Vennart – Copeland

von am 28. September 2018 in EP

Vennart – Copeland

Sein starkes zweites Soloalbum To Cure a Blizzard Upon a Plastic Sea bekommt von Mike Vennart und seiner Band einen atmosphärischen EP-Trabanten zur Seite gestellt: Copeland hallt mit vier Instrumentaltracks sowie einer nominellen B-Seite nach.


Dass das eröffnende Terrors mancherorts zumindest diese Kategorisierung bekommt, ist allerdings alles andere als gerecht: Die Nummer hält das Niveau der regulären Albumnummern nicht nur mühelos, sondern hätte im Kontext von To Cure a Blizzard Upon a Plastic Sea trotz starker Konkurrenz sogar durchaus aufzeigen können – und gerade für die stilistisch gewöhnungsbedürftigeren Ausreißer der Platte sogar eine zugänglichere Alternative angeboten.
Über elektronische Loops und verspielte instrumentale Einfälle nimmt Terrors jedenfalls langsam an Fahrt auf, schwelgt und blüht über Synthiewälle, formt seine sehnsüchtige Melodie und hat etwas durchaus cinemascopisches an sich. Als würde der so zärtlich wie beschwörend intonierende Vennart die Untermalung einer erhebenden Schlussszene in einem auf die optimistische Note endenden Indie-Melodram liefern, die majestätisch über den Horizont hinausträgt, die Konturen hinten raus aber bewusst offen lässt, anstatt zuzupacken. In etwa also ein subversiver, sachte motivierender Ohrwurm aus der (im bsten Sinne!) Komforzone, leise getragen und irgendwann ohne Gesang ausklingend.

Damit ist der Weg der EP geebnet. Für die folgenden knapp 20 Minuten von Copeland bewegt sich Vennart schließlich nur noch in rein instrumentalen Gefilden – was die Platzierung von Terrors gefühltermaßen übrigens noch ein wenig unglücklicher erscheinen lässt. Sei’s drum: Der Fluss des Kurzformates ist alleine durch den langsam abebbenden Mix zwischen den Stücken absolut homogen und fesselt in weiterer Folge mit atmosphärisch einnehmenden, rein kompositionell betrachtet aber durchaus auch differenzierten Ergebnissen.
Castlefordian Girls ist ein nachdenklicher Gitarren-Soundtrack im getragenen Tempo, geschrieben von Vennart und Kumpel Gambler – weswegen Schattierungen in der Nähe von British Theatre wohl nur logisch sind. Hier texturieren ein paar Reverb-Anrisse, dort dösende Keyboard-Schichten, doch letztendlich verzaubert die Nummer nonchalant ohne konkretes Ziel und mutet im Grunde wie eine Ambient-Trance an, irgendwo im Dämmerzustand zwischen Oceansize und aktuellen Mogwai.
Die schottischen Genre-Könige stehen dann auch Pate für Ambi, dass die Augen schließt und vage Soundschleifen schweben lässt. Allerdings wiederholt das Rock-Ästhetikum sein grundlegendes Motiv später leider bis zur leichten Übersättigung, verrennt sich in der Diskrepanz, ohne Vocals keine Perspektiven auftun zu können. Das Gerüst eines klassischen, verhältnismäßig konventionell strukturierten Vennart-Songs ist zwar so erkennbar, doch müsste die Nummer nach zwei Minuten aus ihrer festgefahrenen Schleife eben ausbrechen, um tatsächlich zu funktionieren. So aber bleibt sie in ihrem Muster gefangen, weswegen der Song auch ausnahmsweise eher wie eine nicht zu Ende gedachte Skizze anmutet. Eine, die allerdings auch zeigt, welche fesselnden Stimmungsbilder Vennart und Co. zeichen können.

Ähnlich postrockig und plätschernd, aber kompletter ausgeführt gerät dann folgerichtig auch das abschließende I‘m Janick Gers. Eine kontemplativ anschwellende und immer dichter werdender Schönheit, die vor allem vom vitalen Schlagzeugspiel lebt, dabei aber eine ungezwungene Lockerheit an den Tag legt, wie Gitarren und Bass da im Wechselspiel miteinander kommunizieren. Immer heller beginnt der Closer zu strahlen, zaubert ein verhuschtest Lächeln ins Kopfkino und hat eben vor allem einen stringenten Spannungsbogen.
Auf einen solchen verzichtet das klimpernde Mines. Die von Drummer Denzel geschriebene Nummer pendelt am Piano wie Ryuchi Sakamoto zwischen Sinnsuche und Optimismus, mäandert aber zu unfokussiert und wenig essentiell – Copeland ist im Gegensatz zu seinem fesselnden Album-Kumpanen weniger geeignet um zu fesseln, sondern will eher, dass man sich in die erschaffenen Welten fallen lässt.
Nichtsdestotrotz gelingt diese Ambition, weswegen es eine feine Sache ist, dass die EP neben der längst ausverkauften limitierten Deluxe Edition des The Demon Joke-Nachfolgers auf digitalem Weg auch für die Allgemeinheit zugänglich gemacht wurde. Copeland ist weder Ausschussware noch Resteverwertung, sondern eher ein angenehm verträumter Business as Usual-Epilog zum griffiger artikulierten, spektakuläreren Hauptprogramm von To Cure a Blizzard Upon a Platic Sea, der gerade auch durch sein nebensächlicheres Gewicht einen gelungenen Appendix für Fans darstellt.

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