The Last Dinner Party – Prelude to Ecstasy

von am 4. Februar 2024 in Album

The Last Dinner Party – Prelude to Ecstasy

Zwischen pressetechnisch generiertem Feuilleton-Hype und daraus resultierendem Credibility-Groll haben The Last Dinner Party mit Prelude to Ecstasy ein schlichtweg tolles Debütalbum – wenngleich mit Luft nach oben – aufgenommen.

Dem Titel des rasch auf die Bandgründung folgenden Erstlingswerks entsprechend, will die von dem Londoner Quintett mit den Mitteln des Glam und Barock Pop ausgerufene Renaissance des Indie Rock über 41 Minuten zwar noch keine restlose Begeisterung hervorrufen. Dass letztendlich all die auf der Insel provozierten Lobeshymnen für The Last Dinner Party die schwellenden Industry Plant-Vorwürfe übertönen sollten, wird mit Prelude to Ecstasy allerdings trotzdem eindrucksvoll vorgeführt.
Die fünf stilvoll gewandeten Damen verstehen es schließlich geschmackvoll und kompetent mit einem exquisiten Gespür für ästhetisch klar herausgearbeiteten Eklektizismus so eingängige wie charismatische Songs zu kreieren, die, wenngleich ohne wirkliche Herausforderung in der Zugänglichkeit, die grundlegende Zeitlosigkeit ihrer Inspiration durchaus in sofort zündendes, jedoch nachhaltiges Material übersetzen.

Vor allem Abigail Morris Vocals bezaubern unmittelbar kraftvoll und (wohl auch polarisierend) facettenreich, die starken Gesangslinien bleiben ansatzlos hängen – und die Ansicht, dass Prelude to Ecstasy dahinter eher die Summe seiner Teile ist, die von den märchenhaften, ziemlich traumhaften Arrangements zusammengehalten werden, während einzelne Motive wie etwa beispielsweise explizite Gitarren-Ideen nur selten herausstechen, wird auf den letzten Metern des Albums auch noch korrigiert: ausgerechnet durch das grundlegend mit mehr spaciger Synth-Wucht angelegte My Lady of Mercy schrammt ebenso gedankenverloren wie das ansonsten primär aus der Bowie‘esken Klaviatur gen ABBA perlende Portrait of a Dead Girl (dessen rhythmische Facetten durchaus exemplarisch für die vitale Dynamik der Platte ist), bevor sich Nothing Matters gar zum Solo klatscht.
Prelude to Ecstasy ist bunt und schillernd, macht auf (manchmal etwas biedere Weise) Spaß, ohne prätentiös oder ausufernd zu werden. Goth, Romantik, Pomp. Americana – falsche Zurückhaltung gibt es nicht, wenn es homogen ins übergeordnete, akribisch vermittelte Bild passt. Die orchestrale, dem Album seinen Titel stiftende Ouvertüre gibt dabei den opulenten Rahmen vor, bei dem The Last Dinner Party den Spannungsbogen, der über das instrumentale (und superb in den Fluss eingefügte) Zwischenspiel Gjuha bis zum abschließenden, majestätische Geduld in Sachen Bond-Mystik beweisenden Schlusspunkt Mirror einen runden Spannungsbogen beschreitet.

Burn Alive holt schmissig als latent treibender Anachronismus mit seiner 80er-Faszination gen Long Blondes ab, das smart-kompetente Caesar on a TV Screen überzeugt mit der dramatischen Geste seines quietschenden Refrains auch im Mittelmaß. Das fabelhafte The Feminine Urge ist als Instant-Ohrwurm ein unbedingtes Highlight und schlichtweg supertoller Pop, dessen Melodie man seit langem von anderswoher zu kennen meint, derweil sich das wunderschöne On Your Side balladesker angelegt melodramatisch streckt: betörend! Das zurückgenommene Beautiful Boy erblüht jubilierend und Sinner groovt feierlicher gelöst, als würden die durch die Platte geisternden Referenzen – u.a. Marina & The Diamonds, Kate Bush & The Howling Bells, Siouxsie & the Banshees, Florence & The Machine,…- eine gospelartige Party steigen lassen.
All das mag in Summe manchmal ein wenig zu abgeklärt, schon ein wenig zu perfekt und glatt konstruiert von der starken James Ford-Produktion eingefangen sein, wodurch Prelude to Ecstasy niemals so aufregend ist, wie es sich eigentlich anfühlen sollte. Doch untergräbt dies kaum die vorhandene kunstfertige Qualität: The Last Dinner Party müssen sich eigentlich nur den Vorwurf gefallen lassen, dass sie mit ihrem Debütalbum formvollendeter abliefern, als der Außenwirkung ihrer Musik im Moment schon gut tut.

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