Foreign Film – A Love Letter
Die Will Haven-Splittergruppe Foreign Film positioniert sich auf ihrem Debütalbum A Love Letter im Hoheitsgebiet des Sacramento-Mutterschiffs, hat darin aber durchaus Visionen einer eigenen Nische.
Foreign Film hat ursprünglich als Solo-Projekt von Gitarrist Jeff Irwin begonnen, um dessen Liebe für Pink Floyd, Mew, Hum oder The Cure auszudrücken. Doch nach einigen Demos holte er bereits seine Will Haven-Kumpels Mitch Wheeler (Drums), Sean Bivins (Gitarre) und Adrien Contreras (Bass) mit an Bord, bevor in weiteren Sessions auch noch Robin Florkin Piano, Keyboards), Rylan Kerr (Gitarre) sowie Tami Taracena (Backing Vocals) zum losen – und da bereits nach einem Song vom 1997er Album El Diablo benannten – Kollektiv stießen.
Die erwähnten Bands sind dann allesamt absolut tragfähige Referenzen für den Sound von Foreign Film. Wobei man auch die Ästhetik der frühen A Perfect Circle oder Impure Wilhelmina als Einflüsse erwähnen kann, und den der Deftones und Team Sleep sogar muß. Der direkteste Nahverwandte ist allerdings zu jedem Zeitpunkt – Will Haven.
Nicht nur das mit subversivem Drama und Pathos schwanger gehende Wish wäre schließlich beinahe unter dem Banner der Stammband erschienen. Man muss sich das charakteristisch synthschwere, gitarrenflächig schimmernde Wesen von Muerte und VII allerdings in einen cinematographischeren Kontext verlängert vorstellen. Weitaus weniger heavy und aggressiv, irgendwo zwischen shoegazendem Postrock und getragenen Alternative Metal – elegisch, ätherisch und düster dräuend. (Und aufgrund dieser assoziativen Nähe auch mehr – wertungstechnische – Zuneigung bekommen, als es nüchtern betrachtet wohl angemessen ist.)
Meistens gerät das so kontemplativ wie gleich im Opener Aprile, manchmal etwas rockiger wie in Kwen. Dazwischen sind die Songs auf eine balladeske Weise schwelgend, ambient und vergleichsweise ruhend, nicht nur in Terrace in einem sphärischen Goth-Meer badend.
So fabelhaft diese stimmungsvolle Melange in atmosphärischer und ästhetischer Hinsicht gerät, so sehr tun sich im Detail hinter den einnehmenden Texturen jedoch auch Schwächen auf.
Das beginnt beim melodisch gemeinten Klargesang von Irwin, der als Achillesferse der Platte dünn und unsicher ist, in seinen Limitierungen schlichtweg keine Intensität zeigt und, wenngleich gerade zum Einstieg in die Nummer stets gut passend, praktisch immer zum passiven Beifahrer der Musik wird.
Dahinter setzt auch das Songwriting an sich zu wenige prägnante Akzente: Die verführerischen weiblichen Chöre im bittersüßen Somnolence bleiben symptomatisch ebenso unverbindlich, wie das zum Einstieg still und traurig sinnierende Beinahe-Titelstück Love Letter alsbald in den typischen MO der restlichen Nummern kippt und A Love Letter so in Summe zu gleichförmig und monton in eine höhepunktlose Trance verschwimmen lässt.
Am besten gerät deswegen auch der ambiente Closer Essen, der als Instrumental weibliche Nuancen in der Lautmalerei transzendiert. Es ist zudem ein versöhnlicher Ausklang für diese Traumlandschaft das in einem phasenverschobenen Paralleluniversum die melancholische Anmut und schöngeistige Grandezza in der DNA von Will Haven sucht.


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