Midlake – A Bridge To Far

von am 11. November 2025 in Album

Midlake – A Bridge To Far

A Bridge to Far stellt sich als erstes Post-Tim Smith-Album der Bürde des bald seinen 20. Geburtstag feiernden The Trials of Van Occupanther – und das mehr als solide.

Es scheint, als hätten (die zuletzt einen gelungenen Überblick über ihre gesamte Karriere liefernden) Midlake selbst endlich ihren Frieden mit dem Abgang ihres ehemaligen Frontmanns (der mittlerweile ja bei Harp zaubert) gemacht. Denn wo Antiphon (2013) und For the Sake of Bethel Woods (2022) bis zu einem gewissen Grad versuchten, eine neue Identität für die Band und ihren aus der Vergangenheit kommenden Folkrock zu finden, schließt A Bridge to Far mit einer in sich ruhenden Abgeklärtheit an besagtes Meisterstück von 2016 (sowie dessen vier Jahre später erschienen, ebenbürtigen Nachfolger The Courage of Others) an.
Weich und sanft, leicht psychedelisch und mittlerweile auch gediegen abgehangen klingen Midlake in dieser Verortung unverkrampft, als müsste man sich nicht mehr verbiegen.

Obgleich Eric Pulido, bei aller Liebe, ein emotional wenig packender, zweckdienlich arbeitender Sänger bleibt, dem einfach das gewisse charismatische Etwas fehlt und keinem Song der geniale Kniff gelingt, der aus einer (sehr) guten Nummer eine herausragende machen würde, fangen die Texanern hinter einer atmosphärischen Dichte so wieder mehr ausnahmslos schöne, zeitlos gute Szenen am Stück ein.
Days Gone By flötiert mit Americana-Tendenzen, der Titelsong setzt mehrstimmiger auf Ha“aaaaaahhh“rmonien. Das eingängige Eyes Full of Animal erblühend mit einer exemplarischen Beiläufigkeit. Within/Without schleicht jazziger um seine maritimen Streicher-Arrangements, mit famoser Stimmung und einer schön abholenden Melodie, der aber nie ganz der Knopf aufgeht –  als würden Grizzly Bear auf Godot warten. Guardians, ein Duett mit Madison Cunningham, klingt sogar noch mehr wie eine vergessene Perle der erst unlängst aus dem Winterschlaf zurückgekehrten Band und ist mit seinem interessanten Tempospiel wohl auch das Highlight der Platte.

Anderswo erinnern Midlake vage an Radiohead: Make Haste ist A Moon Shared Dream von einem 70s Noir-Thriller, in dem die Verfolgungsjagd schleichend passiert, und das kompakter und straighter rockende The Calling das Äquivalent der Amerikaner zu Bodysnatchers.
Selten zieht (das wie in vor allem Lion’s Den zu einer plätschernden Harmlosigkeit neigende) A Bridge to Far derart die Geschwindigkeit an – sonst nur noch im mit engem Drive (und einer zu langen Spielzeit für den repetitive Simplizismus der Nummer) ausgestatteten The Ghouls als direkte Reminiszenz an Roscoe. Natürlich, denn der Orientierungspunkt ist mal subversiver, mal offenkundiger allgegenwärtig. Gefällig und heimelig. Dennoch entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, wenn die Band im sentimental-ruhiger Epilog The Valley of Roseless Thorns fragt: „In the end/ What was all of this for?

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