Yuck – Glow & Behold

von am 26. September 2013 in Album

Yuck – Glow & Behold

Yuck haben sich bekanntlich von ihrem Sänger Daniel Blumberg getrennt. Die Londoner sind allerdings nur zweimal – zu Beginn und gegen Ende – eine Instrumentalband und haben dazwischen entgegen vorauseilender Andeutungen immer noch weitaus stärker am Schaffen von Yo La Tengo als an jenem von My Bloody Valentine Interesse und in Max Bloom dazu eine durchaus würdige Frontmannvertretung gefunden.

Ganz egal was die vorab veröffentlichte, nun sogar ein wenig aus dem Rahmen fallende Single ‚Rebirth‚ da mit leichtem Synthieglanz im Schatten von ‚m b v‚ für Erwartungen geweckt hat: abgesehen vom nachfolgenden, nachdenklichen ‚Somewhere‚ bleibt die sich biegende, ausgeborgte Gitarre von Kevin Shields die restliche Zeit über trotz der gebliebenen Vorliebe für shoegazendes Dröhnen im Schrank – das aktive Vermächtnis von Yo La Tengo hat das verbliebene Rumpftrio um Neo-Frontmann Max Bloom, Mariko Doi, Jonny Rogoff und der Neuzugang Ed Hayes für ihr Zweitwerk dafür umso ausgiebiger verinnerlicht: ‚Glow & Behold‚ ist bis oben hin voll mit zurückgelehnten Indierockelegien ohne allzugroße Eile, da passt die durch nahezu die Hälfte der Songs feiernde Trompete nur zu perfekt ins Bild.
Mit dem tempomachenden Ausreißer ‚Middle Sea‚ als zweite kleine Ausnahme von der Regel sind Yuck nämlich nur noch rudimentär an den energischen, impulsiv-knackigem Rockern von ‚Yuck‚ interessiert, klingen gesetzter, ruhiger – und auch weniger aufregend; man vermisst die knackigen Sturm und Drang-Verneigungen vor den flotten Dinosaur Jr. im ansonsten homogen dahinfließenden Gesamtgefüge, obwohl der Band die forcierte Unscheinbarkeit und Poppigkeit mit jedem Durchgang besser steht.

Diese allgemeine Entschleunigung macht natürlich vor allem angesichts der Tatsache hellhörig, dass auch Ex-Kollege Blumberg alias Hebronix auf ‚Unreal‚ einen Gang zurückgeschaltet hat. Die Trennung erklärt sich jedoch offenkundig anhand der deutlich höheren Kompaktheit und Zugänglichkeit, die Yuck beim Songwriting im direkten Vergleich immer noch bevorzugen. Blumberg hat die Slackermentalität von Yuck zu Hebronix mitgenommen, im Ansatz auch die Lo-Fi taugliche Unbekümmertheit beim Seiltanz zur Grunge-Kratzbürstigkeit – das kleine Quäntchen aus der Masse herausstechende Genieblitz das eben auf ‚Yuck‚ noch aus mitreißenden Kompositionen bisweilen großartige Songs machen konnte, dieser fehlt dem stets auf der sicheren Seite wandelnden ‚Glow & Behold‚ nun jedoch wie auch bereits dem zielloseren ‚Unreal‚.
Wie anstandslos die Rumpfgruppe den Weggang ihres nur mutmaßlichen Masterminds allerdings anhand zahlreicher kleiner Ohrwürmer, beiläufig vorbeimarschierender Melodien und sympathisch gediegener Hooklinehäppchen kompensiert, das hätten wohl nur die wenigsten der stehen gelassenen Band im Vorfeld zugetraut: Yuck schreiben weiterhin ausnahmslos tolle Songs, wenn auch keine großen, herausragenden Indie-Hits mehr.

Wie also ‚Out of Time‚ seinen Refrain in den engelsgleichen Backgroundgesang kippt oder das verspielte Pixies-Tribut ‚Lose My Breath‚ eine eingängige Strophe mit einem noch eingängigem Chorus toppt, dann ist das trotz allem ein zielstrebiger Weg um sich direkt neben The Pains of Being Pure at Heart in die Gehörgänge zu schlängeln. Das bei ‚No Surface All Feeling‚ der Manic Street Preachers abschauende ‚Memorial Field‚ legt sich ähnlich entspannt in die Sonnenliege, den Walisern könnte es dann im Gegenzug auch durchaus gefallen wie ‚Nothing New‚ mit seinem Twin Peaks-Rock viel Dramatik vor Augen hat, beziehungsweise der sein Potential nicht ausspielende Titelsong als sich ausbreitende Ballade vielleicht sogar ein paar Feuerzeuge abseits von verschwitzten Clubs evozieren könnte. Natürlich: etwas mehr ‚Middle Sea‚-Feuer häte ‚Glow & Behold‚ ziemlich sicher gut getan, die Kurskorrektur mit dem totalen Fokus auf Shoegazing wäre wohl eventuell auch keine absolute Schnapsidee gewesen.
Am Ende bleibt aber einerseits eine Platte über die man sich auch zukünftig aufrichtig freuen wird wenn sie gerade zufällig läuft, selbst wenn man sie nur selten bewusst herauskramen wird, und andererseits dazu auch eine simple Erkenntnis: Yuck und Hebronix ziehen ihre Qualitäten aus (teilweise) verschiedenen Richtungen, wie so oft bei der Trennungsgeschichten ist es aber auch hier so, dass man zwei durchwegs gute Alben auf Kosten eines herausragenden bekommt.

06

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  • Yuck - Stranger Things - HeavyPop.at - […] entlangschrammende, im Gesamten aber durchaus rund mit seiner Gefälligkeit hantierende ‚Glow & Behold‚. Dessen My Blood Valentine-Anleihen sind 2016…

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