Jimmy Fallon – Blow Your Pants Off

von am 13. Juni 2012 in Album

Jimmy Fallon – Blow Your Pants Off

Comedy-Alben machen ja oft den Fehler, kurzzeitig zum Brüllen komisch zu sein (wollen), aber abseits davon wenig substantielles zur langfristigen Unterhaltung beitragen zu können. Late Night Meister Jimmy Fallon und seine kleine Armee an Gaststars umkurven diese Falle anhand zahlreicher gar nicht so dummer Persiflagen. Natürlich trotzdem ganz großer, ganz köstlicher Unsinn, dieses ‚Blow Your Pants Off‘.

Tenacious D, The Lonely Island, Flight of the Conchords, Weird Al“ Yankovic, Liam Lynch und wie sie alle heißen – sie alle können nicht nur ein Lied davon singen, dass es oftmals ein schwieriger Balanceakt ist, wenn musikalische Ambitionen in Albumform gleichzeitig der verlängerte Arm der Existenz als Komiker sein sollen, denn oftmals funktioniert das auf Konserve bei eingeschränkten Charme wenn überhaupt eben nur eine begrenzte Zeit über. Wer sich etwa schon einmal auf dem selbstbetitelten Tenacious D Debütalbum durch all die verzichtbaren Sketches zu den famosen Songs skippen musste, kennt dieses Leid. Ob das ehemalige Saturday Night Live Mitglied und Conan O’Brians Late Night Nachfolger Jimmy Fallon mit eben jenem Problem ebenfalls bereits zu kämpfen hatte ist nicht überliefert. Dass er im Gegensatz zu seinem zehn Jahre alten ersten Album ‚The Bathroom Wall‚ für ‚Blow Your Pants Off‘ jedoch ausschließlich Songmaterial zusammengetragen hat, ist doch ein den Hörfluss steigernder Fakt.

Verfolgt man Fallons Show regelmäßig, ist ‚Blow Your Pants Off‚ dann auch „nur“ ein großes Deja-Vu geworden, eine Dokument der gezeigten musikalischen Darbietungen, Imitationen und Interaktionen. Dort hat man dann bereits gesehen, wie Fallon mit seiner Haus-und-Hof-Band, der auch hier omnipräsenten und generell unfehlbaren Roots Crew sowie Comedy-Kollegen Stephen Colbert den Rebecca Black Trash ‚Friday‚ durch die Mangel genommen hat. Oder als Fallon mit Justin Timberlake die ‚History Of Rap‚ von den Beastie Boys über Missy Elliott bis zu Dr. Dre im kompakten Medley erklärte. David Bowies ‚Space Oddity‚ als göttliche Bitte von Quaterback Tim Tebow zu ‚Tebowie‚ verwurstet? Eigentlich jetzt schon ein Klassiker! Diese nie erschienene Sex Pistols Nummer, in der Probleme mit Nachbarn angeprangert werden – da ist ‚My Upstairs Neighbors Are Having Sex (And Listening to the Black Eyed Peas)‚ schon beinahe Geschichtsunterricht. Und der kleine Hit ‚Balls in Your Mouth‚ wird dank Pearl Jam Vorstand Eddie Vedder sogar noch besser. Überhaupt ist ‚Blow Your Pants Off‚ so ein Album geworden, bei dem man vor lauter Namedropping nichts anderes mehr erwähnen müsste, um Fans und Sammlern literweise Speichel ins Maul zu jagen: Dave Matthews, Brian Williams, Bruce Springsteen und Paul McCartney – bei dem ganzen Unsinn will offenbar jeder mitmachen. Und den Spaß, den die Beteiligten bei der Aufnahme hatten, der kommt auch am anderen Ende der Lautsprecher noch immer an.

Es ist einfach unterhaltsam, Fallons detailgetreue Imitationen von Bob Dylan oder The Doors Magier Jim Morrisson in Form nerdiger Fernsehmelodien vorgetragen zu bekommen. Am unterhaltsamsten ist das freilich, wenn Fallon gleich im Opener einen Neil Young gibt, der Will Smiths ‚The Fresh Prince of Bel-Air‚ zur nöligen Folknummer umfunktioniert. In diesen Momenten ist die Songsammlung ‚Blow Your Pants Off‘ nämlich nicht nur unfassbar unterhaltsam, sondern mehr noch – das ist geradezu schlau gestrickte Coverkunst, die in einer diffusen Metaebene in mehrerlei Hinsicht geschickt funktioniert: Sowohl als unterhaltsam konservierte Comedyaktion, als auch als tatsächlich gedankenvolles Zugeständnis an musikalische Fähigkeiten. Allein deswegen gelingt ‚Blow Yor Pants Off‚ ein kurzweiliger Spagat mit seltener Langzeitwirkung: Ein Comedy Album, dass anstelle der Skip-Taste wahrhaftig den Repeat-Knopf abzunutzen droht. Da ändert auch der Haken wenig, dass das mit visuellem Beiwerk noch ein paar Stufen intensiver wirkt.

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