Ichiko Aoba – Live at Ginza Sony Park (July 3, 2020)

von am 20. Mai 2021 in Livealbum

Ichiko Aoba – Live at Ginza Sony Park (July 3, 2020)

Rein objektiv betrachtet ist Live at Ginza Sony Park (July 3, 2020) vielleicht „nur“ ein weiteres Livealbum von Ichiko Aoba. Es kann aber, wie die fabelhaften 51 Minuten dieses Mitschnittes demonstrieren, auch einfach nicht genug Dokumentationen der bezaubernden Bühnenpräsenz der japanischen Ausnahmeünstlerin geben.

Rund um ihrer spät im Jahr 2020 veröffentlichten Schönheit Windswept Adan hat Ichiko Aoba einige Demos und Non-Album-Songs über ihr Bandcamp (zumeist wahlweise zum Nulltarif) angeboten. Zwei davon, Asleep Among Endives und Seabed Eden, bilden nun das Finale von Live at Ginza Sony Park, wobei gerade letzterer als zum knapp acht Minuten gewachsenen Improvisationsstück einen von Raum und Zeit gelösten, über seine bisherigen Grenzen hinausgehenden Eindruck hinterlässt und den Mitschnitt der freilich sehr spartanisch inszenierten Show für Fans essentiell werden lässt.

Auch am Beginn des Sets steht eine ambient über Synth-Schwaden eingerahmte, aber vollkommen strukturoffen bleibende Einleitung, die Aoka als unwirklich über den Dingen schwebendes Geschöpf zeigt, bevor sich der Auftritt praktisch alleine auf eine ätherisch gehauchte Stimme und dieses so sanfte, scheinbar mühelose Gitarrenspiel konzentriert, sparsam und traumähnlich, konserviert in einem von der Protagonisten erhellten und erwärmten New Age-Singer-Songwriter-Raumklang.

Besonders verspielte Interpretationen von Ikinokori●bokura oder Sagu Palmʼs Song stechen dabei aus der allgegenwärtigen, regelrecht spirituellen Melancholie hervor, ohne die Atmosphäre zu brechen oder für tatsächliche Überraschungen in einer Setlist zu sorgen, die (leider – aufgrund der minimalistischen Inszenierung aber wohl zwangsläufig) weniger Rücksicht auf Windswept Adan nimmt, als viel eher einmal mehr Stücke zu bieten, die man dann – objektiv betrachtet – schon auf zahlreichen Platten und Live-Mitschnitten von Aoka findet. Aber ganz im Ernst: wann hört man die Musik der Japanerin schon auf einer rein objektiven Ebene?

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