Soundgarden – Echo of Miles: Scattered Tracks Across the Path

von am 6. Januar 2015 in Compilation

Soundgarden – Echo of Miles: Scattered Tracks Across the Path

Soundgarden haben es seit jeher verstanden auszusieben und ihr bestes Material entsprechend auf den regulären Studioalben in Szene zu setzen. Dennoch ist die Raritätensammlung ‚Echo of Miles: Scattered Tracks Across the Path‚ ein endlich wahr gewordener Fantraum.

Zu bemängeln gibt es da an sich wenig. Dass nicht restlos alle der theoretisch vorhandenen B-Seiten, Outtakes, Coverversionen und  Compilationbeiträge im Kanon dieser insgesamt 50 Songs umfassenden Sammlung aufgefahren wurden lässt sich durchaus verschmerzen, auch wenn etwa die Ur-Version von ‚Incessant Mace‚, die Neuaufnahme von ‚New Damage‚ mit Queen-Maestro Brian May oder etwaiges Deep Six-Material in einer derart chronologischen Dokumentation eigentlich nicht hätten fehlen dürfen.
Dass ‚Dirty Candy‚, ‚Ocean Fronts‚, ‚Open Up‚, ‚Summation‚, ‚Beast‚ und ‚No Shame‚ hierauf nicht zu finden sind (obwohl Kim Tayil diese bisher unveröffentlichten Songs doch angeblich so gerne in einem solchen Kontext präsentiert hätte), ist natürlich schade – aber vielleicht soll eine entsprechende Veröffentlichung ja erst in naher Zukunft und als Überbrückungshilfe bis zum ‚King Animal‚-Nachfolger weiteres Geld in die Kassen einer Band spülen, die bisher noch immer irgendwas aus der Mottenkiste zum Veröffentlichen gefunden hat.
Und natürlich: die Europa-exklusive 14-Song-The Originals-only-Version ist alleine deswegen eine schwachsinnige Idee, weil hier mit ‚Kyle Petty, Son Of Richard‚ (ein schön schmutzig Riffrockender Groover), ‚Exit Stonehenge‚ (ein unterhaltsamer, absurder 70 Sekunden-Rumpler in bester Melvins-Manier), dem punkrockigen Sub Pop 200- Telefongespräch-Sprinter ‚Sub Pop Rock City‚ und dem unentschlossen zwischen Black Sabbath und Led Zeppelin torkelnden Frühwerk ‚Toy Box‚ ganze vier Songs der regulären „Originals“-Disc fehlen.

Ansonsten fährt der erste Tonträger der Compilation mit ‚Blind Dogs‚, ‚She Likes Surprises‚, ‚Bleed Together‚ oder ‚Birth Ritual‚ zahlreiche hochklassige Fanfavoriten auf; und selbst wenn klasse Songs wie ‚HIV Baby‚ oder ‚Cold Bitch‚ nicht restlos mit ihren überragenden Albenverwandten mithalten können: geschenkt. Weil selbst eine zweitklassige Soundgarden-Nummer…ein Plattitüdenstehsatz, der vom wirklich schwachen Avengers Assemble-Beitrag ‚Live to Rise‚ und der soliden, aber kaum aufsehenerregenden ‚Telephantasm‚-Rechtfertigung ‚Black Rain‚ beinahe Lügen gestraft wird, bevor mit dem sehr feinen ‚Kristi‚ und (dem neu aufgenommenen, U2‚esken) ‚Storm‚ zwei „previously unreleased„-Schmankerl den Originals-Part beenden und damit vom Essentiellen zum Liebhaber-, Komplettisten- und Spezialistenmaterial überleiten.

Der „Covers„-Datenträger springt dann seinem Namen entsprechend von Green River (‚Swallow my Pride‚)zu Beatles-Kompositionen (‚Everybody’s Got Something to Hide Except Me and My Monkey‚ oder ‚Come Together‚); verneigt sich vor Howlin‘ Wolf (‚Smokestack Lightning‚) und den Stones (‚Stray Cat Blues‘); und macht die Distanz zwischen Devo (‚Girl U Want‘), Sly and the Family Stone (‚Thank You (Falettinme Be Mice Elf Agin)‚) Black Sabbath (‚Into the Void‚) und den Stooges (‚Search and Destroy‚ – wie die erfreulicherweise aufgefahrene Doors-Interpretation ‚Waiting for the Sun‚ des ‚Live on I5‚-Zusammenschnittes) zu einer ganz kleinen: Soundgarden huldigen ihren Idolen zu verschiedenen Anlässen, verleiben sich die Originale mal besser, mal schlechter, aber immer eigenwillig genug, um das Ergebnis auch mit bisweilen suboptimalen Soundquellen zu einem mehr als gerechtfertigten Tribut samt klarer Identitätserweiterung zu formen. Was über weite Strecken auch die Nicht-Hardcore-Fanfraktion ansprechen wird – was wiederum für „Oddities“ eher weniger gelten dürfte.

15 Songs tummeln sich hier, von denen die Remixe allesamt kaum nötig gewesen wären, während sich das Gros des restlichen Materials als vornehmlich instrumentale Jamlandschaften entpuppen, immer wieder psychedelisch ausfransend und lose verspielt um vage Ideen treibend. Wirklich erinnerungswürdig ist es vielleicht nicht, wenn ‚A Splice Of Space Jam‚ immer vertrackter austickt oder ‚Night Surf‚ sich ganz entspannt durch das Zwielicht shuffelt – es macht allerdings enormen Spaß dabei, einer Band mit den Fähigkeiten von Soundgarden beim experimentieren, tüfteln, grooven und zurücklehnen zuzuhören.
Eine lockere Fingerübung in Summe nichtsdestotrotz, dazu auch Grundbausteine späterer Songs – was sich vor allem anhand von ‚Black Days III‚ nachvollziehen lässt: die Entwicklung dieses Grundrisses bis hin zum fertigen ‚Superunknown‚-Stück ‚Fell on Black Days‚ ist eine immense.
Weswegen Fans eben auch jeden Ausläufer dieser dreigeteilten, relativ ansehnlich aufgemachten Compilation spannend und unterhaltsam finden dürften und durchaus ihre Freude daran haben sollten, die Alleskäufer freilich deutlich weniger als die sporadisch die Geldbörse zückenden: wer sich alleine die Jubiläums-Neuauflage von ‚Superunknown‚ gegönnt hat, der hat 2014 einiges hiervon ohnedies bereits gebündelt serviert bekommen. Aber Soundgarden und ihre Veröffentlichungspolitik – das ist mittlerweile ohnedies ein ganz eigenes Kapitel.

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