The War on Drugs – Thinking of a Place

von am 5. Mai 2017 in EP

The War on Drugs – Thinking of a Place

Man muss nicht zwangsläufig schätzen, was aus dem alljährlichen Record Store Day mittlerweile geworden ist – an Thinking of a Place kommt man dennoch kaum herum: The War on Drugs spielen sich zwölf zauberhafte Minuten für den Nachfolger der 2014er-Wohltat Lost in the Dream warm.

Ätherische Synthies glimmern zu Beginn der subtilen Americana-Fantasie Thinking of a Place. Vollkommen unaufgeregt dirigiert The War on Drugs-Boss Adam Granduciel einen sanften, zweckmäßigen Rhythmus und seine Akustische darüber, intoniert wie ein melancholischer Bob Dylan, der sich von Springsteen in das melancholisch wattierte Chris Rea-Traumland verabschiedet.
Immer wieder perlt das reichhaltige, aber so zurückgenommen inszenierte Instrumentarium (Elektrisches Piano, Vibraphone oder die kaum vernehmbaren weiblichen Backinggesänge) verzierend um die nostalgische Melodie, irgendwann tänzelt überraschenderweise gar eine gefühlvoll brutzelnde Steel Guitar durchs Geschehen – eher der friedlichen Marke Wilco und Nels Cline, als vom störrischen Neil Young geborgt. In jedem Fall aber eine fantastische Ergänzung für die schimmernde Klangpalette der Band.

Nach knapp fünf Minuten beginnt sich der hoffnungsvolle Song scheinbar wieder langsam in seine sphärischen Keyboardwelten aufzulösen, nur um eine zweite Welle dieser geduldigen Anmut vorzubereiten: Granduciel beginnt abermals ein folkiges Lagerfeuer in der ambienten Klangwelt zu schüren, Thinking of a Place plätschert (im besten Wortsinn) aufs Neue los und entwickelt ein wunderschön dahinlaufendes Geplänkel, in das später auch noch eine gedankenverlorene Mundharmonika treibt.
Das hat etwas regelrecht hypnotisches und meditatives an sich. Thinking of a Place variiert seine Gestalt stets so fein nuanciert, läuft augenscheinlich unbeirrt vor sich hin und dekliniert entlang seiner überschaubaren Strukturen doch ein abwechslungsreich bei der Stange haltendes Spektrum. Letztendlich verglüht  die beschworene weiche Elegie nach diesem zweiten Part (der wie der nahtlos vorangehende erste Part eine Seite der auf 5000 Stück limitierten Vinylversion einnimmt) dennoch ebenso unscheinbar, wie sie zwölf verfliegende Minuten zuvor zu blühen begonnen hat.

Wo Thinking of a Place derart wenig spektakulär veranlagt im falschen Augenblick wohl auch nur zu leicht langweilen kann, sich in seiner Ausrichtung als relativ nahtlose Fortsetzung von Lost in The Dream dem Vorwurf ausgesetzt sehen könnte, nicht sonderlich mutig ausgelegt vor allem eine gewisse Wohlfühlzone zu verwalten, wollen diese vermeintlichen Kritikpunkte einfach nicht so recht stören.
Vielleicht, weil Granduciel Thinking of a Place in seiner wohligen Atmosphäre ohnedies stets etwas unwirkliches und unkonkretes lässt, wodurch War on Drugs über die gesamte Spielzeit niemals wirklich greifbar werden – genau genommen könnte der Song auch gut und gerne noch 20 weitere Minuten weiterlaufen, ohne zu übersättigen oder den Eindruck zu vermitteln angekommen zu sein. (Assoziativ ist da die endlos-kurzweilige Grazie One Sunday Morning (Song For Jane Smiley’s Boyfriend) also durchaus nahverwandt).
Im thinking of a place/ And it feels so very real“ singt Granduciel an einer Stelle, „Love is like a ghost in the distance/ Out of reach“ und „There’s a darkness over there/But we ain’t going“ wenig später. Er verortet den herzbrechenden, tröstenden Charakter von Thinking of a Place damit intuitiv wohl ziemlich stimmig in einer zeitlosen Blase, die mit einem zutiefst befriedigenden Gefühl bezaubert und eine anmutige Sentimentalität von einem Song schenkt.

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