Dan Andriano In the Emergency Room – Party Adjacent

von am 31. August 2015 in Album

Dan Andriano In the Emergency Room – Party Adjacent

Wo Dan Andriano bei Alkalino Trio aus der zweiten Reihe kommend insgeheim schon längstens für die Highlightmomente bei den Punkrockern aus Illinois zuständig ist, gelingt ihm auch als Solokünstler nun schon zum zweiten Mal, woran Matt Skiba erst unlängst wieder mit ‚Kuts‚ gescheitert ist: Sich von der übermächtigen Stammband zu emanzipieren.

2015 wird auch ohne neues Album des Mutterschiffs als enorm umtriebiges Jahr für das Trio Derek Grant (veröffentlichte im Jänner unterhalb des Radars ‚Breakdown‚), Matt Skiba (der trotzt Schminke auf ‚Kuts‚ Matt Skiba bleibt) und nun eben auch Dan Andriano eingehen. Und ein bisschen trifft die alte Weisheit dann auch hier zu: Das beste kommt zum Schluss – explodiert aber gleich zu Beginn mit Überraschungseffekt, wenn sich der Vibraphone-Opener ‚Pretty Teeth‚ aus seiner verträumten Haltung immer weiter aufbäumt und letztendlich kein Halten mehr kennt, die Gitarren mit voller Wucht in den Rock schickt. Da hält  jemand nicht lange mit den Wahrheiten hinterm Berg: Auf ‚Party Adjacent‚ folgt Andriano musikalisch einem anderen Ansatz als auf dem intimen und reduziert inszenierten Vorgänger ‚Hurricane Season‚. Dass er mit Mike Huguenor, Kevin Higuchi und Jeff Rosenstock (der auch die Produzentenrole übernommen hat) diesmal eine vollwertige Backingband im Rücken auffährt, hat also deutliche Spuren hinterlassen.

Party Adjacent‚ ist in dieser Umgebung ein rundes Gitarrenalbum mit zahlreichen Facetten geworden, das soulige Grundierungen in überarbeiteten Revival Tour-Songs (‚Wait‚) ebenso zulässt wie groovende Ausflüge in Richtung Countryshuffle mit immanenter Indieschlagseite (‚Eye Contact‚), geerdeten Powerpop (‚My Human Being‚ rockt sich etwa geschickt um zahlreiche Ecken um launige Slidegitarren zu finden und ‚Haunt Your House‚ wechselt zwischen mühelos zwischen Innenansicht und Gaspedal). Das punkrockige ‚Fire Pit‚ stellt sich unbeschwerter an als vieles auf Gaslight Anthem’s ‚Get Hurt‚, für das beinahe penetrant eingängige ‚Lowrider‚ ist Barndance und Clubpit kein Widerspruch, denn von Elvis Costello ist es für Andriano ja auch nur ein kurzer Sprung zu Dave Hause. Dass ‚Party Adjacent‚ die Intensität seiner besten Augenblicke – die sich vor allem in der bärenstarken ersten Hälfte der Platte finden – nicht über die volle Distanz aufrecht erhalten kann, stellt bei den etabliertem Qualitätsstandards kein Problem dar. Wer kurz vor Schluss dazu ein so ein unbhandelt-übersteuertes Lo-Fi Schrammelstück wie ‚Plain Old Whiskey‚ raushaut, der lässt nicht nur seine Punkrocker-Goes-Acoustic-Muskeln zucken, sondern weiß ohnedies um seine vielfältigen Stärken.

Nach wie vor ist es dabei mehr als alles andere Andrianos wunderbar rau streichelnde Stimme, die unmittelbar die Seele tröstet, als roter Faden und Epizentrum das Geschehen zusammenhält. Die flotte Gangart der Platte will dabei aber gar nicht den bittersüßen Beigeschmack überdecken, den Melancholiker Andriano mit viel Gefühl in die Kompositionen fließen lässt. „If you’re gonna say something/ Go on say everything/ Don’t just say anything./ If you’re gonna love someone/ do it honestly and completely“ singt er in der zurückgenommen perlenden Lagerfeuer-Verschnaufpause ‚Don’t Have a Thing‚, bis sich der Klos im Hals mit einem kleinen Lächeln über soviel unaufdringliche Anmut manifestiert. Und im Grunde sind es einerseits wieder genau diese Momente, die besonders zu Herzen gehen, die andererseits im ausgelassenen Kontext aber auch aufzeigen, dass Andriano seit dem bereits famosen, aber nicht durchgängig fesselnden ‚Hurricane Season‚ noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht hat, sein Soloprojekt auf Albumlänge deutlich besser auszubalancieren versteht und letztendlich – Emanzipation vom Alkaline Trio hin oder her – vor allem ein enorm souveräner Songwriter ist.

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