Plebeian Grandstand – False Highs, True Lows

von am 21. April 2016 in Album

Plebeian Grandstand – False Highs, True Lows

2014 haben Plebeian Grandstand mit dem psychotischen Glanzstück Lowgazers im Windschatten von Kollegen wie Deathspell Omega zum technisch-vertrackten Black Metal und sich selbst gefunden. Zwei Jahre später schärfen die Franzosen auf ‚False Highs, True Lows‚ unter diesen Eindrücken nun ihren eigenen Charakter mit verstörender Nachdrücklichkeit.

Das Drittwerk der Berserker aus Toulouse setzt seine Daumenschrauben nahtlos dort an, wo der ultrabrutale Vorgänger sich in stilistischer Erbverwalterposition zu bedrohlicher Größe aufrichtete, verdichtet die Umstände jedoch abermals, indem etablierte Ingredienzen individueller arrangiert ausbalanciert werden und an den Details Feinjustierungen vorgenommen werden.
Nur sechs Songs und zwei Interludes benötigen Plebeian Grandstand deswegen, um auf ‚False Highs, True Lows‚ die Spannweite ihres apokalyptischen Schlachtfestes zu vermessen: Wie unmittelbar die Grenzlinien zwischen den dissonant, roh und unsagbar agressiv-dreckig rasenden Black Metal-Ansätzen von Deathspell Omega und den technischen Death-Vertracktheiten von Ulcerate sowie den mathematischen Blackened Hardcore-Wurzeln in all ihrer dissonant gegen den Strick geprügelten Vertracktheit (inmitten der Blastbeat-Chaos-Wirbelstürme hier ist die Sicht auf die Sludge-Würgereien von Größen wie Cult Leader oder Birds in Row stets gefestigt) beschritten werden, ist weiterhin nicht restlos eigenständig, aber in seiner Kompromisslosigkeit und vor allem dem stringenten Gesamtgefüge furios.

Die Gitarren schrammen immer wieder in gepeinigten Ahnungen von zerhackten Melodien vorbei, die Drums tackern in hirnwütiger Präzision, mitten hinein in eine klaustrophobische, verstörende Atmosphäre, die unberechenbar zwischen allen Härtegraden und Stimmungsattacken wechselt. Vor allem  Sänger Adrien Broué zementiert den einzelnen Songs zwischen miefigen Growls, giftigem Gekeife und phasenweise gar tranceartige Mediationen eine dynamische Vielseitigkeit ein, der das Songwriting an sich bedingt, aber doch folgt.
Auf immer tiefer in den Höllenschlund kriechende, hetzende Wahnsinnstaten wie ‚Low Empire‚ oder ‚Tributes And Oblivions‚ lassen Plebeian Grandstand auf ‚False Highs, True Lows‚ plötzlich kristallin in den Morast geschleppte Wuchtbrummen wie die Slo-Mo-Abrissbirne ‚Volition‚ prallen, die über knapp 7 Minuten gar mit den noise-verseuchten Doom-Gefilden von Converge flirtet, nur um sich dann in nihilistischer Gewalt zu einem zerissenen, verzweifelt gebrüllt-ausgekotzten Gewaltakt zwischen den Tempostufen heranzuwachsen, einer martialischen Folter gleich.

Dass der ambiente Industrial-Alptraum ‚Mineral Tears‚ daraufhin eine knapp einminütige Pause verspricht, oder ‚Tame The Shapes‚ aus einem hypnotischen Shoegaze-Glimmern in irritierender Versöhnlichkeit zum unbarmherzig malträtierten Post-Metal-Ungetüm taucht, bevor mit infernalem Drum-Antrieb doch noch der Weltuntergang hereinbricht und sich aller Hass im überragenden, leidenden, sich selbst ausweidenden Gebolze von ‚Eros Culture‚ entlädt, ist dann symptomatisch für ‚False Highs, True Lows‚ an sich: Plebeian Grandstand vollziehen nicht abermals einen derart auffälligen Entwicklungsschritt wie 2014, aber einen nicht weniger gewichtigen, indem sie ein noch besseres Gespür dafür entwickelt haben, wie sie ihr Songwriting idealer gewichten, um den Intensitätslevel hochzuhalten, aber auch, wie sie dieses von Vorbildern emanzipieren und eigene Charakterzüge fokussierter hervorarbeiten  können – die Luft nach oben wird langsam aber sicher immer dünner, die Erfahrung fordernder.
Dass die Franzosen bereits nach knapp 36 Minuten einen Schlussstrich unter das auslaugende Gemetzel ziehen, ist dann eigentlich auch der einzige Akt der Gnade: Eine derart ungemütliche Platte will in all ihrer abgeschlossenen Homogenität erst einmal verdaut werden, kann das hermetische ‚False Highs, True Lows‚ doch nur zu leicht erstickend anmuten. Höchstens Wachstumsschmerzen – Plebeian Grandstand stehen nach ihrem bisher stärksten Album als Throatruiner-Juwel spätestens hiernach an der Schwelle zu ihren ureigenen Meisterstücken.

07

Vinyl LP / CD / Digital Download via Bandcamp

Related Post:

Print article

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen