The Menzingers – Everything I Ever Saw

von am 30. Juli 2026 in Album

The Menzingers – Everything I Ever Saw

The Menzingers drehen ihre Formkurve drei Jahre nach dem ernüchternden Some of It Was True mit Everything I Ever Saw wieder ein kleines bisschen nach oben.

Angesichts der bisweilen abermals relativ hohl zur Banalität tendieren könnender Lyrics – wie beispielsweise „Ain’t it funny?/ Takin‘ other people’s money/ La-di-da, la-di-da“- bleibt es zwar weiterhin ein bisschen unglaublich, dass wir es hier mit der selben Band zu tun haben, die sich zumindest mit Chamberlain Waits (2010), dem Meisterstück On the Impossible Past (2012) sowie Rented World (2014) einen unsterblichen Podestplatz im Punkrock-Heartland gebaut hat.
Schüttelreime wie „I’m somebody that you’ll never know/ I’ll be leaving you in Tokyo/ ‚Round and ‚round upon the wheel I go“ im poppig shakenden The Fool während damals jedenfalls undenkbar gewesen.

Doch auch wenn abgesehen davon praktisch jeder einzelne Song sofort darum ansucht, direkt ins Fan-Herz geschlossen zu werden, weil die so innig vertraute Trademark-Melange aus Wehmut und Euphorie, Melancholie und Aufbruchstimmung hinter den gewohnt perfekt harmonierenden Vocals von Greg Barnett und Tom May einfach per se einen subjektiven Nerv trifft, derweil die Rückkehr zu Produzent Will Yipp im Auftreten allgemeinen wieder für etwas mehr Biss (als zuletzt bei Brad Cook) gesorgt hat, kann die Band einfach den Umstand nicht abschütteln, dass sie mittlerweile zu einer gemütlichen Gefälligkeit neigt.
Gerade die im Tempo gedrosselten Nummern (wie das sehnsüchtig zum Kitsch der Vergangenheit schielende Gasoline & Matches oder das komplett risikofreie Parade Day) schrammen so allzu gediegen an der wohlwollenden Langeweile entlang.

Mit bestenfalls vorsichtig nach oben ausreißenden Nummern wie Romanticism oder Breathe With Me ist Everything I Ever Saw dennoch als Ganzes sehr rund und solide ausgefallen, ja, versöhnlich geradezu. Vor allem, wenn der Titelsong-Closer sogar jenes Momentum schürt, zu dem man endlich wieder die Fäuste mit Tränen in den Augen emporrecken will: „I wish I could remember/ Everything I ever saw/ I’d take the good with the bad/ The happy with the sad“. Dann deutet sich die Gänsehaut, die die Menzingers dereinst für sich gepachtet hatten, zumindest wieder an, ohne an der Vergänglichkeit zu scheitern.
Dass die Zeit dennoch nicht stehen bleibt, wird durch den bittersüßen Status Quo von Everything I Ever Saw jedoch auch auf schmerzliche Weise bewusst, weswegen Zeilen wie „You can always reinvent yourself/ You can be whoever you are“ eine gewisse Ambivalenz bekommen – während andere den Ist-Zustand zwischen Schwermut und Zuverlässigkeit auf den Punkt bringen: „‘Cause we are nobody’s heroes/ We are nobody’s heroes/ We are nobody’s heroes/ ‚Cause we can only be ourselves, oh.

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