Courtney Barnett – Sometimes I Sit and Think, and Sometimes I Just Sit

von am 25. März 2015 in Album

Courtney Barnett – Sometimes I Sit and Think, and Sometimes I Just Sit

Courtney Barnett hat auf ihrem wunderbar slackerhafter umherstreunenden Debüt nicht nur den Albumtitel des Jahres auf Lager, sondern auch einige der schlagfertigsten Textzeilen der letzten Zeit. Dass das Songwriting an sich da nicht immer mithalten kann, ist deswegen auch beinahe halb so wild.

Beginnt man auf die unfaire Schiene könnte man ‚Sometimes I Sit and Think, and Sometimes I Just Sit‚ gleich eingangs vorwerfen, dass (natürlich?) abermals kein Song hier an ‚Avant Gardener‚ rankommt, welcher ja bereits das absolute Aushängeschild der auf ‚The Double EP: A Sea of Split Peas‚ kompilierten Vorab-EPs war. Was ‚Sometimes I Sit and Think, and Sometimes I Just Sit‚ aber alleine deswegen Unrecht tun würde, weil die Australierin Barnett seit dem Blogosphären-Hype damals durchaus an ihren Stärken gefeilt und den wenigen Schwächen gearbeitet hat – wenngleich auch nicht alle ausgemerzen konnte: denn so sympathisch unkompliziert und hinterlistig ihr abwechslungsreich geratenes Debüt auch ist – wenn die 28 Jährige die Schludrigkeiten den Pavement’schen Indierock mit einem regelrecht lethargischen Zynismus und einer Stimme nahe der jungen Sheryl Crow angereichert ablässt – , fehlt es ‚Sometimes I Sit and Think, and Sometimes I Just Sit‚ aus rein musikalischer Sicht auf Dauer doch an den wirklich starken, packenden und tragenden Melodien.

Zwar erwehrt sich das Songwriting mit seiner ungezwungenen Leichtigkeit stets gegen das Gefühl, nur Mittel zum Zweck zu sein, vor allem in den rockiger nach vorne gehenden Nummern vermisst man dann aber doch den nötigen Geistesblitz, weswegen gleich das eröffnende ‚Elevator Operator‚ in seiner munter schlapfenden Art nach gerade einmal 3 Minuten etwas monoton wirken kann, ‚Debbie Downer‚ zwar Orgel, harmonische Best Coast-Harmonien und 60s-Flair eingepackt aber zu gefällig agiert, der knackige Kurzsprinter ‚Aqua Profunda!‚ motiviert auf der Cowbell tänzelt, aber ansonsten kaum Eindruck hinterlässt, oder die brodelnd-angepisste The Fall/Nirvana/Angel Olsen-Schnittstelle ‚Pedestrian at Best‚ live sicher ordentlich knallt, auf Platte aber Spannungen aufbaut, die die Standardriffs und der sich auf seine Impulsivität verlassende Refrain nicht vollends auflösen können. Aber wenn Barnett dabei krachige Zeilen wie „Give me all your money/ and I’ll make some origami, honey!“ raushaut, ist ihre polternde Band ohnedies schon fast nebensächlich, weil das Prunkstück hier eben neben grandiosen Songtiteln wie ‚Depreston‚ klar die noch grandioseren Texte sind.

Da sinniert sie mit müder Stimme vor einer liebevollst hallenden Popschunkelei ala MalkmusWe don’t have to be around all these coffee shops/Now we’ve got that percolator, never made a latte greater/ I’m saving twenty three dollars a week“ und zeichnet Bilder vom vermeintlich traumhaften „Californian bungalow in a cul-de-sac“ mit einem „lovely garden, a garage for two cars to park in/ Or a lot of room for storage if you’ve just got one„, bis sie die angepasste Langeweile zur Verzweiflungt treibt: „If you’ve got a spare half a million/ You could knock it down and start rebuildin‘„. Vor allem die herrlich unaufgeregte, nebensächliche Erzählweise von Barnett ist es auch, die einen Großteil der Faszination der Platte ausmacht und bei allem hintergründigen Amüsement der Texte auch ein wenig verdeckt, dass die Australiern immer wieder exzessivst mit latenten Unsicherheiten zu ringen hat: „I don’t know quite who I am, oh but man I am trying/ I make mistakes until I get it right/ An eye for an eye for an eye for an eye for an eye/ I used to hate myself but now I think I’m alright„,

Besonders gut gelingt ‚Sometimes I Sit and Think, and Sometimes I Just Sit‚ ohnedies immer dann, wenn Barnett auf krachig gemeinte, aber gar zu flapsig mit der Tür ins Haus fallende, irgendwo nach unmittelbarer Zuneigung heischend wirkender Ausflüge wie dem nur netten ‚Nobody Really Cares If You Don’t Go to the Party‚ verzichtet, weil ihr Songwriting nicht so spitze Zähne zu zeigen vermag wie ihre Texte und ihren Ergüssen die zurückgenommeneren, weniger drängenden Kompositionen deutlich besser stehen, indem sie ihrer scharfen lyrischen Klinge mehr Raum zum Atmen gibt und weniger straight auf den Unterhaltungswert schielt.
Small Poppies‚ schlängelt sich beispielsweise nach der angenehm zu Parquet Courts torkelnden Liebeserklärung ‚An Illustration of Loneliness (Sleepless in New York)‚ wohlwollend freigeistig streunend durch einen immer dichter werdenden, bluesigen 90er-Jahre-Nebel, ‚Dead Fox‚ rumpelt schlacksig zum Pop und löst neben all den schlauen Beobachtungen der Platte („We bought organic vegetables / And I must admit that I was a little skeptical at first / A little pesticide can’t hurt„) quasi jene Versprechen ein, die Kate Nash zuletzt auf ‚Girl Talk‚ nicht einhalten konnte, während ‚Kim’s Caravan‚ gleich danach über knapp sieben unterschwellig pulsierende Minuten noisig ausfransendes Mitternachtsflair verbreitet und sich dabei immer größer und eindringlicher ausbreitet, bevor der melancholische Rausschmeißer ‚Boxing Day Blues‚ noch einmal die Melancholie des Alltags zelebriert.
Das wirkt dann alles so angenehm locker aus dem Handgelenk geschüttelt, nonchalant auftrumpfend  und nebensächlich glänzend, aber eben auf Albumlänge auch nur zu zwei Dritteln konsequent zu Ende gedacht. ‚Sometimes I Sit and Think, and Sometimes I Just Sit‚ fühlt sich insofern eher wie eine enorm sympathische Aufwärmrunde an – bevor der Nachfolger einen dann hoffentlich so richtig ausknocken wird.

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