Refused – The Malignant Fire

von am 21. November 2020 in EP

Refused – The Malignant Fire

Für alle, denen das öde War Music zu aufregend und aggressiv war, drosseln Refused ihren Hardcore auf der Interim-EP The Malignant Fire im einen Schatten vorauswerfenden Windschatten der Rolle als Samurai noch eine Spur handzahmer.

Zumindest sind die Schweden auf diesem 15 Minuten langen Kurzformat konsequent und destilieren einen primitiven Unterhaltungswert, zeigen also Konsistenz, was die jüngste Entwicklung angeht, aber auch hinsichtlich des einhergehenden Erschließens einer breiteren Hörerschaft. Während der sich ankündigende Popularittsschub bei nachrückenden Generationen durch den Cameo-Auftritt als Keanu Reeves Backingband in Cyberpunk 2077 (Manager entscheiden: „Holy shit, this is a huge deal!“ – also sind Refused sofort an Bord) durch eine neuerliche Verschiebung des Releasetermins des Spieleblockbusters vorerst noch ausgebremst wurde, sind die Weichen für einen unbedenklich  konsumierbaren und leicht verdaulichen Zugang zu Refused mit The Malignant Fire gestellt.
Das Tempo, die Aggressivität, Härte, Bissigkeit, Raffinesse und Intensität der fünf Songs kommt jedenfalls ohne Radikalität aus, tut nicht weh und ist absolut eingängig – Hooks und Melodien kann Lyxzén ja weiterhin, Reibungsflächen ohne Verletzungsgefahr aber scheinbarer Pseudo-Angepisstheit auch. Das Problem dabei ist, dass das aufgefahrene Material eben wie Refused-Hardcore-Songs klingt, die mit Sedativa betäubt wurden, (auch wegen eines abstrusen Mixes, der das Geschrei hinter eine Durcheinander der Instrumente stellt) träge und mit aller Gewalt ihrer Sprengkraft beraubt.

Der Einstieg mit dem bereits bekannten Malfire hat dabei durchaus etwas nostalgiebereinigendes: Auf War Music war die Nummer noch ein relativer Amplitudenausschlag nach oben (was schon damals weniger für den Song, als gegen das Album sprach) doch nun stampft der okaye Standard mit seinem Baukastenriff doch ohne kaschierenden Kontext offenkundig behäbig und banal, wenn der Punkrock der Band zwar sofort eingängig maßgeschneidert ist, aber eben auch wie in hüftsteifer Zeitlupe langweilt.
Born on the Outs ist eine jenseits der Elektronik stattfindende Assimilation von Greyhound der Swedish House Mafia mit neuem Text – ein kreativer Ansatz und durchaus treibend, aber ohne wirklichen Druck oder Biss in der genormten Performance, bis das Quasi-Cover hinten raus endgültig bemühte „Hey! Hey!„-Stimmung machen will. Organic Organic Organic (Go Fuck Yourself) ist danach nicht so plump und banal, wie es der Titel androht, kippt die an sich vielversprechend dramatisch-flehende, wenn auch so zwanglos gespielte und dünn gestrickte Strophe in einen stumpfen Mitgröhler ohne Langzeitwirkung. Alleine das stumpfe Schlagzeugspiel von David Sandström bleibt eine schockierende Bankrotterklärung und steht exemplarisch für das hiermit endgültig erreichte Stadion-Entertainment der Band: Es werden stets die einfachsten Hebel bedient, um den Pit anzukurbeln.

Danach bekommen Refused aber noch halbwegs die Kurve, zumindest im Rahmen der aktuellen Verfassung der einstigen Visionäre. Faceless Corporate Violence macht dringlicher ausgerichtet wertkonservativen Bock, weil wieder ein bisschen Hunger und nach vorne gehende Angriffslust zu spüren ist. Dass der gute Standard trotz einer Spielzeit von nur zweieinhalb Minuten viel zu enervierend repetitiv ausfällt, ändert nichts daran, dass Faceless Corporate Violence eine ähnlich aufzeigende Niveauregelung auf War Music gewesen wäre wie Jackals Can’t Be Bothered to Dream, das weniger durchsichtig durch seine Gitarren-Abfahrten schleust und auf Autopilot das längst nicht mehr authetische Texte-Formelheft abklappert.
Das lässt weiterhin jene Explosivität und Energie vermissen, die man auch nach dem ambivalenten Freedom immer noch mit Refused assoziiert hatte, ist als Standortbestimmung gerade nach den bisher veröffentlichten Samurai-Songs aber eigentlich auch keine tatsächlich überraschende Enttäuschung. Zumindest für kurze Zeit lassen die beiden abschließenden Nummern sogar zu, dass die Fanbrille wieder mit einem wenigstens halbwegs verklärenden Schimmer sitzen darf (und die Wertung zwischen den Punkten mit Bauchschmerzen nach oben tendiert). Ansonsten hilft es aber nur noch auszuklammern, wozu diese Band einmal fähig war, und ohne großartig nachzudenken so lange einen unverbundenen Spaß an dieser EP zu haben, bis sie innerhalb kurzer Zeit wieder vergessen ist.

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