The Last Dinner Party – From The Pyre
Mit gerade einmal zwanzig verstrichenen Monaten seit dem Release ihres Debütalbums haben The Last Dinner Party den mit Prelude to Ecstasy entfachten Hype eigentlich nicht abflauen lassen. Dennoch erntet From the Pyre nun gefühlt markant weniger Aufmerksamkeit als sein Vorgänger.
Dabei macht das Zweitwerk grundlegend gar nicht so viel anders, als das kometenhafte Erstlingswerk. Gut, statt James Ford hat diesmal Markus Dravs (das packende Momentum nicht ganz zu gut fokussierend) produziert. Und der Baroque Pop ist als Orientierungspunkt etwas weniger deutlich im Gesamtsound geworden. Vor allem aber sind die Songs an sich etwas weniger greifbar und direkt ausgefallen, nicht ganz so schmissig und pointiert angelgt, wie noch auf (dem Jahreszeit-technisch zugegebenermaßen auch in einer Zeit mit weniger Konkurrenz veröffentlichten) Prelude to Ecstasy. Das Gesamtwerk wiederum latent aufgeblähter und minimal schwächer sequenziert auftritt, liegt jedoch auch daran, dass die Kompositionen an sich mutiger, wandelbarer und weitschweifender angelegt auftreten, ein vielseitige Theatralik pflegen und selbstbewusst fordern.
Vielleicht kann man sich in dieser Ambivalenz einfach darauf einigen, dass From the Pyre ein dem Artwork entspreche szenisch angelegtes Übergangswerk einer (mit einer abermals beeindruckend aufzeigenden Sängerin an vorderster Front ausgestatteten) Band ist, die sich gerade in einem Wachstumsprozess befindet?
So oder so holt gerade die Eingangsphase allerdings auch relativ zuverlässig ab. In Agnus Dei schunkelt die Apokalypse gefällig, selbst wenn das schön opulente Finale nicht restlos zwingend aufgeht, bevor Count the Ways die Arctic Monkeys-Vibes noch deutlicher in einen typischen Last Dinner Party-Refrain führt, auf dem Second Best thront und das aus Versatzstücken im Tempowechsel gebaute This Is the Killer Speaking als aufdringlicher Ohrwurm Hartnäckigkeit beweist.
Danach aber werden die Songs doch immer abenteuerlicher – im positiven, wie auch ein klein wenig negativen Sinne
Das tolle Rifle wird von Lizzie Mayland als Wellenbad der Gefühle von der französischen Ruhe massiv rockend aufgebrochen, bevor das folgende Trio unverbindlicher plätschert. Woman Is a Tree flirtet opulent, wohingegen I Hold Your Anger zwischen Queen und Elton John als vage ästhetische Referenzen, was die Haltung angeht, schillernd klimpert. Sail Away bleibt am Klavier sitzen und erblüht choral in Schönheit und Grandezza. Bezaubernd – aber nut bedingt ergreifend.
Das Highlight The Scythe ist dann vielleicht zu offenkundig Mitglied im Pink Pony Club, doch kann man dem tendenziellen Epos höchstens vorwerfen, dass er seinen Refrain zu oft und leicht zugänglich macht. Und, dass die Band hier den idealen Schlusspunkt von From the Pyre verpasst, weil sich der Epilog Inferno als Closer nicht restlos stimmig anfühlen will.
Oder ist das (auch aus allgemeiner Hype-Sicht betrachtet) womöglich einfach nur die angemessene Ruhe, bevor The Last Dinner Party mit Album Nummer einen ultimativen Sturm entfesseln?


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