Nails – You Will Never Be One of Us

von am 30. Juni 2016 in Album, Heavy Rotation

Nails – You Will Never Be One of Us

Die aktuell vielleicht angepissteste Band des Planeten hat auf ihrem Drittwerk erst so richtig schlechte Laune. Auf You Will Never Be One of Us bollert das Nails-typische Amalgam des extremen Metal jedenfalls so heftig aus den Boxen, dass die beiden Vorgänger Unsilent Death und Abandon All Life schon beinahe wie wie hasserfüllte Kulanz anmuten.

Nails-Frontmann Todd Jones verabscheut bekanntlich von unzureichend informierten Journalisten bis hin zum Record Store Day verdammt vieles. Dass er sich in seinem im Auge der Öffentlichkeit systematisch kultivierten Anti-Alles-Hass längst auch fragwürdig daherkommenden Scene-Bully-„Vorwürfen“ ausgesetzt sieht, wird ihm abseits einiger Zornesfalten jedoch wohl herzlich egal sein. Auf die Meinung anderer hat der Mann aus Oxnard, Kalifornien schließlich noch nie etwas gegeben, das einzige das zählt, ist seine eigene Band („I don’t care about other bands, I care about Nails. I mean I care about other bands, I’m a fan of other bands, I’m a fan of Noisem, I’m a fan of Horrendous. If you’re not a fan of those bands you’re a fucking mark ass bitch, straight up„).
Da passt es nur zu perfekt ins Bild, dass diese sich mit ihrem Drittwerk nach Six Feet Under Records und Southern Lord Records nun (auch dank Fürsprache von Killer be Killed-Kumpel Craig Puciato) zwar in Stall von Nuclear Blast und damit in die oberste Liga des Metal gearbeitet hat, Jones das Abgrenzungsbewustsein seiner Kombo dadurch aber nur umso demonstrativer und kompromissloser vor sich herträgt, gleich plakativ in den Titel betoniert: You Will Never Be One of Us.

Also die Pegel alleine als Statement über den roten Bereich geknallt, Marke: Ist die zu hart, bist du zu schwach. Auch das Drittwerk von Nails folgt der simplen Faustregel – einfach gnadenloser als alle anderen sein! – und setzt den Hebel mit der wuchtig aus den Boxen knallenden, so versifften wie druckvollen Kurt Ballou-Produktion dort an, wo Abandon All Life einem 2013 mit blinder Aggression und in den Hochgeschwindigkeitsbereich rasenden Attacken aus knüppeldickem Hardcore, dreckigem Crustpunk, Death- und Metalcore-Tendenzen, feistem Grindcore-Geballer und brutaler Powerviolence bereits den Verstand aus dem geschundenen Leib prügelte, addiert nun zu der schonungslos gebliebenen Amok-Durchschlagskraft aber ein zusätzliches Plus an blutrünstigen Hooks und beinahe erkennbaren Refrains im Strukturgemetzel.
Wenn der eröffnende Titelsong aus einem gesampelten Noise-Morast steigt, die Drums so fett bolzen, dass Magenwände beben und ein tollwütiges Riffgewitter über galoppierenden Wahn sprintet, setzt sich der ausgespieene Hassbatzen dennoch catchier fest, als man das sonst von Nails-Agressivitäten gewohnt ist. Das Trio spielt sich folgend in einen unberechenbaren Rausch, einem chaotischen Fegefeuer aus Breakdowns und hetzenden Mosh-Sprintern. Das von der Tarantel gestochene Friend to All bremst etwa zur Mitte hin sein brennende Erde hinterlassendes Tempo geschickt aus und mutiert mit dem Weißen in den Augen zum Triumph, den Trash Talk nach Eyes & Nines nicht mehr hinbekommen haben. Savage Intolerance stürzt sich atonal in den Tod. Über groovende Urgewalten wie Life Is a Death Sentence und tackernde Gewaltexzesse ala In Pain entfaltet sich You Will Never Be One of Us so zu einem unberechenbaren Husarenritt mit geiferndem Schaum vorm Mund, der in den überragendsten Augenblicken seiner rastlos angetriebenen 22 Minuten beinahe so klingt, als hätten Napalm Death und Nasum sich gemeinsam mit Baptists, Full of Hell  und Hatebreed die punkigsten Schlachtplatten von Slayer vorgenommen.

Ohnedies sind die neuen Labelkollegen in geschickt eingestreuten Facetten eine der markantesten Referenzen: Wie Made To Make You Fall monströses Riffing und den unbändigen Doublebass-Irrsinn mit Thrash-Anleihen misshandelt, wird Slayer wohl imponieren, während das schier überragende Violence is Forever als monströse Sludge-Abrissbirne auf Speed zur Mitte hin einen solch brillant-beängstigenden Pit anrührt, das Kerry King die Metal-Sicherungen rausknallen werden, bevor sich Todd Jones und seine hyperventilierende Rhythmusgruppe John Gianelli und Taylor Young im jaulenden Kakophonie-Finale suhlen. Feinheiten passieren da wenn überhaupt zwangsläufig nur unter dem harten Kern, während ein allgegenwärtiges Maß an stumpfer Brachialität und asozialer Tough Guy-Prolligkeit da unverbindlich zum Stil-Konzept gehören, das die Amerikaner bisweilen bis über die Schmerzgrenze auskosten. Soviel muss einem die bedingungslose Intensität, der dynamische Level an Schonungslosigkeit und explosiver Angepisstheit schon wert sein, wenn Nails 10 Einzelschläge so zu einer unerbittlichen unkultivierten Tracht Prügel verschmelzen, die seinesgleichen sucht.
Spätestens wenn der atemlose Tumult letztendlich im knapp 8 minütigen They Come Crawling Back kulminiert (womit der Closer übrigens über ein Drittel der Spielzeit einnimmt, knacken doch weiterhin nur die wenigsten Nails-Songs die Zweiminutenmarke) und noch einmal alle Stärken des Trios bündelt, auswalzt und mit furioser Blutrünstigkeit in den Abgrund malträtiert, dann wird die immanente Härte dieser ungemütlichen Platte physisch präsent. Und setzt damit die Standards für 2016.

09

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