Acoustic Lakeside 2015

von am 31. Juli 2015 in Featured, Reviews

Acoustic Lakeside 2015

Das Acoustic Lakeside gilt als ein Festival voller Idylle, ein Image, dem es auch in seiner 10. Ausgabe 2015 mehr als gerecht wurde. In den 3 Tagen am Sonnegger See wurde dem Publikum musikalisch wie auch meteorologisch alles geboten.

Zum großen Jubiläum gab es nicht nur ganz viele großartige Acoustic-Lakeside-Neulinge (Ezra Furman & The Boyfriends, Augustines, Annenmaykantereit,…) und -Veteranen (Art Brut, Friska Viljor, Nada Surf), Sonnenschein, Hitze, sondern auch Stromausfälle, viele Wespen starke Regenschauer, Gewitter und sogar ein paar Hagelkörner. Allerdings tat keiner dieser Umstände der Stimmung Abbruch, ganz im Gegenteil. Dieses kleine Festival (im Vergleich zum letzten Jahr wurden die Tickets von 4000 auf 3500 reduziert) wurde noch intimer, die AL-Gemeinschaft noch eingeschworener – gemeinsam trotzt es sich bekanntlich am Besten gegen jegliche (vermeintliche) Hürden.

Donnerstag

Der erste Tag begann sehr gemächlich. Nachdem am Nachmittag ein kurzer Schauer für Abkühlung gesorgt hatte, begann am Abend das Programm und mit fortschreitender Uhrzeit war im Partyzelt vom vorangegangenen Regen nur mehr wenig zu spüren. Als Höchste Eisenbahn ihre Setlist runtergespielt hatten, war das Publikum im Zelt stark gewachsen, wohl auch in freudiger Erwartung auf Ezra Furman & the Boyfriends. Sobald der Barde und seine Kombo die Bühne betreten hatten, kochte die Stimmung – und mit ihr auch das Zelt. Frische Luft und zusätzlich einen wunderschön kitschigen Blick auf den See, bekam man auf der Wiese vor dem Zelt geboten, ein Angebot, das bevorzugt von Pärchen in Anspruch genommen wurde.

Tage 1: Höchste Eisenbahn

Höchste Eisenbahn

Deutlich punkiger und rotziger als erwartet heizte Furman und Band dem Publikum in (und außerhalb) dem Zelt ein – Stage-Dive-Einlage inklusive. Das Einzige, was Furman der Acoustic-Lakeside-Meute schuldig blieben, war der ersehnte Überhit „Take Off your Sunglasses„.

Freitag 

Tag Nr. 2 offenbarte die Besonderheiten dieses Kärntner Festival-Kleinods: Einerseits das Publikum, welches sich selbst von starken Gewittern nicht aus der Fassung bringen ließ, sondern das Beste daraus machte (die meisten blieben gleich in ihrem Badeoutfit), die Veranstalter, die dieses Jahr oft schnell reagieren mussten (sei es bei Gewittern und ihren Schäden – Blitzeinschlag in einen Baum am Campingplatz – oder bei Stromausfall), aber auch die Bands, wie beispielsweise Dear Reader. Deren Show wurde vom Gewitter vorzeitig beendet, woraufhin sie kurzerhand einfach vor der Bühne ohne Verstärkung spielten.

Dear Reader

Dear Reader

Oder auch die Augustines, die von einem Stromausfall unterbrochen wurden, aber einfach in die Menge sprangen, dort ihr Set fortsetzten und somit ein Highlight des ersten Tages lieferten. Szenen wie diese zeigen wie intim das Acoustic Lakeside ist. Hier gibt es keine großen Allüren oder Berührungsängste. So könnte oder konnte man auch mit den Bands (zum Beispiel mit den bereits erwähnten Augustines nach der Show von Friska Viljor) den warmen Sonnegger See genießen.

Der Preis für die sinnvollste Innovation am Festivalgelände geht eindeutig an das soundtechnische Upgrade des Jack Daniel’s Campfire. War dieses das Jahr zuvor gar nicht verstärkt (dementsprechend schlecht waren die Auftritte zu hören), änderte man das kurzerhand und konnte die Spielstätte damit erfolgreich und gut beleben. Bei entspannter Lagerfeuerstimmung konnte man hier zum Beispiel den Grazern von Bedroom Chocolate lauschen, die es verstanden die Verbleibenden auch noch gänzlich unverstärkt zu begeistern. Auch Philipp Szalay stach auf der Lagerfeuerbühne heraus. Sein folkiger Sound zog viele Leute an und besonders seine Coverversion von Springsteens ‚Dancing in the Dark‘ imponierte.

Jack Daniels Campfire

Jack Daniels Campfire

Wesentlich aufgedrehter ging es am anderen Ende des Geländes in den angebrochenen Abend. Friska Viljor erwiesen sich auf der Mainstage als nächster Publikumsmagnet, die sympathischen Schweden, deren Lieder meistens von Alkohol oder dessen Konsum handeln, wussten wie man das Publikum für sich gewinnt. Viele bekannte Nummern (‚Wohlwillstrasse‘, ‚If I Die Now‘) regten zum Mitsingen wie zum Tanzen an. Somit avancierten sie zum abschließenden Höhepunkt von Tag 2, denn der eigentliche Headliner des Abends, Bonnie ‚Prince‘ Billy, enttäuschte. Seine soft-langatmigen Countrysongs, die die aufgeheizte Stimmung leider auf ein Schunkel-Niveau reduzierten, waren eher für ein sanftes Entschlafen als für eine ausgelassene Party geeignet.

Friska Viljor

Friska Viljor

Samstag

Der finale Tag sollte ebenfalls viel auf Lager haben. Das erste, frühe Highlight ließ nicht lange auf sich warten. Nach kurzem Regenguss betraten Lola Marsh um 14 Uhr die Bühne und verdrehten den anwesenden „Frühaufstehern“ sofort die Köpfe. Sängerin Yael Shoshana Cohen verzauberte mit ihrer facettenreichen, verträumten Stimme das Publikum. Der Sound, ebenso verträumt wie süß, erinnerte stellenweise an Lana del Rey. Aber nicht nur die musikalische Darbietung überzeugte, auch die Performance und die Ausstrahlung animierte alle, insbesondere einen gewissen ‚Scheibi‘, der sofort von der liebreizenden Sängerin auf die Bühne platziert wurde und ihr bei einem Lied Gesellschaft leistete.

Lola Marsh und "Scheibi"

Lola Marsh und „Scheibi“

Nicht weniger bezaubernd war die junge Norwegerin Aurora, die mit ihrem elfenhaften Äußeren, ihrer hohen, extravaganten Stimme und ihrer starken Gestik einen ganz besonders mystischen Auftritt hinlegte und äußerst sympathisch auf Game-of-Thrones-Zwischenrufe (‚Khaleesi!‘) reagierte. Nowhere Train aus Wien versetzten den Sonnegger See in die Südstaaten Amerikas, eine Idylle, aus der einen erst eine Coverversion von Ernst Moldens ‚Hammerschmidgossn‘ zurückholte. Auffällig beziehungsweise extravagant (und diesmal wirklich aus Amerika) war die One-Man-Band Tall Tall Trees, der am Lagerfeuer nur wenig akustisch, dafür mit einem eigens kreierten Banjo in gewöhnungsbedürftiger Weise aufspielte.

Acoustic Lakeside - 2

Nowhere Train

So idyllisch es in den Wäldern um Sittersdorf auch sein mag, es gibt einen gewaltigen Nachteil: Es kann schnell und rapide abkühlen. So auch an diesem Abend und selbst der bescheidene Wunsch, zumindest bei Annenmaykantereit vom Regen verschont zu bleiben, blieb unerfüllt. Sommerstimmung adé, mit den Kölnern kam die melancholische Herbststimmung. Schon der Soundcheck (‚Fever‚) lockte die Massen an, die sich auch durch Soundprobleme und einen starken Wolkenbruch nicht vertreiben ließen. Ein Teil des Publikums flüchtete ins halbwegs Trockene, der Großteil aber blieb und feierte Annenmaykantereit gebührend. Die Show der jungen Musiker erhielt durch den Regen erst recht ihre besondere Stimmung und die Standhaftigkeit der Acoustic Lakesider bei ihren Songs (wie ‚Wohin du gehst‘, ‚Oft gefragt‘ oder ‚21,22,23‘) war das größte Lob für die Band. Absolutes Festival-Highlight.

Annenmaykantereit

Annenmaykantereit

Zufrieden und ebenso dankbar wie nass zog das Publikum ins trockene Partyzelt, in das die Lagerfeuershow von Art Brut wegen des anhaltenden Regens verschoben wurde. Songs wie ‚Formed the Band‘, ‚Don’t Fuck with Me‘ oder ‚Good Weekend‘ bildeten das Grundgerüst ihrer Show, die mehr an Spoken-Word als ein Konzert erinnerte. Immer wieder erzählte Eddie Argos etwas. „Etwas“, weil die im Zelt schlechte Akustik durch das Redebedürfnis der Zuhörer auch nicht unbedingt verbessert wurde. So verkam Eddie Argos Redeschwall abseits der ersten Reihen zu einem unverständlichen Wortsalat. Auf diese Weise konnten schon einmal ein paar Minuten vergehen bis wieder ‚gesungen‘ („And yes, this is my singing voice/It’s not irony/ and it’s not rock and roll/I’m just talking/To the kids„) wurde.

Art Brut

Art Brut

Das Acoustic Lakeside ging mit Nada Surf ebenso akustisch wie regnerisch zu Ende. Das Publikum, das selbst durchtränkt und im Schlamm rutschend, zur letzten Band tanzte (ganz frei nach Nada Surf „Fuck it! I’m gonna have a Party!„), schien sich durch diesen Wetterumschwung in seiner Partylaune (wie bereits am ersten Tag) nicht stören zu lassen.

Nada Surf

Nada Surf

Dieses Festival bietet alles: Umsichtige Organisatoren, großartige Musiker, wunderschönes Ambiente, unvergessliche Momente, tolles Publikum! Happy Birthday, auf die nächsten 10 Jahre, es war wunderschön! Ein Wehrmutstropfen bleibt wie jedes Jahr nach Ende des Acoustic Lakeside: Wieder 365 lange Tage Wartezeit bis zum nächsten.

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2 KommentareKommentieren

  • kundentests.com - 4. August 2015 Antworten

    Die Bilder sprechen auf jeden Fall für eine entspannte Atmosphäre! 🙂 Da wär ich auch gern dabei gewesen.

  • ghostwriterhilfe - 8. Dezember 2015 Antworten

    Tolles Festival mit gute Musik! Danke für interessanter Betrag und schöne Photos;)

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