Buck Meek – Two Saviors

von am 16. Januar 2021 in Album

Buck Meek – Two Saviors

Buck Meek verschiebt den Indie Folk seiner Stammband auf seinem zweiten Soloalbum Two Saviors leicht zum Americana, und skizziert jedoch vor allem, dass er einfach ein elementarer Teil der bisweilen magischen Nebensächlichkeit von Big Thief ist.

Wo Andrianne Lenker sich im Alleingang auch zuletzt stets für das körperlose und fllüchtige im Äther entschied, agiert Meek griffiger und doch auch physischer, gibt der allgegenwärtigen Fragilität seines souveränen Songwritings ein (freilich nur in absoluter Relation gesehen) kantigeres Auftreten, obwohl jedes Element von Two Saviors eine (für Big Thief so typische) organische Leichtigkeit und unangestrengte Nonchalance zeigt.
Scheinbar mühelos schmiegen sich die behutsamen Melodien und weichen Harmonien minimal neben der Spur Richtung Pinegrove nölend aneinander, warm und zärtlich, zutiefst entspannt und routiniert, unspektakulär und niemals aufregend – alles im besten Sinne, wie nicht erst die naturalistische Intimität des bedächtigen Schlußpunktes Halo Light suggeriert.

Das schwerelos-verträumt schunkelnde Pareidolia etabliert den melancholisch-tröstenden, nostalgischen Erzählton der Platte, auch den sorgsam von versierten Mitmusikern begleiteten Rahmen. Dream Daughter tröpfelt in diesem mit sanft perlendem Piano, zärtlichen Backingstimmen und sogar angedeuteten Streichern ganz im Dienste einer allgegenwärtigen Sparsamkeit und Reduktion, die mal vage zum Country tendiert (Candle pflegt eine Pedal Steel, das unaufdringliche Cannonball! Pt. 2 zeigt einen heulenden Southern-Twang und der Titelsong ermöglicht die Lagerfeuer-Einkehr auf der Veranda, bevor der Bedroom-Folk von Pocketknife nur eine Gitarre und Fidel braucht, um die imaginäre Prärie vor dem inneren Auge anzudeuten), dann wieder rockiger flirtet: Ham On White poltert munterer zum schlurfenden Lofi-Pop mit Noise-Tendenzen aus der Wilco-Ecke, auch das gelöste Second Sight dürfte Jeff Tweedy gefallen.
Am schönsten ist dennoch, wenn Two Moons (morning) mit seiner flapsigen Rhythmussektion das Purzeln der Melodie so absolut wunderbar leichtgängig ermöglicht, dass man die Nummer nur lächelnd ins Herz schließen kann – und Two Moons das Thema trauriger nachdenkend und stiller behütend übersetzt.

Wie einnehmend das ist, und zudem eine gereiftere Selbstsicherheit seit dem selbstbetitelten Debüt von 2018 zeigt, liegt auch zu einem Gutteil am fabelhaften Sound von Stammproduzent Andrew Sarlo, der den Aufnahmeprozess in die heißeste Phase des New Orleans’schen Sommers platziere und dabei mit lockerer Hand auf die instinktive Spontanität erster Takes am Achtspur-Gerät setzen wollte.
Was Sarlo damit nicht aufwiegen kann, ist ein umgekehrt proportionales Manko, mit dem bereits songs umzugehen wusste: Wo Lenker als Solomusikerin die Physis ihrer Band fehlt, um aus sehr guten wirklich herausragende Songs zu machen, geht Meek der genialistische kreative Reibungspunkt seiner Partnerin ab, welcher Two Saviors aus einer gewissen Nebensächlichkeit kommend mit einer unbedingter hängen bleibende Prägnanz ausstatten hätte können.
Da wir dort gilt: Man kann sehr gut mit dem jeweiligen Ergebnis leben, der Zauber von Big Thief bleibt jedoch (gerade als allgegenwärtige erste Referenz) unerreicht. Auch wenn Two Saviors insofern das letzte gewisse Etwas fehlt, sind die versammelten kurzweiligen 37 Minuten allerdings auch stets zu charismatisch, sympathisch und kompetent, um nur als Methadonprogramm durchzugehen.

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