Sigur Rós – Brennisteinn

von am 25. März 2013 in EP

Sigur Rós – Brennisteinn

Wird die nach weitläufiger Meinung notwendige „Wiedergutmachung“ für ‚Valtari‚ womöglich ausgerechnet durch die Ambient-Metal-Band Sigur Ròs stattfinden? ‚Brennisteinn‚ deutet jedenfalls bereits wenig subtil an, dass die Isländern mit ‚Kveikur‚ so einiges an Aggression abbauen dürften.

Vielleicht mag es daran liegen, dass das in stimmungsvollen Soundscapes schwimmende ‚Valtari‚ der großen Menge der zahlreichen Sigur Ròs Freunde nicht nur Freudentränen ins Gesicht treiben konnte. Vielleicht ist ‚Brennisteinn‚ aber auch bereits Ausdruck bandinterner Reibereien, die letztendlich Anfang des Jahres zu der Trennung von Multiinstrumentalist Kjartan Sveinsson führte und Sigur Ròs als Trio zurückgelassen haben. Vielleicht lässt die Entwicklung der Band aber auch keine Rückschlüsse auf das kommende Studioalbum zu (stammt das Material womöglich bereits aus den verworfenen Sessions der Prä-‚Valtari‚-Zeit?) und eventuell wird ohnedies weniger heiß gegessen als vorgekocht (weitere bereits Live-erprobte Vorboten lassen durchaus „klassische“ Sigur Ròs-Momente in Aussicht). Fest steht nach den plötzlich losgelassenen 17 Minuten der ‚Brennisteinn‚-Ep hingegen vorerst einmal: Sigur Ròs werden kaum ein Jahr nach ‚Valtari‚ bereits Album Nummer 7 am Start haben – und klingen zumindest auf der ersten Auskoppelung tatsächlich angepisst wie nie.

Dunkler, härter und deutlich aggressiver als alles bisherige Material soll ‚Kveikur‚ im Gesamten ausgefallen sein – ‚Brennisteinn‚ gibt einen adäquaten Vorgeschmack darauf. Über eine abgründig pumpende, erhabene Alptraumoper samt Hornsektion und Streichernebel schieben Sigur Ròs zwei energische Druckwellen: die erste streckt sich dreieinhalb Minuten lang mit tonnenschwer walzendem Riffing und epischer Inszenierung gen maschinellen Doom, die zweite greift vorhandene Motive mit getriebenem Rhythmus neu auf, gibt sich mit trügerischer Fratze beinahe tanzbar. Die eingängige Gesangslinie von Jònsi macht vor allem im hymnischen Refrain einen verqueren Ohrwurm aus dem Ungetüm, die ätherisch pulsierende Rock-Atmosphäre und die schiebenden Gewalt der Herangehensweise knüpft automatisch Assoziationen zu den Großtaten der Japaner Boris. Da erscheint es plötzlich gar nicht mehr so irreal, dass die Isländer Bands wie Old Lines Tribut gezollt haben sollen.

Hryggjarsúla‚ (eine wunderbar grotesk entstellte und verstörende Apokalypse aus Silent Hill-Soundtrack samt Orchester und William Basinski’s ‚Disintegration Loops‚-Serie) und ‚Ofbirta‚ (eine am ehesten an ‚Valtari‚ gemahnende Ambient-Odyssee, als versöhnlicher Gegenpol zum restlichen Geschehen stimmig gesetzt) nutzen Jònsis Gesang allerhöchstens als verschwommenes Soundelement und fallen gegen den Titeltrack zwangsläufig ein klein wenig ab.
Das fulminante Trio kündigen dabei nur deswegen nicht an, dass sich Sigur Ròs mit ‚Kveikur‚ wieder zu alter Magie aufschwingen könnten – weil sich die Band den Vorzeichen nach (wieder einmal) ein gewaltiges Stück weit neu erfunden hat. Als hätten die Isländer nichts zu verlieren. Aber angeschossene Tiere gelten eben nicht von ungefähr als besonders gefährlich.Ein mutiger Schritt zeichnet sich also ab, der dunkle Gegenpol zum sonnig losgelösten ‚Með suð í eyrum við spilum endalaust‚ könnte seine Pforten öffnen. Reichlich Mutmaßungen im Vorfeld. Bereits jetzt darf ‚Kveikur‚ also etwas für sich pachten, was ‚Valtari‚ weitestgehend abging: innovationswütige Spannung.

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