chariot vermissen, mehr Zao in ihrem Leben wollen, oder unter den unzähligen Every Time I Die-Epigonen den religiösen Faktor suchen.
Multiinstrumentalist Mitchell Layton (Vocals, Gitarre und Bass) hat das derart veranlagt auch mit einer wohldosierten Dosis Math daherkommende Debütalbum von Pipe Bomb mit Schlagzeug-Unterstützung von Bruder Steven im Keller des Hauses seiner Mutter in Philadelphia, Pennsylvania in Eigenregie aufgenommen – und knüpft damit direkt an die 00er-Jahre der Szene auf einer Achse aus Nostalgie und eklektischer Frischzellenkur an.
Fette Riffs und headbangende Rhythmen zeigen viel organische Energie, das Songwriting hat die nötigen Wendungen, und an sich ist Hell Hole entlang seiner christlichen Texte auch relativ zwingend: „If the devil wants me dead/ He’ll have to kill me himself!„
Under God’s Heel stampft heavy eröffnend und Choke attackiert wild verzahnt groovend. Der Titelsong skandiert erst in polternd sprechender Trance und schaltet dann in den Gang-Modus mit Danny Thomas, derweil Tabloid tackernd hakt, um im rockenden Galopp zum Slo-Mo zu finden.
Mal setzt Layton dezidierter auf Panik-Schikanen (I Will Kill the Worst Parts of Myself), mal bollert der Metalcore mit massiven Double Bass-Salven nach vorne peitschend (Mob Rule). Dann wieder gibt sich Hell Hole grindig nach vorne heulend (Bliss) oder praktiziert eine rudimentäre Hardcore-Mentalität (Straight Edge Hate), bevor der Closer Concrete die Bandbreite des Projekts möglichst vielseitig zu unterstreichen versucht – dabei aber auch ein letztes Mal demonstriert, dass die über die 3 Minuten Marke attackierenden Nummern ihre Längen haben können.
Wie – obgleich etwas knapper gehalten – ausgerechnet im exemplarischen Herzstück Hate Club destilliert, kommt der effektive, kompetente und schön becoverte Pipe Bombs-Einstand gerade dann auch nie so ganz über den soliden Standard hinaus, der kaum etwas falsch, aber eben auch nichts wirklich herausragend macht.
Die Prozesse der Platte wirken selbst ungeachtet der überschaubaren stilistischen Originalität bisweilen formelhaftes. Und während die einzelnen Songs in der Regel seltsam abrupt und nicht über ihre Grenzen hinauswirkend verpuffen, kommt das 23 minütige Hell Hole anstelle eines übergeordneten Spannungsbogens so mehr wie eine kohärente Sammlung von Einzelszenen daher.
Eine, die jedoch trotz aller Kritik ein hohes Niveau zeigt und auf der sich insofern auch aufbauen lässt: Bringt Layton beim nächsten Mal ein bisschen eigenwilliger herausfordernde Aufregung mit in Mamas Keller, hat Pipe Bomb das Potenzial, nicht „nur“ als gute Genre-Nachwuchshoffnung aufzuzeigen, sondern vielmehr ganz vorne mitmischen zu können.


Kommentieren