Wiegedood – De doden hebben het goed II

von am 1. März 2017 in Album

Wiegedood – De doden hebben het goed II

Kann pure Konsequenz auch eine Form der Eigenständigkeit sein? Egal. Wiegedood, das belgische (Post) Black Metal-Destillat aus dem Dunstkreis rund um die Church of Ra, führt mit De Doden Hebben Het Goed II seinen Vorgänger jedenfalls auf nahezu jeder erdenklichen Ebene schlüssig fort.


Das beginnt beim Titel und setzt sich nahtlos im Artwork fort. Auch in der abermals vier Songs umfassenden Tracklist, sowie einer neuerlich kompakt gehaltenen Dauer um die knapp 34 Minuten Spielzeit, die die Konturen schärft. Vor allem aber findet sich mit De doden hebben het goed II auch in der stilistischen Ausrichtung eine direkte Fortsetzung des Debüts von 2015.
Wiegedood zelebrieren ihren Black Metal also weiterhin mit zwingend dominanten Gitarrenmotoren, keifen und fauchen mit der dem Genre typisch besessenen Getriebenheit, lehnen sich zudem aber auch mit einer minimal zugänglicher und stringenter gewordenen, vielleicht sogar konventioneller gestrickten Klarheit in den Blackgaze. Die Atmosphäre wächst mit einer angenehm pointierten Prägnanz, konzentriert das Songwriting ohne sich in lamentierenden Gesten zu verlieren und kreiert Stimmungsbilder, die viel Raum schaffen, aber dafür keine Umwege forcieren.

Dass hier personelle Überschneidungen mit den Szene-Grenzgängern von Oathbreaker vorhanden sind, schlägt sich in der Attitüde und den Strukturen von De Doden Hebben Het Goed II vielleicht sogar merklicher denn je wieder.
Otzilieng befeuert trotz obligatorischer Blastbeats und sägender Hummerlgitarren schließlich ein markant heavy-metallischer Klang, kreischt hirnwütig, schaltet dann trotzdem noch einmal einen Gang höher und eskaliert im rasenden Tempo stringent nach vorne. Kurz frickelt das beschwörend mit heroischer Note, kippt aber mit neuer Färbungen schnell wieder in eine Rasanz, die vor allem anhand der zwingenden Hochgeschwindigkeitsgitarre mitreißt. Wiegedood führen den Song zu einer melancholischen Schlussabfahrt, die sich hinten raus eine letzte Kraftanstrengung gönnt und nahtlos weiterleitet. De Doden Hebben Het Goed II lebt gerade auch von seinem ansatzlosen Fluss, fühlt sich gerade am Stück eher wie ein langer, aggressiv variierender Tracks im homogenen Ganzen an.

Das elfminütige Herzstück Cataract beginnt so als zurückgenommenes, nachdenklich trauriges Ambient-Geplänkel an der Gitarre,  stampft dann etwa zu symptomatisch und generisch im Midtempo los, und wiederholt dabei stoisch sein Motiv. Dennoch klingen Wiegedood dabei nicht monoton, sondern dynamisch und leichtgängig.
Über ein kurzes Intermezzo bauen die Drums stakkatohaft Spannungen auf, die Leadgitarre spannt sich gegen den Strich und plötzlich platzt wieder alles nach vorne los: Sportlich und knackig tackert das gefühlsmäßig näher an den Black Metal-Momenten von Kvelertak, als an klassischen Genre-Vertretern – gleichzeitig greifen die Belgier immer wieder Kapitel aus den Lehrbüchern von Gorgoroth und Konsorten auf.
Das kurzweilige, gar nicht unbedingt monolithisch wirkende Cataract löst sich mit akzentuiertem Spiel im Ambient auf, den der Titelsong übernimmt. De Doden Hebben Het Goed II schwebt in einem psychedelisch dichten Klang, der wie ein undurchsichtiger Nebel über dem Meer hängt und leises Gekreine lodern lässt. Man folgt der Band bedingungslos durch diese vermeintliche Hypnose des Minimalismus, weil Wiegedood fesseln und die Spannungsbögen eng halten. Gregorianische Chöre glimmern hinterm dem Riffing, die Komposition oszilliert geduldig, pocht hypnotisch stacksend, wie ein entschleunigter Lars Ulrich-Uffta-Beat. Synthiestupfer mühten daneben wie weit weg passierende dramatische Orchesterarrangemens an, die immer nur für Sekundenbruchteile aufblitzen und kein Gramm Fett zulassen, sich im weißen Feedbackrauschen verlieren.

Smeekbede schließt dort die kompakte Klammer um das Album, eskaliert als ein dramatisch zuckender Bastard, verdichtet seine giftige-keifende, nihilistisch spuckende Art. Wiegedood bollern ein letztes Mal mit ordentlich Schub und melodischer Vertracktheit – und polarisieren hinten raus doch noch. Das finalen Heulen auf den letzten Meter mutet an, als würde ein Hund zwei Häuser weiter undefinierbare Flüche in den Hexenwald ausstoßen  – schadet der durchaus unprätentiösen Breitenwirkung dennoch kaum. Eben ganz so, wie bereits das Debüt die Tür zur Konsenstauglichkeit aufgestoßen hat.
Relative Mängel gibt es deswegen auch primär in Bezug auf die eigene Vergangenheit zu beanstanden. De Doden Hebben Het Goed II vvariiert die mit dem Vorgänger installierten Trademarks eher, als dass es die bereits etablierten Qualität noch einmal intensivieren würde, besticht jedoch durch eine unverbrauchte Energie und klingt dennoch um das Quäntchen weniger furios und hungrig als der Einstand. Dass die Platte auf emotionaler Ebene ganz allgemein nicht vollends so packend gerät wie Teil 1 – oder auch etwaige andere Projekte von Drummer Wim Coppers, Gitarrist Gilles Demolder und Frontmann Levy Seynaeve – mindert dann aber im Umkehrschluss auch nicht die pure, tja, Freude, die man hiermit an relativ schnörkellosem Black Metal haben kann. Wenn Album Nummer 3 hieran ohne Bruch anschließen könnte, wäre es insofern auch nicht die schlechteste Form der überraschungsarmen Detailvariation.

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