The Killers – Battle Born

von am 17. September 2012 in Album

The Killers – Battle Born

Man kann Brandon Flowers und seiner Las Vegas-Truppe mittlerweile vieles vorwerfen, dass sie ihrem mit ‚Day & Age‚ eingeschlagenen Kurs Richtung musikalischer Bedeutungslosigkeit trotz aller Unkenrufe und Schmähungen nicht unbeeindruckt beinhart beibehalten würden, gehört jedoch nicht dazu.

Man muss sich das erst einmal vor Augen halten: ‚Runaways‚ signalisierte als Vorabsingle tatsächlich wie ein schwaches Leuchtfeuer Hoffnung für die nach ‚Day & Age‚ gnadenlos in geschmacklose Tiefen einer ureigen-alptraumhaften 80er-Interpretation zeigende Formkurve der ehemaligen Rockband. Und das, obwohl das gnödelnd-gallopierende ‚Runaways‚ mit all seinen kitschig aufgeplusternden Synthietupfern am liebsten eine Bonnie Tyler Powerballade geworden wäre. Aber unter all den Schichten ließ sich die eleganten Rockgarnitur, die doch ‚Hot Fuss‚ und ‚Sam’s Town‚ zustande gebracht hatte zumindest im Ansatz erahnen. In den Kontext von ‚Battle Born‚ gesetzt ist man knappe 50 Minuten später freilich um einige Erkenntnisse reicher. Etwa, dass das mediokre ‚Runaways‚ tatsächlich bereits der zumutbarste und „beste“ Song der vierten The Killers Platte geworden ist. Oder dass Flowers und Co. auch wirklich versuchen, dem Rock mit fünf verschiedenen Produzenten (Stuart Price, Steve Lillywhite, Damian Taylor, Brendan O’Brien, Daniel Lanois) wieder einen Spalt breit die Hintertür in ihren gestelzt flanierenden, soft für die auf Hintergrundbeschallung spezialisierten Radiostationen der Welt arrangierten Pomppop offenzuhalten, aber letztendlich ausschließlich an kitschig-käsigen Hymnen für all jene interessiert sind, die meinen Bon Jovi’s aktuelleren „kraftvollen“ Halbballaden könnte ein moderner – sprich altmodischer Wave- – Anstrich nicht schaden. Vor allem aber zeigt ‚Battle Born‚, dass der Zug in die unabwendbare Egalität für The Killers hiermit wohl endgültig abgefahren ist, dezente Einbremsungen im freien Fall der Qualitätskurve werden da obsolet.

Flesh And Bone‚ sorgt schon zu Beginn für klare Fronten, wenn man auch ohne Probleme glauben könnte, dass der gesamte Song an einem einzigen Billo-Keyboard eingeespielt wurde, selbst, wenn ‚Be Still‚ in seiner zurückgenommenen Haltung diese Auszeichnung trotz der auftauchenden Softrock-Sologitarre noch vehementer einfordert. Zu diesem Zeitpunkt ist ‚Battle Born‚ bereits zu einem unangenehm plätschernden Kampf mit der eigenen Aufmerksamkeitsspanne ausgeufert, dem nur noch der ausladende Titeltrack die Europe-Krone aufzusetzen braucht. Die Queen-Ambitionen der Band werden hier aufs ärgerlichste ausgelebt, dass das trotzdem zu den besseren Momenten der Platte gehört, spricht für sich. Weil The Killers zwar 80er-affine Powerballaden schreiben wollen, aber selbst der Band bei derart viel bedeutungsschwanger aufgeblasenen, langatmig-substanzloser Sülze die Füße einschlafen, dass man meinen möchte, die bringen noch nicht einmal mehr ihren schmalztriefenden Pathos zustande (‚Here With Me‚). ‚A Matter of Time‚ malträtiert mit anbiedernden Ohoho-Chören über dem treibenden Basslauf auf dem Weg zu Pomp und großer Geste mit Ambition, der flott nervende Countryausblick von ‚From Here On Out‚ will dazu passend schon jetzt die Stadien der Welt mit Handclaps versehen.

Wo anders mag man sich das unsäglich dumpf-kalkulierte Gemisch der Killers mittlerweile gar nicht mehr vorstellen. Auch, weil Songs wie das über ätherische Synthiewellen gleitende ‚Deadlines And Commitments‚ mit der geschwollen vorausgockelnden Diva Flowers immer dem exakt selben, ermüdend überraschungsarmen Aufbau folgen: dem sentimental inszenierten Synthiebeginn folgt ein kraftvoll gemeinter Mittelteil bis zur Zielgeraden in Form des über die Stränge schlagenden Finaleinlaufs. Siehe auch ‚Miss Atomic Bomb‚, dass in seiner ausladenden Nostalgiesucht wie The Gaslight Anthem am Blackjack-Tisch anmutet, freilich im Pfauenkostüm anstelle der Lederjacke. Dass plötzlich noch die ‚Mr. Brightside‚-Gitarrenlinie ins Ende grätscht, wirkt wie blanker Hohn, die verzerrte Gitarre in ‚The Rising Tide‚ hingegen wie die Alibi-aktion, um die vorab getätigten „Back to the Roots„-Ankündigungen zu legitimieren. Warum Flowers hier irgendwann trotzdem einmal wie der kastrierte Hund von The Darkness-Sänger Justin Hawkins losbellt, erklärt das freilich nicht. ‚Heart Of A Girl‚ macht als verletzlich zurückgenommen inszenierte Pseudo-Intimität nach dem Lehrbuch von Springsteen, Petty und Co. – auch, wenn diese sich wohl für diese wenig stilsicher inszenierte, leise Melodramatik samt „Daddy, Daddy„-Lyrics fremdschämen – dafür umso deutlicher, dass The Killers schlicht ein grundsätzlich vollkommen schief hängendes Bild von Zeitlosigkeit, Massentauglichkeit, Vorhersehbarkeit, Anbiederung und Anspruch zu haben scheinen. Man kann ihnen nach ‚Battle Born‚ deswegen nun noch nicht einmal vorwerfen, sich für den geforderten Erfolg zu verbiegen. Viel eher ist nach hiernach klar, dass die vier aus Las Vegas nun schlicht dort angekommen sind, wo sie wahrscheinlich schon seit dem formidablen Indie-Hitlager ‚Hot Fuss‚ hinwollten – in der absoluten Unverbindlichkeit des Gelegenheitssoundtracks für abgestumpfte Massen – was dann auch die schlimmste Erkenntnis aus diesem emotions- und kraftlos dümpelnden Einerlei der Selbstüberschätzung wäre: wo „Battle Born“ eigentlich das ein für allemal verankerte „Battle Lost“ meint.

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7 KommentareKommentieren

  • thaneel - 17. September 2012 Antworten

    so ein schwachsinn! wer will denn eigentlich deine meinung wissen? es zeugt von ungeheurem kleingeist, dass mit dieser pseudo-kritik mal eben 16 lieder verissen werden. unprofessionell, subjektiv und schlecht!

  • Oliver - 17. September 2012 Antworten

    Ganz allgemein: die Review bezieht sich nur auf die 12 Songs umfassende Standardversion, nicht auf die 15 Songs beinhaltende Deluxe Edition. Dass es generell gar keine 16 Nummern umfassende Version zu geben scheint, tut dann eigentlich auch nicht mehr zur Sache. Soviel dazu.

    Im Speziellen: Meinungen sind nun einmal schon per Definition subjektiv gehalten, inwiefern ein Verriss der besprochenen -zugegebenermaßen nicht gerade besonders fordernden – Platte auf einen „ungheuren Kleingeist“ rückschließen lässt, liegt dann vermutlich im Auge des Betrachters. Unprofessionell kann man die „Pseudo-Kritik“ so natürlich finden, schlecht vermutlich noch einfacher. Vielleicht würde es aber auch schon helfen, sich mit der zu eng sitzender Fanbrille nicht gleich persönlich attackiert zu fühlen, wenn nicht jeder die gleiche Meinung zur eigenen Lieblings-band/platte hat (ist ja zum Glück so) und seine Ansichten wenigstens mit einem Mindestmaß an Manieren oder – besser noch – Argumenten zu untermauern.

  • Merle - 17. September 2012 Antworten

    so ein schwachsinn [2]
    http://www.gigwise.com/reviews/76316/the-killers-battle-born-mercury

    so macht man das! :*

  • Daniela - 17. September 2012 Antworten

    „so ein schwachsinn! wer will denn eigentlich deine meinung wissen?“ find ich eine ziemlich witzige Frage auf einem Musikblog der hauptsächlich von Reviews lebt. Ich mein, ist es denn nicht Sinn und Zweck, dass der Autor seine freie Meinung dazu schreibt?
    Ich habe die neue Killers Platte noch nicht vollständig gehört, aber alleine schon wegen dieser „total schlecht“ vs. „ihr erkennt die Kunst darin nicht“ Diskussion die sich in sämtlichen Reviews die ich dazu gelesen habe, abzuzeichnen scheint, werde ich sie mir (wenn vermutlich auch nur auf Spotify) anhören.
    Ergo: Liebe Killers-Die-Hard-Fans, auch eine schlechte Kritik kann interessant wirken und der Werbung dienlich sein. Nicht immer gleich alles so persönlich nehmen!

  • thaneel - 18. September 2012 Antworten

    mir wären fakten zu produzenten und insights aber lieber als die persönliche meinung des schreiberlings. no hard feelings though

  • Oliver - 18. September 2012 Antworten

    @Thaneel[/Merle]: ist aber eben eine Kritik zur Platte an sich und kein Interview, Porträt der Band oder sonstiges. Cheers!

  • nachgebloggt - 25. September 2012 Antworten

    Das Erste, was mir an dieser CD aufgefallen ist, ist das Booklet, das ich mir immer zuerst vornehme, weil man ja oft ein Liedchen einfach mitschmettern will. Hier geht das leider nicht, zwar hat jedes Lied eine eigene Seite, die aber kaum gefüllt ist. Auf den Seiten steht jeweils nur das Copyright, die Produzenten etc. Der Großteil der Seite ist dann leer, warum man da kein Lyrics raufgedruckt hat wundert mich doch sehr.

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