The Coral – 388

von am 29. Juli 2026 in Album

The Coral – 388

388, Studioalbum Nummer 13., kommt ohne große Vorankündigungen daher und zeigt die hemmungslosen Nostalgiker The Coral so direkt ausgelegt wie lange nicht.

Den Titel der Platte stiftet die Vintage Tascam 388 8-track analog tape machine, auf der das Merceyside-Quintett sein vom psychedelischen Pop verschnürtes Amalgam aus „reggae, dub, rocksteady, soul and doo-wop“ in einem besonders betonten „raw, live-in-the-room retro sound“ eingefangen hat.
Die niemals um den Blick in die Vergangenheit verlegende Gang klingt unter diesen anachronistischen Aufnahmebedingungen besonders nah an ihrer Essenz – weil auch ästhetisch aus der Zeit gefallen und älter, als es 30 Jahre Bandgeschichte nahelegen.
Play that song again / You know the one / The one we used to smoke to / When we were young.“ singt James Skelly im Falsett zu 60s-Charme und schwofenden Mariachi-Bläser insofern auch gleich in Let the Music Play passgenau in Erinnerungen an vergangene Tage schwelgend. Und holt exemplarisch für 388 – und vor allem dessen hervorragender erster Hälfte – ansatzlos und zugänglich ab. Mit einem Gefühl der Vertrautheit und Verbundenheit, als hätte man den Opener schon jahrelang als Ohrwurm ins Herz geschlossen gehabt.

All summer long/ Watched the night tides roll away/ Wrote a hundred songs/ We’ll never be so young again, whoa oh oh“ heißt es später wehmütig in der Intimität You and Me (And the Beautiful Sea), auf Gitarre und Harmoniesucht reduziert ganz in der ruhige Melancholie einer ebenso vergänglichen wie unendlichen Romantik aufgehend: „Listening to the breeze (Just you and me)/ It’s just you and me (And the beautiful sea)“.
Als ideale Begleitung für den sonnigen Sommer entfaltet 388 ein warmes Understatement, eine unaufdringliche Catchyness. Einfach und nonchalant reihen The Coral die subtilen, kompakten kleinen Hits aneinander – oder zumindest so viele schmissige Instant-Kandidaten für kommende Singles-Compilations – wie das in dieser Dichte wohl kein anderes Album der Band seit mindestens Butterfly House wollte.

Ride That Train shaked smooth über die Orgel und Leave It in the Past klimpert seinen beseelten Ska über ein karibisches Flair. Shame tänzelt mit seinen Drums durch einen latenten Tarantino-Vibe und hat wirkt wie ein verschwommener Missing Link zu den ersten beiden zwei Alben. Natürlich wie nahezu alle Songs mit „uuuhs“ und „aaaahs“ und „ooohs“ ausgeschmückt.
Auch danach geht 388 weiterhin gut ins Ohr, rauscht allerdings auch etwas gefälliger und unverbindlicher durch. Das smooth schunkelnde Here Come the Tears geht Hand in Hand mit dem langsamen Geisterhaus-Boogie von Yellow Moon. Sad Girl plätschert verträumt und High Tide ist einfach eine angenehme Brise, bevor Spirit Catcher aus der Bar nach vorne marschiert und mit dem einmal mehr Backing-verführten Crossing the Sands der bittersüß betörenden Vergänglichkeit entgegenschwoft.
In Summe ist 388 deswegen auch nicht unbedingt das bessere Album als Coral Island oder Holy Joe’s Coral Island Medicine Show. Gerade selektiv wahrgenommen bleiben aber so viele tolle Songs hängen, wie lange nicht.

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