The Pains Of Being Pure At Heart – The Echo of Pleasure

von am 18. September 2017 in Album

The Pains Of Being Pure At Heart – The Echo of Pleasure

Das ist nur ein bedingtes Echo of Pleasure: Acht Jahre nach dem bis heute wundervollen Debütalbum ist weniger denn je von den Pains of Beeing Pure at Heart übrig geblieben, an die man 2009 sein Herz verlieren konnte.

Seitdem The Pains of Beeing Pure at Heart mit dem noch absolut ansprechenden Zweitwerk Belong nahezu alle Mitglieder abhanden kamen (Peggy Wang schreibt mittlerweile etwa lieber Kochbücher und Buzzfeed-Artikel), schliff der zum Alleinherrscher aufgestiegene Kip Berman die leere Hülle seiner shoegazendend mit zarten Noise-Tendenzen flirtenden Dreampopband zuletzt ja gnadenlos in die Belanglosigkeit.
Wo von der einstigen Klasse der New Yorker auf dem frustrierend egal plätschernden Days of Abandon also kaum mehr etwas zu erkennen war, lässt das Viertwerk The Echo of Pleasure entgegen seines regelrecht frechen Euphemismus im Plattentitel etwaig konservierte Restqualitäten des Debüts dann sogar endgültig ausbluten – diesmal allerdings mit voller Absicht. Album Nummer Vier sollte schließlich klingen, wie keiner seiner Vorgänger. Immerhin könnte es angesichts von Bermans neuer Rolle als Familienvater das letzte Pains of Being Pure at Heart-Album sein.

Ob Mastermind Berman insofern aus den richtigen Gründen verstanden hat, weswegen er den Kadaver seiner Band nach der Ernüchterung von Days of Abandon zwangsläufig neu positionieren musste, ist fraglich. Nichtsdestotrotz gelingt es ihm jedoch tatsächlich, The Pains of Being Pure at Heart (zumindest ansatzweise) mit einer polarisierenden Justierung neues Leben einzuimpfen: Mehr unkaschierter Pop und ein rundum glatterer Sound, der sich am gängigen Indierock-Schemen bedient, lautet die Devise.
Dass Berman The Pains of Being Pure at Heart für den potentiellen Schwanengesang also in erschreckend generisch-austauschbar zugekleisterte 80er-Synthpop-Gefilde britischer Prägung manövriert, die leichtgängig jingle-janglenden The Smith’n‘Cure-Gitarren auf ein Minimum reduziert und die rückkoppelnde The Jesus and Mary Chain/My Bloody Valentine-Schlagseite (trotz Produzent Andy Savours) weit in den Hintergrund verbannt, stellt sich grundlegend als kaum identitätsstiftender Ansatz heraus. Als prolongierte Zäsur steckt The Echo of Pleasure in einem wenig spannenden, seltsam hochglänzenden und doch so dünn klingenden, frustrierend bieder wirkenden Outfit, das in seiner betonten Harmlosigkeit ermüdend eindimensional und weichgespült auftritt. Die Kompositionen vermitteln in diesem deutlicher als nötig das Gefühl, als würde im Verlauf der jeweiligen neun Songs absolut nichts relevantes passieren – der Pegel scheint immer an der gleichen Amplitude zu dümpeln, während die Gitarren keinerlei Gemeinheiten mehr verbreiten und die netten Melodien und kleinen Ideen drohen, in der hohlen Substanz verloren zu gehen.

Und dennoch erweist sich die ein wenig anbiedernde Beliebigkeit von The Echo of Pleasure letztendlich als zielführender, als ein weiterer reiner Aufguss alter Glanztaten. Immerhin findet Berman in seinem (wahlweise mit offenem Karten spielenden oder schlichtweg selbstsicher banal und uninspiriert aufgehenden)  Songwriting diesmal durchaus ein Lichtblicke, um The Pains of Being Pure at Heart bis zu einem gewissen Grad zu revitalisieren. My Only schunkelt etwa mit leise bratenden Gitarren und netten Backingvocals gar nicht so unliebenswürdig vor sich hin, obgleich der so dringend nötige Ausbruch bereits hier exemplarisch fehlt – dafür gibt es eben butterweich ins Ohr gehende Melancholie. Das prätentiös lässig schwadroniert zum Hit gehende Anymore pfeift dann gleich vollends auf seine Halbwertszeit und teilt sich damit das Schicksal des nett groovenden The Garret. Wie jeder Song vertändelt Berman bereits hier das theoretisch vorhandene Potential irgendwann, indem er zu sehr nach Harmonie sucht, und schafft es dadurch nicht, seine Kompositionen abseits einer zutiefst gefälligen, so latenten Belanglosigkeit zünden zu lassen.
Soll heißen: The Echo of Pleasure geht gut rein, kann Spaß machen -wirklich packen will das aber nicht. Grundsätzlich bleibt das Gefühl, dass hier diesmal aber eben doch etwas mehr möglich gewesen wäre.

Wenn beispielsweise im kurzweilig unterhaltsam-tanzflächenorientierten Casio-Stampfer When I Dance with You dezente Bläser in den Song treten, schaffen es diese jedoch weder, der Komposition an sich neue Impulsen zu verleihen, noch die eigentlich so sehr nach Baukastenprinzip herbeizitierte Euphorie zu zünden. Auch, weil Berman dieses Muster unmittelbar danach noch munter wiederholen wird, ist diese Problematik absolut symptomatisch für The Echo of Pleasure: Für die Spieldauer von 41 Minuten kann man im Viertwerk der Band durchaus eine unverbindliche Hintergrundbeschallung finden, die einen vergänglichen Ohrwürmern alten Zeiten nachtrauern lässt.
Stichwort Nostalgie: Zumindest das Zusammenspiel mit Quasi-Wang-Ersatz Jen Goma funktioniert – nachzuhören sogar im an sich etwas arg plump-geschmacklosen Pop von Su True, für den sich Berman nicht mehr zu schade ist. Auch deswegen, weil die A Sunny Day in Glasgow-Sängerin eine unschuldige Leichtigkeit zurück in den Sound von The Pains of Being Pure at Heart bringt, die Berman selbst nur noch mit der Brechstange konstruieren kann, während die wiedererstarkte gemischtgeschlechtliche Harmonie den sympathischen Charme von The Echo of Pleasure unterstützt.
Dass man dennoch rasch aufrelativen  Durchzug schaltet, kann allerdings auch Goma nicht verhindern: Nach seinen anfänglichen Playlist-tauglichen Highlights pendelt sich The Echo of Pleasure über den langweilig plätschernden Titelsong bis hin zu seinem traurig gemeinten, aber viel zu unkonkret bleibenden Closer Stay auf ein nur noch zutiefst okayes Level ein.
Damit ist The Echo of Pleasure in Summer vielleicht schlichtweg einfach nur zu egal, um es als tatsächlich schlecht einzustufen – als bittersüße Kurzzeit-Romanze ohne Tiefgang funktioniert die Platte allerdings über den Erwartungen. Das will dann zwar nicht für eine vollwertige Rehabilitation von Berman genügen, doch stellt Album Nummer Vier definitiv eine sachte Kurskorrektur der Formkurve dar. Vor allem aber: Sollte hiernach tatsächlich Schluss sein, werden doch die positiven Erinnerungen an The Pains of Being Pure at Heart überwiegen.

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