Colter Wall – Memories and Empties
Colter Wall hat bereits einen Platz im Pantheon moderner Klassiker des Country und Western sicher; er muss als Massenphänomen, das in seiner Nische bleibt, niemandem mehr etwas beweisen. Genauso klingt Memories and Empties nun.
Mehr Statement als der Opener 1800 Miles geht insofern sogar kaum. „I don’t know what you think you’ve been told/ If I ever was for sale, I never sold“ brummt der 30 jährige Kanadier mit seiner unverwechselbaren Stimme da und positioniert sich weit abseits des Nashville-Apparates: „You ain’t cool if you ain’t counter-culture weird/ And it ain’t a red dirt band if the band don’t all got beards/ We don’t got these kinds of cliques where I was grown/ 1800 miles from Music Row“, bevor Wall und seine allesamt so versierten Begleiter in bester The Strangers-Manier mit extrem lässig abgehangenen Groove in den Saloon stapfen und dort mit verdammt viel Spaß zum Jam abdrehen.
Danach setzt Memories and Empties weniger auf individuelle herausragende Highlights wie Little Songs (2023) zuletzt, sondern auf eine runde, niveaukonstante Gemeinschaft aus rundum tollen Songs. Wobei: Alleine schon 4/4 Time, das sich unaufgeregt für die demütige Geste im eindringlichen Timbre ausbremst („And how could I try now to sing a song/ When the Good Lord’s smallest creature/ Can croon it out so strong?/ And I shouldn’t be comparing/ His handiwork with mine/ But I hope the Lord don’t mind 4/4 time„), doch zu den stärksten Songs zählen, die Wall bisher geschrieben hat.
Dass hier im Speziellen (durch das Bridge Over Troubled Water-Piano) wie sonst auch im Allgemeinen immer wieder ein Flair entsteht, dass hinsichtlich der Melodien, der Arrangements und der einmal mehr von Patrick Lyons als kongenialer Co-Produzenz ganz uneitel eingefangenen Stimmung an die späten America-Aufnahmen von Johnny Cash aus einer Whitey Shafer-Perspektive erinnert, adelt das Fünftwerk zusätzlich.
Wie Wall 4/4 Time als Ausklang ein wundervoll soulig in sich ruhendes, rein instrumental gehaltenes Outro gönnt, unterstreicht allerdings eben gleichermaßen die subversive Ader der Platte wie auch ihre ganzheitliche Vision.
So variiert Wall das Tempo und agiert mal melancholisch (der Titelsong schwoft bedächtig und reif unter dem Sternenhimmel einer weiten Prärie; My Present Just Gets Past Me schippert friedlich dahin; und das schunkelnde Ian Tyson-Cover Summer Wages holt sich fein nuancierte Backing Vocals zur Unterstützung), mal etwas salopper (Living by the Hour marschiert nonchalant durch das Leben; The Longer You Hold On schlängelt sich als Ohrwurm; und Back to Me schlendert, um für den Refrain energisch aufzustapfen und sich Nachdruck zu holen) – stets für Akzente sorgend.
Wenn er die Zügel dann auch einmal wirklich enger zieht, kurbelt er die Dynamik nachhaltig an – so beschwingt ist der Lovesong Like the Hill! – zeigt aber (entlang der zahlreichen inhaltlichen smarten Referenzen) auch seine amüsante Seite offen wie selten. Nachzuhören am besten im flotten It’s Getting So (That a Man Can’t Go into Town Just to Have Him a Drink): „And after I’m done and evening’s fund/ Have been all but knocked back and drank down/ I call my ex-wife, tell her how great my life is and/ Could she drive me home from town/ And it’s gettin‘ so that a man can’t go into town/ Just to have him a drink/ Get by the cops and the mule deer/ And, of course, there’s you, dear/ Telling me just what you think.“
Ja, das bodenständige Memories and Empties ist eine ganz unspektakuläre, ziemlich relaxte Machtdemonstration – auch in Sachen Kurzweiligkeit.


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