Lily Allen – Sheezus

von am 12. Mai 2014 in Album

Lily Allen – Sheezus

Nach vier Jahren im Mutterschaftsurlaub schickt sich Lily Allen an den Maistream-Plastikpop zu unterwandern und diesen mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Die Rechnung geht allerdings nur bedingt auf, das harmlose ‚Sheezus‚ hinterlässt vor allem ratlos.

Auf rein musikalischer Ebene inszenieren Allen und ihr Stammproduzent Greg Kurstin das subversiv gemeinte Unterfangen indem sie die Mechanismen herkömmlicher Chartmusik mit wenig spektakulären Mitteln risikolos nach den Regeln spielend  entlang des Zeitgeists auszuheben versuchen: die Versatzstücke aus plump agierenden Reißbrett-Pop, oberflächlichen Computer-R&B und 90er affinen Hip-Hop-Cersatzstücken werden mit reichlich Autotune und Vocodereinsatz zu wenig zwingenden Songs verschmolzen. Maßgeschneiderte Killersingles für die Massen mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne gelingen Allen abseits des so hartnäckigen wie (ungeachtet seines Subtextes) billigen ‚Hard out Here‚ allerdings selten bis nie. In seinen schwächsten Momenten wirkt ‚Sheezus‚ regelrecht platt und gar zu austauschbar um sich gegen die schlau arbeitende Konkurrenz behaupten zu können – geschweige denn Umbrüche im Geschäft andeuten zu können.
So kurvt etwa  ‚Insincerely Yours‚ wenig zwingend durch die Gefilde des jungen Snoop Dogg, ‚Air Baloon‚ bügelt M.I.A. auf unangenehme Weise glatt, ‚As Long as I Got You‚ probiert den Squaredance und ‚URL Badman‚ wildert unvermeindlich fiepend im Brostep: man darf durchaus an die letzten Ergüsse von Dizzee Rascall denken. Das smarte, eigenständige ihrer ersten beiden Alben ist Allen dabei weitestgehend vollständig verloren gegangen. Warum sie lieber aus der Masse herausstechen möchte als wie zu ihren besten Tagen vor dieser wegzutänzeln bleibt abseits vom angeprangerten Druck der Radiostationen ihr Geheimnis – auch wenn es wohl nur um Selbstbestätigung geht: „Give me the crown, bitch/ I wanna be Sheezus„.

Den nötigen Charakter um nicht vollends im Durchschnitt zu versinken impft die einst so beißende Texterin den Songs dann erwartungsgemäß doch noch über die lyrische Seite der Platte ein, egal ob es um die sexuellen Vorzüge ihres Mannen im mühsamen Girls-Track ‚L8 CMMR‚ („Late comer, he’s a late comer/ My man is a bad motherfucker/ He can bring it, bring it all day long„) geht oder Allen im Titelsongs zwischen den seit ihrer Abwesenheit emporgeklommene Popheroinnen („Riri isn’t scared of Katy Perry’s Roaring/ Queen B’s gone back to the drawing/ Lorde smells blood, yeah she’s about to slay you/ Kid ain’t one to fuck with when she’s only on her debut„) und ihrer Monatsblutung („But then again, I’m just about to get my period/Periods, we all get periods/ Every month, that’s what the theory is„) pendelt – wobei auch hier auffällt dass Allen bereits eklatant weniger schaumgebremst und flach unterwegs war, bisher eigentlich deutlich gnadenloser, pointierter, sarkastischer und giftiger austeilen konnte. Inmitten von vermeintlicher Partytauglichkeit und auslaugendem Familienalltag reicht es diesmal großteils nur für blass bleibende Beobachtungen ohne den nötigen Biss: ‚Sheezus‚ plätschert einfach auf allen Ebenen allzu gefällig und friedlich vor sich her.
Letztendlich hält Allen aber zumindest ihr Versprechen: ‚Sheezus‚ ist in Summe doch etwas besser als seine „docile pop rubbish„-Singles. Hat sich das Album erst einmal in angenehm fließender Langeweile eingependelt reißen zudem einige wenige Tracks noch erfreulich nach oben aus: ‚Take My Place‚ ist ein lieblich groovender Sommertrack, ‚Life for Me‚ flirtet mit netten Afrobeat-Einflüssen und das weich gleitende ‚Our Time‚ liebäugelt gar mit einer erhebenden Breite. Vor allem während dieser raren Höhepunkten gelingt es Allen auf dünnem Eis agierend der Geschmackspolizei vorzuhalten dass derart breitenwirksam ausgelagter Konsenspop entgegen der weitläufigen Meinung nicht zwangsweise minderwertig oder schlecht sein muss – ohne sich ausnahmslos auf ihre bisher erarbeitete Reputation und Kredibilität zu stützen. Mag dieser mutmaßliche Minimal-Zweck die Mittel zumindest im Ansatz heiligen – der Weisheit letzter Schluss kann das Drittwerk der Britin alleine deswegen nicht sein, weil sich Allen auf ‚Sheezus‚ schlicht unter Wert verkauft.

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