Ichiko Aoba – „Windswept Adan” Concert at Bunkamura Orchard Hall

von am 27. August 2021 in Livealbum

Ichiko Aoba – „Windswept Adan” Concert at Bunkamura Orchard Hall

Wenige Monate nach Live at Ginza Sony Park (July 3, 2020) füllt Ichiko Aoba ihre Diskografie mit einem weiteren Live-Werk. „Windswept Adan” Concert at Bunkamura Orchard Hall dokumentiert dabei seinem Titel entsprechend das jüngste Studioalbum der Japanerin – chronologisch und zur Gänze.

Ganz am Ende gibt es mit den beiden populären, wunderbar für das restliche Werk adaptierten Stücken 守り哥und 海底のエデン auch noch älteres Material als Zugabe – und sehr viel, sehr artiges, eher formell als ekstatisch anmutendes Geklatsche. Sehr viel. Was sich Ichiko Aoba und ihre formidablen Musiker zwar absolut verdient haben, auf Konserve in dieser Ausführlichkeit dann aber doch irgendwie ermüdend ist – da hätte ein bisschen kompakte Kunst im Schneideraum wahre Wunder bewirken können.
Das Stichwort Technik leitet vom einen kleine Manko von „Windswept Adan” Concert at Bunkamura Orchard Hall zum anderen: Die Soundqualität des (ausschließlich digital veröffentlichten) Mitschnittes ist nicht überragend ausgefallen. Manche Passagen wirken ein wenig dünn, also nicht so räumlich wie möglich, immer mal wieder meint man zudem einen verrauschten Grundton vernehmen zu können.

In der Klammer aus dem umwerfenden (aber halt zur Hälfte aus Bandvorstellung und Applaus bestehenden) アダンの島の誕生祭 sowie dem Opener Prologue ist das freilich noch beabsichtigt, wenn ein Wellengang aus weißem Rauschen die imaginative Textur auslegt, sich Aoba darauf wie eine sphärische Sirene erhebt, die Stimme sphärisch dem Artwork folgend in einem Orgelmeer tauchend ein fernes Windspiel vernimmt und so nahe an Múm ist, wie vielleicht noch nie.
Schon bei dieser Gelegenheit fällt auf, dass dass das reichhaltige Instrumentarium, das Szenenbild quasi, der große Gewinner dieses Livealbums darstellt. Als vielschichtige Einheit funktioniert dieses nämlich wie ein Organismus, der jedes Element ideal nuanciert als Nährboden für das verträumt-märchenhaft Ambiente auslegt. Passagen wie der neoklassizistisch verspielte Kammermusik-Soundtrack Parfum d’étoiles oder das Streicherstück 霧鳴島 können insofern neugierig auftrumpfen, während die Ultraschall-Seance von chinuhaji markanter denn je wirkt.
Das geht so weit, dass sogar eine rein instrumentale Darbietung von Windswept Adan verlockend gewesen wären – jedoch höchstens, bis die magischen Arrangements von Dawn in the Adan Aoba emporheben und die Stimmung zur Krönung wird, die zeigt, dass an diesem Abend in der Bunkamura Orchard Hall (ungeachtet einiger Schönheitsfehler) alles Symbiose ist.

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