Nada Surf – Never Not Together

von am 3. Februar 2020 in Reviews

Nada Surf – Never Not Together

Nach dem bisher schwächsten, weil rudimentärsten Album ihrer Karriere in Form von You Know Who You Are schieben Nada Surf nun vier Jahre später mit Never Not Together wieder einen verdienten Platz in wohliger Herzensnähe für sich frei.

Dass sie dafür keinen Millimeter von ihrem angestammten Patent-Indierock voller sensibler Harmonien abrücken versteht sich von selbst – was man dann auch als Fan phasenweise einfach doch ein klein wenig zu harmlos plätschernd, gefällig und gediegen finden kann, wenn die Band aus New York ihre Emotionen auch bewusst entlang einer unbedingten Vorhersehbarkeit rührselig und weich verpackt.
Im Gegensatz zu den Alben des vergangenen Jahrzehnts und gerade des direkten Vorgängers kann man sich den demonstrativ vor wärmendem Optimismus und hoffnungsgenährter Leichtigkeit nur so strotzenden Streicheleinheiten auf dem neunten Studiowerk aber wieder weitaus schwerer entziehen: Wenn so viele von Matthew Caws charmant-klugen Sätzen wie das bereits den zeitlosen Wohlfühl-Opener So Much Love definierende Schulterschluss „The world is all flavors all the time/ The dark ages had the same sunny sky“ oder „I don’t feel grown up/ Maybe nobody did“ selbst dem härtesten Misanthropen ein sanftes Lächeln ins Gesicht zaubern sollten – vor allem aber, da das Songwriting nun nicht aufregender oder spannender, aber wieder weitaus besser hängen bleibt. Nada Surf gehen die Routine auf Never Not Together lockerer an, spielen unangestrengter, finden weniger verkrampft zu all den netten Melodien und Hooks.

Mehr noch: Zumindest das über einen ätherischen Synthieteppich schwebende Just Wait wird in seinem romantisch-verträumten Kitsch als liebenswürdiges Trostpflaster für die universelle Wunde namens Leben ebenso ein zukünftiger Fanliebling werden, wie Crowded Star, das über seinen unheimlich sanft erhebenden (Pre-) Chorus die Seele balsamiert, subtil in Lounge-Texturen badet und jede Nuance von Lethargie als Geduld auslegt. In diesen Szenen kommt die Band tatsächlichen Übersongs und der emotionalen Gänsehaut zumindest wieder verdammt nahe.
Es ist schließlich ein Rezept von Nada Surf, dass sie mit ihren Songs zwar für „Millions of souls“ sprechen, dann aber eben im besten Fall nur für den Hörer alleine da sind. Dass die etablierte Formel mit eineinhalb Beinen in der besten Platte der Gruppe seit gut 15 Jahren im Umkehrschluss nicht immer derart nachhaltig aufgeht – geschenkt.
Das mit mehr Piano-Einsatz operierende Live Learn and Forget ist dann doch latent ermüdend, weil der Refrain einfach zu oft aufgefahren wird – mag die Botschaft für die Zeit nachdem man den Augenblick gelebt hat, auch noch so schön sein. Und das als Gitarrenballade beginnende Mathilda ist eben fragmentarisches Stückwerk, wie es das Tempo und die Dichte wechselt, immer wieder am symphonischen Rock Gas gibt. Die letzten zwei Minuten fühlen sich in ihrer wohligen Einkehr immerhin sogar wie ein gänzlich anderer Song an, passen nicht zum Rest, sind aber für sich stehend absolut wundervoll geraten. Zudem tritt die Nummer derart zerrissen ohnedies auch unberechenbarer als der Rest der Kompositionen auf und bricht jegliche Gleichförmigkeit endgültig.

Wo die Platte gerade auf den Erstkontakt wie eine beiläufige Sammlung typischer Standards auftritt, entwickelt sich Never Not Together als charismatische Songsammlung eher zu einer klassischen Angelegenheit, die kurzweilig abholt und mit viel Substanz seinen Alterungsprozess aufwiegt.
Es ein entsprechendes Symptom, dass das mit flottem Zug nach vorne gehende, den Synthie forcierende und trotzdem latent bratzende dürfende Something I Should Do irgendwann die rezitierende Abfahrt nimmt, um seinen versöhnlichen Frieden mit Popular zu schließen, ohne dabei zu bemüht dringlich zu klingen. Denn dass dieser Drive in das erst choral von Kindern vorbereitete, dann so verletzlich schwofende, letztendlich im unprätentiösen Orchestermeer aufgehende, sogar ein Gitarrensolo über die Orgel heulen lassende Looking For You führt, lässt durchaus Rückschlüsse auf eine glücklicherweise dynamischer und abwechslungsreicher gewordenen übergeordneten Spannungsbogen zu. Was wie in Come Get Me dazu führt, dass ein cheesy Synthie mit aller Zeit der Welt zu einem gelösten, beinahe exzessiven Finale gesteigert wird und Ride in the Unknown weniger einen adäquaten Closer darstellt, als unspektakulär agierend vielmehr die Attitüde artikuliert, dass Nada Surf auch über das Ende der Platte motiviert weitermachen werden, auch wenn die Reise wohl selbst danach nicht wirklich ins Unbekannte gehen wird.

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