Wiegedood – De Doden Hebben Het Goed III

von am 28. Mai 2018 in Album

Wiegedood – De Doden Hebben Het Goed III

Wiegedood zeigen nicht nur eine anhaltende Prinzipientreue (abermals gibt es vier Songs in unter 40 Minuten hinter artwork-  und titeltechnischen Gemeinsamkeiten), sondern auch einen geschärfteren Fokus im Auftreten. Mit ihrem Major-Einstand vollendet die Church of Ra-Kommune ihre De Doden Hebben Het Goed-Trilogie vor der anhaltend konsequenten Black Metal-Raserei damit auf einem neuen Level der furiosen Rasanz. Schönheitsfehler inklusive.

Um es gleich vorwegzunehmen: Die gewohnte Strenge in der Form ist jedoch auch die Achillesferse eines Höhepunktes, der sich praktisch nahtlos an den Weg von De Doden Hebben Het Goed sowie De Doden Hebben Het Goed II gliedert und den Zyklus eines konzeptuellen Triumphirats abschließt.
Immerhin erweisen sich die Strukturen der vier aufgefahrenen Songs mehr oder minder als relativ vorhersehbar, operiert das Songwriting von Wiegedood doch praktisch immer nach einem ähnlichen Muster: Auf die brutal knüppelnde Black Metal-Einleitung mit traditioneller veranlagter, individueller Färbung folgt zur Hälfte ein ambienter ausgelegter Interlude-Part mit durchatmender Wirkung, bevor Wiegedood als Meister für grandios-schwindelerregende Finale hinten raus noch einmal an Gewalt zulegen und ihre Kompositionen als Konglomerat aus brutal-gasrtiger, melodischer Tiefe und Blackgaze-Atmsophäre über die Ziellinie jagen. So versiert das Trio diese Formel dann auch ein ums andere Mal durchdekliniert, so sehr steht diese Berechenbarkeit auch im Weg, um Wiegedood mit ihrer womöglichen letzten Platte zur unbedingten Genre-Großmacht zu hieven.

Und dennoch dreht die Band aus Gent ihre vermeintliche Abschlussrunde auf einem neuen Höhepunkt ihres MO, erweitern Levy Seynaeve (Vocals, Gitarre), Gilles Demolder (Gitarre) und Wim Coppers (Drums) ihren Schaffensradius im Detail doch mit enger angezogenen Objektiv.
Prowl eröffnet im gefühlt unmittelbaren Anschluss an Smeekbede von Part II mit spitz-referentiellem Tom Araya-Schrei und randaliert mit Slayer‚eskem Thrash-Riffing bollernd nach vorne. Die Gitarren bürsten über alles, mutieren von der Abrissbirne bald zum Tremolo-Heuschreckenschwarm, der Blastbeat (einer wie immer grandiosen Schlagzeugperformance) rackert und Seynaeve keift mit dringlichem Schaum vorm Mund. Irgendwann heult ein Solo und Wiegedood destillieren ihren Sound dennoch explizit kompakter und straighter als bisher. Wenn der Song auf einmal zurückgenommen brutzelt und mit einem klerikalen Chant über dem Rabatz liebäugelt, dann ist das zu diesem Zeitpunkt der Platte nicht nur noch eine unverbrauchte Wendung, sondern auch einer der energischsten Songs der Bandgeschichte. Selten war immerhin deutlicher, wie effektiv das Trio arbeiten kann, wie organisch und homogen die Dynamiken umgeschichtet werden können.

Doodskalm brettert danach nicht ganz so zwingend, doch die Gitarrenarbeit bleibt kräftig, die Produktion stark. Zur Mitte hin fällt der Song in eine melancholisch klare Nachdenklichkeit, baut sich dann in agressiver Schönheit neu auf und stapft geduldig dahin. Am Ende werden gerade einmal 15 Minuten der Gesamtspielzeit von De Doden Hebben Het Goed III vergangen sein – direkter war das Songwriting der Band bisher eben noch nicht ausgelegt.
Der folgende Titelsong bricht mit dieser Stringenz, probt mit über 12 Minuten den Monolithen der Platte, ächzt aber auch merklich unter dieser überhöhten Bedeutungsschwere. Der sphärische Beginn suggeriert eine meditativ dösende Metallica-Ballade, die in galoppierender Raserei aufplatzt. Danach folgt eine monotone Formwandlung um das repetitiv wiederholte Grundriff der Nummer, mit durchaus übersättigender Wirkung. Sicher war die Wiederholung von Motiven immer schon Teil der hypnotischen Wirkung der De Doden Hebben Het Goed-Reihe, hier erfährt sie jedoch einen ermüdend-enervierenden Beigeschmack – vielleicht ja symptomatisch, da Wiegedood nur in dieser längsten Nummer gegen den nach Prägnanz arbeitenden Charakter der Platte schwimmen.

Und sei es, wie es sei: Die abrundende Eskalation der Nummer gehört zum mitreißendsten und intensivsten, was das Genre derzeit zu bieten hat, zementieren den Platz von Wiegedood an der aktuellen Szene-Speerspitze. Da kann Parool danach dann auch noch so sehr in seiner epischen Wut hyperventilieren und den Tempowechsel mit feiner Klinge forcieren: Als Abschluß der für sich stehenden Platte fühlt sich der Closer zu abrupt und wenig ausführlich an.
Weswegen es sich umso mehr anbietet, das kurze Stück als Epilog zu verstehen und das dreiteilige De Doden Hebben Het Goed als großes Ganzes am Stück zu konsumieren. So funktioniert das in sich geschlossene Werk der Church of Ra-Splittergruppe tatsächlich am kohärentesten, erschöpfendsten – und auch am erfüllendsten. So limitiert die Vorgangsweise der Band insofern dabei auch phasenweise erscheinen kann: Wäre hiernach Schluß, es wäre dennoch Schade.

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