Pixies – Indie Cindy

von am 10. April 2014 in Album

Pixies – Indie Cindy

Dass das erste Pixies „Album“ seit 23 Jahren nicht die Begeisterungsstürme hervorruft die sich diese 12  Songs durchaus verdient hätten, müssen sich Black Francis, David Lovering und Joey Santiago in erster Linie selbst zuschreiben. ‚Indie Cindy‚ ist vielleicht aber ohnedies eher als Fest für die Nicht-Hardcorefans unter den Anhängern.

Soll heißen: man kann ‚Indie Cindy‚ kaum genießen, wenn man nicht einige Aspekte rund um die Veröffentlichung dieser Platte geflissentlich ignoriert – und das verborhrte „Früher war alles besser„-Totschlagargument ohnedies außen vor lässt.
Größter Kritikpunkt an dieser Songsammlung ist sicherlich jener, dass das fünfte Album der Band entgegen vorausgeschickter Ankündigungen dreist als reine Compilation (wird das jetzt Mode?) der bereits 2012 aufgenommenen und seit Mitte letzten Jahres veröffentlichten EPs 1, 2 und 3 abspeist. Wer also schnell genug war um bei den drei limitierten Kurzfomaten zugegriffen zu haben (womöglich im Glauben es mit exklusiven Material zu tun zu haben) darf sich nun freilich ärgern, weil die Pixies die Songs plötzlich doch für die Allgemeinheit aufbereiten und damit vor allem Hardcorefans (die wohl nicht nur wegen der beigepackten Live CD zugreifen müssen) für ausnahmslos bekanntes Material doppelt zur Kasse bitten.

Dann ist da noch die Tatsache, dass die Anordnung der 12 Songs nur einen bedingt nahtlosen Albumfluss ergeben will, und sich ‚Indie Cindy‚ über weite Strecken eben nach dem anfühlt, was es ist: eine Compilation.
Natürlich muss jeder Fan sowieso für sich selbst entscheiden inwiefern eine Pixies-Platte ohne Kim Deal überhaupt als wahrhaftiges Pixies Werk durchgeht. Fakt ist: ‚Indie Cindy‚ trägt die spürbare Ausstrahlung vor sich her von der selben Gang eingespielt worden zu sein, die der Welt ‚Come on Pilgrim‚, ‚Surfer Rosa‚, ‚Doolittle‚, ‚Bossanova‚ und ‚Trompe Le Monde‚ geschenkt haben, wodurch Deal’s Abwesenheit aber auch deutlicher ins Gewicht fällt – man kann sich förmlich ausmalen wie die Breeders-Chefin so manchen Song als Gegengewicht zu Black Francis zusätzlich hätte aufwerten können. Ob der Bandchef das ähnlich sieht darf bezweifelt werden – nicht umsonst hat er die Deal-Imitation von Jeremy Dubs auf ‚Bagboy‚ beschränkt.

All dies hinterlässt einen Beigeschmack – der sich freilich irgendwann verflüchtigen wird, wenn sich der Staub erst einmal gelegt hat. Was dann bleibt ist die unverklärte Sicht auf ein Dutzend an ausnahmslos tollen bis großartigen Songs. Sprunghaft und inhomogen sicherlich, oft zu ausgiebig beim Anpreisen seiner zugängigen Passagen und zu repetitiv in den Strukturen, aber mehr aneinandergereihte potentielle Singlekandidaten und Ohrwürmer hatte eigentlich keine Platte der Band seit ‚Doolittle‚.
Die Pixies erweisen sich als Meister im konventionelleren Songwriting, selbst wenn das Verschrobene der Jugend einer gesetzteren Gefestigtheit des Alters gewichen ist und das Material deswegen durchaus altbackener und zahmer wirken mag. Dabei träfe es zeitlos – aber nein, nicht so wie ‚Where is my Mind?‚! -doch deutlich besser. Songs wie ‚Indie Cindy‚ (mit seinem grandios-versöhnlichen Refrain), das nostalgische ‚Another Toe in the Ocean‚ oder vor allem das überragende ‚Andro Queen‚ (ein Instant-Klassiker, ernsthaft!) zeigen die Bostoner nicht nur Nahe der Höhe ihrer Schaffenskraft, sondern vor allem in absoluter Konkurrenzfähigkeit zu zeitgenössischen Epigonen der Pixies’schen Errungenschaften.

Wo Ausreißer nach oben förmlich auf eine Aufnahme in den Kanon der Best of-Zusammenstellungen pochen, hinterlassen im neu konstruierten Umfeld selbst vermeintlich schwächere Songs wie das cheesy ‚Ring the Bell‚, oder die supereingängigen Ohrwürmer ‚Snakes‚, ‚Jamie Bravo‚ und ‚Greens and Blues‚ umgeben von der Masse einen deutlich stärkeren Eindruck, die Allianz aus ‚Bagboy‚ und ‚Magdalena 318‚ harmoniert etwa nahezu perfekt und wäre um das irre Over the Top-Hardrock-Intermezzo ‚Blue Eyed Hexe‚ zum Trio ergänzt wohl noch stärker ausgefallen: mag die Reihung der Tracks auch phasenweise irritieren, die Zusammenfassung der EPs als Album-Ganzes funktioniert vor allem im Eingangsbereich paradoxerweise stimmig, seine Bestandteile aufwertend.
Indie Cindy‚ ist eben ein enorm kurzweiliges Mixtape das kaum Gedanken an Erwartungshaltungserfüllungen verschwendet und über knapp 42 Minuten natürlich alleine aufgrund seiner Urheber mehr als die Summe seiner Teile (und ja, auch mehr als die Durschnittswert der EP Bewertungen) wird und gut damit fährt: beinahe jeder Song ist seit seiner durchaus auf den falschen Fuß erwischenden Erstveröffentlichung gewachsen, keiner hat sich abgenutzt.

Indie Cindy‚ hat sicherlich zahlreiche kleine Schönheitsfehler und spielt nicht in einer Liga mit seinen vier Vorgängeralben. Dieses Comebackwerk ist  gesetzter, weniger bissig und berechenbarer, entspricht eindeutig dem Rockverständnis von 3 Typen, die allesamt am 50er kratzen oder bereits passiert haben – so weit kann man all jenen entgegenkommen, die dieses Tonträger-Comeback zu einem der wahrscheinlich polarisierendsten der letzten Jahre machen. Die Zeit ist eben nicht stehen geblieben und an der Band natürlich auch nicht spurlos vorüber gegangen. Dass hier der Name Pixies am Cover prangert passt letztendlich absolut; die lange Vorlaufzeit hat das Visir korrekt eingestellt: im Schatten der eigenen Legende trumpfen Black und Co. mit Bausteinen auf, die das eigene Denkmal in den stärksten Momenten sogar weiter ausschmücken. Ist der Ärger über die Veröffentlichungsweise und die Pose um Kim Shattuck erst einmal verraucht sowie  der Abschied von Kim Deal – zumindest ansatzweise – verdaut, wird man ‚Indie Cindy‚ deswegen rückblickend hoffentlich wohlwollender als ambitionierten Neustart in das zweite Tonträgerleben im Gesamtwerk der Band verankern.

07

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