Mount Eerie – Ocean Roar

von am 15. August 2012 in Album, Heavy Rotation

Mount Eerie – Ocean Roar

Phil Elverum hält Wort, zwei Alben hintereinander machen durchaus Sinn – ‚Ocean Roar‚ spiegelt nämlich wie angekündigt die dunklere Seite der Mount Eerie Album-Veröffentlichungen 2012 wider. Was er allerdings verschwiegen hat: ‚Ocean Roar‚ ist sogar noch ein Quäntchen besser als sein Vorgänger.

Vielleicht liegt es an der immensen Vielseitigkeit des sechsten Mount Eerie Albums, auf dem beinahe alles passieren darf aber nicht muss; von experimentellen Soundflächen bis zu irgendwo zwischen ‚Black Wooden‚ und ‚Wind’s Poem‚ verhafteten, extrem verletzlichem Lo-Fi Black Metal durchwandert Elverum zahlreiche Stationen. Nur für den Lagerfeuer-Folk will er sich diesmal nicht so recht Zeit nehmen, wandert in ‚I Walked Home Beholding‚ dafür aber durch sein ganz persönliches Twin Peaks und stimmt lieber sein Klavier über der ausgelassenen Kindermeute – oder erfindet fernöstlichen Doom in ‚Instrumental‚ – dem ersten von zwei derartig benannten Nummern und auch bekannt gelebter Pragmatismus im Songtitelfinden, wie er sich so niemals in der Musik der Kanadiers widerspiegelt, weil hier wieder jeder Song sich dorthin treiben lassen kann, wohin ihn der Kopf führt.

Dadurch entstehen auf ‚Ocean Roar‚ Songs, die es so noch nicht im Elverum-Kosmos gab. Gleich das eröffnende ‚Pale Lights‚ wird über knapp zehn Minuten gewebt, beginnt als hell erleuchteter, dröhnender  und bouncender Black Metal ohne wirklich Black Metal zu sein, dafür ist das Schlagzeug zu Nahe am Rock gespielt und gefühltermaßen zu sehr im eisverwachsenen kanadischen Hinterland aufgenommen. Eleverum klingt selbst in einem seiner maschinell anmutendsten Songs, als spiele er für jeden Hörer einzeln, unmittel- und nahbar. Nach drei Minuten taucht der Lärm schließlich unter, und Elverum im Schlafwagenmodus oder Bohren & der Club of Gore-Zustand auf, plötzlich spielen da praktisch zwei Songs gleichzeitig, Orgeln sehen die Apokalypse, nur langsam erkämpft sich der Lärm im Nebenzimmer zurück in den Vordergrund und treibt die Nummer repetitiv meditierend in gleißend helle Dunkelheit. Nicht die einzige Ausgewogenheit, die sich Elverum in der wie immer kargen, nackten und schonungslosen, aber auch wärmenden Produktion leistet.

Ocean Roar‚, der Titelsong erinnert nicht nur wegen der abschließenden Kindersamples an Radiohead’s letzte Platte. Wenn sich der Song gleich zu Beginn ersteinmal ausgebremst hat, breitet sich Rhythmusbetont ein vor feenhaften Chören umherziehender, ätherischer Popsong aus, um Elverums anmutige Gesangsmelodien wie um ein wärmendes Feuer. Gemeinsam mit der langsam um sich greifenden und wiederkehrenden Düsternis und harte im abschließenden Trio ‚Waves‘ (das Schlagzeug macht die Brandung), ‚Engel Der Luft (Popol Vuh)‚ und – ja, noch einmal, aber komplett anders als beim Namensvetter – ‚Instrumental‚  wächst ‚Ocean Roar‚ mit allen gezeigten Facetten zu einem weiteren Highlight in Elverums Discographie, dem nebenbei noch der Kniff gelingt, gemeinsam mit ‚Clear Moon‚ als zwei Seiten einer Medaille sogar als Doppelalbum zu funktionieren. Im natürlich anmutendendem Gespann gibt es die beiden Alben jedoch nur am asiatischen Markt (als einzige CD Version der ansonsten nur auf Vinyl veröffentlichten Platten) – prompt der Grund, dass sich Elverum ob des um sich greifenden globalen Leaks überrascht auch abseits seiner Veröffentlichungen zu Wort meldet und mehr in Worten ausdrückt, als er es auf ‚Ocean Roar‚ die meiste Zeit über tut. Wie immer hat er aber eben auch Songs geschrieben, die das nicht zwangsweise erfordern und für sich sprechen.

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