Michael Cera – True That

von am 26. August 2014 in Album

Michael Cera – True That

Während sich Bananenstand-Betreuer Michael Cera auf der Leinwand seit seinem herrlich selbstironischem Gastspiel in „This is the End“ gefühltermaßen immer rarer macht, steuert der 26 jährige in den letzten Jahren über fiktive Filmbands, Gastspiele bei Weezer, oder Tourmusikerjobs bei der designierten Indie-Supergroup Mister Heavenly heimlich still und leise auf ein zweites Standbein zu.

True Thaterscheint via Bandcamp nun allerdings dennoch quasi aus dem Nichts heraus. Dass der Urheber selbst kein allzu großes Brimborium über sein in völliger Eigenregie abseits jeglicher Studiotechnologie eingespieltes Solodebüt macht ergibt nach (versionabhängig) 18 oder 21 Songs durchaus Sinn. Cera dürfte durchaus klar sein, dass, würde sein Name nicht genug Buzz kreieren, ‚True That‚ durchaus in der Schwämme ähnlich gearteter Lo-Fi/Folk/Pop/Indie-Homerecordings untergehen hätte können. Und um es vorwegzunehmen: Cera hat hier tatsächlich kein kohärentes Album geschaffen, sondern vielmehr eine absolut lose und ziellos aneinandergereihte, ebenso simple wie herzige Skizzensammlung rund um Akustikgitarre und Piano; ein wild durcheinandergewürfeltes Sammelsurium an vagen Ideen und kleinen, unscheinbaren Geistesblitzen, die das Talent des Multiinstrumentalisten und Komponisten immer wieder kurz erkennbar werden lassen ohne es tatsächlich ins Rampenlicht zu stellen.

Auf ‚True That‘ gibt es nun also windschiefe Gitarrenminiaturen (‚uhohtrouble‚), nostalgisches Gezupfe (‚Humdrummin‚) und entspannte Kleinode für laue Sommerabende (‚Too Much‚). Es passieren kaputte Jazz-Rhythmusexperimente auf auseinanderbrechenden Schlagzeugen (‚What Gives (…I can’t live like this)‚) oder schräge und furchtbar charmante Lo-Fi-Pianoklimpereien ala ‚Moving On‚, die sich im Falle von ‚Of A Thursday‚, ‚Brat‚ oder ‚Gershy’s Kiss‚ regelrecht anschmiegsam für kommende Spike Jonze-Melancholie-Movies aufdrängen. Dann gibt es Experimente wie das schlicht süße, in stiller Schönheit über Drumbeat und Synthie schwelgende ‚2048‚. Und selten aber doch fügt Cera auch seine dünne Stimme ein, im unterproduzierten Sound, irgendwo im Hintergrund schwimmend: dann knüpfen folky Songs (ja, Songs – denn manchmal konzentriert der Debütant die vorbeischlendernden Motive doch vage auf ein Ziel) wie das Blaze F- Cover ‚Clay Pigeons‚, ‚Those Days‚,  das mit 5 Minuten überlange ‚Ruth‚ oder ‚ohNadine  (you were in my dream)‚ geradewegs dort an, wo Michael Cera und Ellen Page auf dem Juno-Soundtrack aufgehört haben.

Um es kurz zu machen: hängen bleibt von ‚True That‚ letzten Endes kaum etwas. Zu viele wenig bemerkenswerte und in der Luft hängende Sackgassen ziehen sich durch das Album, im Gesamten ist das Alles zu unausgegoren.  Die beste Fingerübung, eine balladeske  Streicheleinheit namens ‚silent struggle (I was blind)‚ versteckt Cera dann bezeichnenderweise sogar bei den Bonustracks. Aber die hier versammelten (bis hin zu) 51 Minuten sind in ihrer bisweilen schrulligen Unkompliziertheit einfach dennoch (oder gerade deswegen?) derart sympathisch, unaufdringlich, kurzweilig und beiläufig aus dem Ärmel geschüttelt, dass Cera’s Debüt sich ganz fabelhaft und unspektakulär zum plätschernden Hintergrundsound eignet, wenn mal keine frühen Someone Still Loves You Boris Yeltsin, The Moldy Peaches, Times New Vikings oder The Unicorns zur Hand sind.
Cera selbst spricht von ‚True That‚ als unzusammenhängende Songsammlung, zu deren Veröffentlichung er förmlich überredet worden wäre. Dabei wäre etwas mehr Selbstvertrauen durchaus angebracht. Aber gut, dass es letztendlich zu einem Release gekommen ist. Noch besser wäre es allerdings sogar, wenn noch mehr auf diese Initialzündung und Startschuss folgen würde. Vor allem dann, wenn Cera die Highlightmomente erst einmal ernsthafter hervorheben und das Drumherum nahtloser zu Ende denken, seine Kompositionen ergiebiger ausarbeiten würde. So oder so sollte man den das Stigma des musizierenden Schauspielers gekonnt untertauchenden Hobbybastlers im Auge behalten: ‚True That‚ bilden die ersten Gehversuche eines Lo-Fi-Rohdiamanten ab.

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