Various Artists – The Hunger Games: Catching Fire

von am 24. November 2013 in Soundtrack

Various Artists – The Hunger Games: Catching Fire

Auch die Panem-Filmreihe setzt auf das gängige Schema fetten Hollywoodblockbustern einen prestigeträchtigen Soundtrack zur Seite zu Stellen – und fährt im zweiten Anlauf mit einer Hinwendung zu zahlreichen Vertretern der oberen Indie- und Alternative Riege wieder gut damit.

Was etwa bei Twilight trotz teilweise grandioser Beiträge von Grizzly Bear über Vampire Weekend bis hin zu Thom Yorke zwangsläufig etwas gestelzt wirken musste oder bei ‚Avengers Assemble‚ in ein weitestgehend unzusammenhängenden Zusammentrommeln letztklassiker Ausschussware unter Markennamen ausartete, das funktioniert bei der von Kritikern ohnedies geschätzteren The Hunger Games-Saga alleine oberflächlich betrachtet doch angenehm schlüssig. Einem Film mit Protagonistin im Zentrum folgend fällt auch bei der Wahl der versammelten Songs einen auffallend hohen Anteil an weiblichen Urheber(_Inne)n ins Ohr, und die anwesenden Herren geben sich daneben entweder besonders schmeichelweich oder hochtönig.
Dazu hat man sich die Mühe gemacht inhaltliche Themen und Motive am Ausgangsstoff zu normen (Stichworte: „Fire„, „Fight„, „Survive„, „Girl„, etc .) und die Songs in der Inszenierung allgemein gerne zurückgenommen beginnen zu lassen um sie im weiteren Verlauf epischer, hymnischer, heroischer auszubauen. Was das vorhandene Material zwar leichter auszurechnen macht, aber alleine anhand von Songs wie ‚Capitol Letter‚ (Pattie Smith) auch den Eindruck suggeriert es ausnahmsweise mit eigens gefertigten Kompositionen zu tun zu haben, nicht mit ausrangierten Überbleibseln aus der Mottenkiste der letzten jeweiligen Studioalben.

Dass die Namen der aufgelaufenden Bands und Musiker dabei natürlich trotzdem größere Hoffnungen/Erwartungen wecken als die Songs letztendlich zu erfüllen vermögen, das passt dann zwar nur zu gut ins gängige Muster dieser Soundtrackbauart, allerdings sind störende Totalausfälle eben auch absolute Mangelware. Das unerträglich „emotionale“ ‚We Remain‚ (Christina Aguilera) ist in diesem Umfeld der einzig absoluter deplatzierte Rohrkrepierer mit Ohrenkrebsgarantie, ansonsten gelingt der Spagat zwischen Mainstreampop-Anforderungen, Pathos, allgegenwärtigem Fistelgesang (The Weeknd ist endgültig in der ersten Liga angekommen und wird vor allem mit dem dramatisch kriechenden ‚Devil May Cry‚ Herzen schmelzen lassen) und angenehmen Songwriting durchwegs souverän.
Ellie Goulding zeigt etwa das Verständnis von Björks-Vermächtnis aus Sicht der Generation Vocoder (‚Mirror‚), Of Monsters and Men mit ‚Silhouettes‚ und The Lumineers (‚Gale‘) die große Bandbreite von modernem Folkrock nach Mumford & Sons. Imagine Dragons (‚Who We Are‚) hören privat hingegen wohl gerne den „Rock“ der Killers um ihn das selbst mit R&B-Ideen und Radiohead-Gitarren zu mischen.

Mit Coldplay und The National befinden sich dann auch noch die potentesten Schmuserocker aus Mainstream und Indie im Programm, inszenieren am einen Beispiel routiniert Intimität und Emotionalität und vollführen am anderen ihren klassischen Trick aus der Mischung umständlicher Rhythmen mit reduzierter Akustik und Tom Berengers verträumt-wunderschönem Schlafzimmer-Bariton. Was zusammen mit zielgruppenzugeschnittenen Coverversionen (Lorde interpretiert ‚Everybody Wants To Rule the World‚ als dunkel-schleppenden Synthiepop), Melodramatik im generell eher elektronischen Gewand und schnippenden Beats (Sia tut sich für ‚Elastic Heart‚ mit The Weeknd und Diplo zusammen) und sphärischen Ambientgesängen (ein schöner Abschluss: Antony & The Johnsons mit ‚Angel On Fire‚) also subjektiv auch als wunderbar gepflegte Langeweile und kalkulierte Risikominimierung aufgefasst werden kann funktioniert vordergründig jedoch über weite Strecken schlicht und ergreifend als unkompliziert-massentauglicher Pop ohne gravierend negativen Beigeschmack. Eine ziemlich runde Sache.

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