Rhye – Spirit

von am 12. Mai 2019 in EP

Rhye – Spirit

Nur unmerklich kürzer geraten als ein reguläres Studioalbum funktioniert die nominelle EP Spirit weitaus befriedigender, als es der zweite Rhye-Langspieler Blood vor knapp einem Jahr tat: Mike Milosh verschiebt die Verortung seines smooth-eleganten Kuschel-Soul vom Pop in den Ambient.

Weniger massentauglich und formelhaft agierend ausgerichtet als auf Blood setzt Milosh damit die richtigen Akzente, um ätherische Sehnsüchte näher an seinem offiziellen Solomaterial auszurichten, stimmungsvoller und besser entfaltet. Spirit reduziert sein Spektrum schließlich auf einen Fokus, der vordergründig auf sanftes Pianospiel setzt und etwaige arrangementtechnische Ausschmückungen auf ein Minimum beschränkt, diese auch viel subtiler in Szene setzt als zuletzt.
Zudem tendieren neben den kurzen Dark und Malibu Nights viele der neuen Nummern gefühlt vordergründig zu instrumental gehaltenen Klavier-Zwischenstücken, die die Atmosphäre der EP einnehmend zusammenhalten und sogar den Gesang mit Sigur Rós’scher Körperlosigkeit immer wieder nur als texturierendes Element verstehen.

Gerade im Verbund mit der knappen Spielzeit von 28 Minuten entsteht dennoch keine nachteilige Gleichförmigkeit. Viel eher klingen Rhye hier homogener und in sich geschlossener denn je, aus ihrer Mitte heraus agierend und im Frieden mit ihrem fragil-zerbrechlichen Wesen. Der Fluß der Platte ist folgerichtig auch wunderbar kohärent und rund, jede Melodie bekommt ungezwungenen Raum, um sich elegisch entfalten zu können. Kein Spektakel ist nötig, anschmiegsame Unaufdringlichkeit bezaubert dafür ganz wundervoll.
Rund um das treffend betitelte Ólafur Arnalds-Gastspiel Patience, ein melancholisch tröpfelndes Kleinod, treibt das zart dösende Spirit so in Slowcore-Zeitlupe entlang entschleunigter Beats und subversiver Melodien, die sich wie in Needed erst nach und nach im Unterbewusstsein einnisten.

Verträumte Elegien a la Green Eyes lassen die Immagination in eine weiche Decke gehüllt vage wandern, während etwa Wicked Dreams den kleinen Ohrwurm skizziert, und dessen verspielte Streicher und aufbegehrende Gitarre hinten raus ohne jede Griffigkeit eine unverkrampfte Lebendigkeit zelebrieren, die Rhye zuletzt abging.
Dann lässt eine streichelnde Anmut wie Awake seine Stimme neben der typischen Androgynität strukturoffen säuseln, oder nähert sich das abschließende Save Me versöhnlich doch noch dem digitalen Pop von  SOHN an. Auch mit mehr Physis überzeugt diese neue heimlichere Herangehensweise, wo die grundlegende Verschiebung in den Ambient Rhye ohnedies betörend gut steht. Zu gut, um diesem Weg nur für eine EP zu folgen, diese Charakterzüge nicht auf einem tatsächlichen Langspieler auszuleben. Dann brauchen zukünftige Wohlfühl-Special Editions auch gar keine dazugehörenden Duftkerzen mehr.

 

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