Cult of Luna – Vertikal II

von am 24. September 2013 in EP

Cult of Luna – Vertikal II

Der Nachhall zur imposanten Dystopie ‚Vertikal‚ schwankt zwischen souveräner Ausschussware und grandios in Szene gesetzter Postmetal-Brillanz. Muss man nicht unbedingt im Regal stehen haben, sollte man aber.

Vor allem wegen ‚Shun the Mask‚, einem 12 Minuten-Epos, in dem Cult of Luna ihren in die Zukunft blinkenden Postmetal über zahlreiche Soundmassive auf- und abwalzen, Spannungen verdichten und Wendungen vollführen, eine klaustrophobische Intensität über sinistre Keyboardfeldern kreieren, die sich auch nicht vor dem Mutterschiff ‚Vertikal‚ verstecken muss.
Was dann in dieser Rauschhaftigkeit allerdings nicht immer auf dieser EP glückt, begegnet das experimentelle, elektronisch infizierte ‚Vertikal II‚ dem vorausgeschickten Mammutwerk doch ansonsten nicht auf Augenhöhe. Zwar ist vor allem ‚Light Chaser‚ mit seinem spacigen Effekten im dunklen Klangraum und dem ständig in der Dynamik mutierenden, ansatzweise krautigen Schlagzeugspiel ein durchwegs stimmungsvolles Stück Musik, und selbst das atmosphärisch umspülende Ambient-Gitarrenmeer ‚ORO‚ als ziellos brütende Cult of Luna-Fingerübung nahe der OM-Tempelarbeiten eine einnehmende Angelegenheit – doch nur ‚Shun the Mask‚ schafft es eben auch kompositorisch den kleinen zusätzlichen Kniff zuzulegen, der nötig ist um das hohe Albumniveau der Schweden zu erreichen, hier mäandert und plätschert vieles zu sehr, das Aufschichten und Verdichten von bedrohlichen Soundflächen alleine mag zwar aus diesen Händen enorm stimmungsvoll sein, wirklich herausragende Songs garantiert dies allerdings noch nicht.

Also nur phasenweise Material das erklärt, warum Cult of Luna längst zur Speerspitze des Genres gehören. Der abschließende ‚Vicarious Redemption‚-Remix von Jesu und Godflesh-Mastermind Justin K. Broadrick kann dann in ähnlicher Gangart leider auch alleine deswegen als nicht mehr als nur netter Aufputz betrachtet werden, weil die Arbeit einerseits trotz interessanter Ansätze (samt Lo-Fi-Industrial-Sound) hinter den hinsichtlich des großen Namens aufgebauten Erwartungshaltungen zurückbleibt, aber andererseits auch abseits davon bestenfalls eine „nur“ überdurchschnittlich stimmungsvolle Spielerei und Laufzeitverlängerung darstellt.
Abseits davon ist ‚Vertikal II‚ jedoch eine durchwegs runde Angelegenheit inklusive unverzichtbarem Highlight. Während Hardcore-Sammler also ohnedies nicht um diese Veröffentlichung herankommen, freuen sich Fans deswegen zumindest über ein routiniertes Da capo zwischen Fleißaufgabe und Zuckerguss.

06

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