Scott Weiland & The Wildabouts – Blaster

von am 7. April 2015 in Album

Scott Weiland & The Wildabouts – Blaster

Es ist gar nicht das größte Kompliment, welches Scott Weiland anhand seiner ersten Platte mit den Wildabouts als Backingband einfordert, dass man ‚Blaster‚ keinerlei Lustlosigkeit oder den Drang zur schnellen Geldquelle anhören kann: der ehemalige Stone Temple Pilots-Sänger rappelt sich tatsächlich aus dem Drongentief auf!

Es ist sogar durchaus legitim, ‚Blaster‘ als absolut willkommenen Schritt in die richtige Richtung zu interpretieren. Nicht nur, weil es Weiland – ungeachtet der arg erschöpften Originalität hinter den 12 Songs – dorthin zieht, wo er seine einst so charakterstarke Stimme am besten entfalten kann: hin zu sommerlich fließenden Alternativeausfahrten und halbglamourösen LA-Hardrock-Partyszenen, die als stilistisch schweifende Revue all jene Fans einzusammeln versucht, die er mit den saisonal anbiedernden ‚A Compilation of Scott Weiland Cover Songs‚ und ‚The Most Wonderful Time of the Year‚ vergrault haben dürfte, die unter dem Stone Temple Pilots-Banner keinen Linkin Park-Sänger hören wollen oder die Velvet Revolver immer noch Tränen nachweinen.

Mögen ‚Blaster‚ letztendlich also die wirklich nachhaltigen Songwritingmomente, packenden Melodien oder zwingenden Hooks in einer mitunter generischen Masse aus aneinandergereihten Standards, bereitwillig exerzierten Genreplattitüden und breitbeinige Gesten vollführenden Stadionklisches fehlen (Jeremy Brown darf in der gefühlten The Dead Weather-B-Seite ‚Modzilla‚ etwa erst nach einem von seinem Frontmann energisch rausgepressten „The man is gonna take you for a ride! Hit it!“ loslegen) – man verzeiht Weiland und seinen routinierten Wildabouts selbst gefällige Banalitäten wie ‚Parachute‚, den wie vieles hier absolut innovationsresistenten, heavy kriechenden Starkstromblues ‚White Lightning‚, das nett tänzelnde ‚Youth Quake‚ oder auch die geradezu ärgerlich unnötige Aufarbeitung von ‚20th Century Boy‚; auch all das Lamentieren zwischen knackig gemeinten Riffs und traditionsbewussten Posen. Weil ‚Blaster‚ in Summe trotzdem überraschend frisch klingt und immer dann, wenn Weiland den Ballast der Vergangenheit leichtfüßig hinter sich zu lassen versucht für einige Ausbrecher nach oben zu haben ist.

Way She Moves‚ ist etwa ein etwas hüftsteif bleibender, aber schön luftiger Southern Rock mit psychedelischem Flowerpower-Einschlag in den Harmonien. ‚Amethyst‚ kennt keine Trennstriche zwischen The Who und AC/DC und döst in seinem Refrain bereitwillig, hat drumherum allerdings einen angenehmen Zug nach vorne, nachdem das unbeschwerte ‚Hotel Rio‚ als ideal-unkompliziert dahinlaufender Roadtrip-Soundtrack mit Handclaps und polternden Drums ohnedies verdeutlicht, dass Weiland sich im Pop momentan vielleicht wohler fühlt als irgendwo sonst. Nachzuhören auch im flotten ‚Beach Pop‘, das sein Titel-Versprechen mit Beach Boys-Piano und flappsigen „We’re gonna get married„-Lyrics kurzweilig einlöst.
Im melancholischen Slide-Gitarren-und-Banjo-Schlusspunkt ‚Circles‚ schafft es Weiland dann sogar beinahe, auch stimmlich wieder eine Bandbreite alter Tage abzurufen, die ihm ansonsten etwas eingerostet zu sein scheint. Weswegen die Rechnungen der beiden 1990er-Zeitreisen ‚Blue Eyes‚ (legere Grunge, wie man ihn so ähnlich theoretisch wieder von Billy Corgan und seinen Smashing Pumpkins wünschen würde) und ‚Bleed Out‚ (so nahe war Weiland stilistisch schon lange nicht mehr an der Frühphase von Nirvana dran) dann zwar nur bedingt aufgehen, zeigen sie den 47 Jährigen aber doch auch vitaler und ambitionierter als die gesamten letzten Jahre über.

Tatsächlich wie jemanden, der langsam wieder zurück in die Spur, aber noch nicht die treffsichersten Songs gefunden hat. Dass ein Bandgefüge mit mehr künstlerischen Reibungspunkten die hier versammelten Kompositionen durchaus bereichert hätte, macht die aktuellen personellen Umstrukturierungen bei den Stone Temple Pilots hinsichtlich des rekonvaleszenten Weiland freilich noch weniger zufriedenstellend.
Wie der Kalifornier den ‚Blaster‚ aber auch so abwechslungsreich zwischen zahlreichen Anknüpfungspunkten seiner bisherigen Band-Stationen und möglichen Zukunftsoptionen im Suchlauf pendeln lässt, hat das als vielversprechendes Warm-Up durchaus einen unspektakulär-routinierten Unterhaltungswert. Unter anderen Vorgeschichten und Umständen würde man das eventuell anders hören, so aber ist dieses kurzweilige, variantenreiche Handwerksalbum eine überraschend gefestigte Rückmeldung des noch vor kurzem so rettungslos desolat erscheinenden Ex(?)-Junkies.

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