Palm – To Live Is To Die, To Die Is To Live

von am 13. September 2018 in Album, Heavy Rotation

Palm – To Live Is To Die, To Die Is To Live

Hätte Jake Bannon Palm vor fünf Jahren nicht nur das Artwork für ihr Zweitwerk My Darkest Friends entworfen, sondern die Japaner auch gleich für Deathwish unter Vertrag genommen, würde To Live Is To Die, To Die Is To Live jetzt auch in der westlichen Welt für verdiente Schnappatmung sorgen.

So liegt viel Aufmerksamkeit auf den Kurt Ballou-Protegés wie Baptists oder All Pigs Must Die, während Palm über die The Unusual EP Nails-Mann Taylor Young als Produzent ihres Vertrauens gewonnen haben, ihn auch hier wieder ans Mixpult lassen – und To Live Is To Die, To Die Is To Live nun primär kurzerhand atemlos in die Sollbruchstelle der Schweißnaht des 2016er Meisterwerks You Will Never Be One of Us zu dem sträflich übersehenen Gustostück andsmänner Hatred von Friendship schlagen.
Dabei nimmt To Live Is To Die, To Die Is To Live in dieser konzentrierten Ausrichtung vom Metalcore über den Hardcore Punk bis zum Sludge allerdings mit, was geht – kein Song endet dort wo er begonnen hat, Palm randalieren mit furioser Rasanz zwischen den Stühlen.

Scapegoat würgt kotzend den D-Beat hoch und schleift sich zum guttural growlenden Death mit Stakkato-Grooves, den Sänger Toshihiko Takahashi gerne öfter derart brachial hinröcheln hätte dürfen, bevor das Converge‚eske Only Ego aber ohnedies lieber aufs Grindcore-Gaspedal tritt und Dedicated to Humanity irgendwann den Thrash mit brillanter Drum-Arbeit verspielt zu Tode prügelt. Leave Me Alone kippt dagegen Groupshouts und droppende Breakdowns in seinen hirnwütigen Galopp und Honorable Death schichtet sein Wesen schon beinahe progressiv bis für ein Powerfinale um. Sacrifice beginnt dafür fast wie Darkest Hour-Song zu Undoing Ruin-Zeiten, bis im ständigen Tempowechsel Platz für ein zerschossenes Solo ist und der Titelsong-Closer über episch-ausgebreitete 6 Minuten die arschtighte Riffkaskade ausbrütet, gurgelt und gniedelt, bis die Varianz und Konzentration von To Live Is To Die, To Die Is To Live auch in gemächlicher Geschwindigkeit mitleidlos plättet.
Überhaupt beeindruckt die permanente Unberechenbarkeit in der Dynamik und Ausrichtung, die Palm unter dem misantrophischen, rohen Charakter einer finsteren Platte verschweißt haben: Call the Disorder schickt schließlich tackernde Blastbeats ebenso selbstverständlich  in den Fleischwolf, wie Ex Owner Is Fucked das Tempo zur doomigen Sludge-Walze drosselt. Die präzise Performance der Band explodiert in jeder Ausrichtung mitreißend eskalierend, verändert die unbedingte Heavyness im breiten Spektrum, fokussiert durch die Inszenierung jedoch bedingungslos verdichtet – die Energie, die Palm hier schüren, ist grandios.

Trotz dünner Lust nach oben stechen die Szenen der Platte mit Gästen noch einmal zusätzlich hervor. Blood Clot of Pain schlitzt den 90er-Hardcore aus New York mit Kai (Numbernine) an den Leadvocals auf, während die beiden geladenen Gitarristen To Live Is To Die, To Die Is To Live endgültig triumphieren lassen: Takafumi Matsubara schenkt 音我苦 -ONGAKU- zur Mitte hin einen schwindelerregend wichsenden Saiten-Husarenritt, der direkt an seine Künste bei Retortion Terror und Gridlink anschließt und Taylor Young kippt das ohnedies bereits mit Kerosin durch die gemeine Riffarbeit hetzende Burn the Silence mit seinem Solo herrlich hirnwütig-charakteristisch neben die Spur.
Sicherlich erfinden Palm das Rad auch in diesen expliziten Highlight-Momenten mit ihrem eklektischen Amalagam nicht neu. Allerdings sticht To Live Is To Die, To Die Is To Live ein Gros der Konkurrenz alleine in Sachen Dringlichkeit als dreckig hingerotztes Juwel angepisster Aggressivität aus, zündet ohne Durchhänger oder ausgelutschte Tropen.
Trotz des ständigen Abwechslungsreichtums sind diese 37 Minuten aber vor allem ein zutiefst kohäsiver Schmelztiegel mit eigenständiger Handschrift geworden, krönen die erst dritte Platte der Japaner in knapp zwei Jahrzehnten auch zu ihrem bisherigen Meisterstück voller wütender Hasschleudern. Auch wenn das Spotlight der Szene anderswo liegt, gilt deswegen: Besser als auf To Live Is To Die, To Die Is To Live wurden die Härtegrade extremer Spielarten 2018 selten fusioniert.

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