We Are Scientists – TV en Français

von am 7. März 2014 in Album

We Are Scientists – TV en Français

We Are Scientists pendeln sich nach vier Jahren Albenpause endgültig im unverfänglich routinierten Indierock ein. Das spektakulärste an ‚TV en Français‚ ist dann auch definitiv die letztendlich kaum wahrnehmbare Gästeliste rund um Tim Wheeler (Ash), Anthony Rossomando (Dirty Pretty Things) und Rose Elinor Dougall (The Pipettes), wenn das amerikanisch/englische Trio mit einigen netten Hitansätzen daran scheitert, sich vom Bild des Relikts vergangener Tage zu emanzipieren.

Das gefühlte Debütalbum ‚With Love and Squalor‚ der Kalifornier war 2005 beinahe zu spät für die zweite Welle an brennenden Bands aus England dran, erfüllte seine Funktion als Major-Einstand aber mit einem knappen Dutzend an hocheffektiven Hits enorm adäquat, wonach ‚Brain Thrust Mastery‚ ohne das Hibbelige und den knackigen Tanzappeal mit einigen guten Songs hinter den Erwartungen blieb. ‚Barbara‚ hatte 2010 trotz Andy Burrows als neuen Impuslgeber hinter dem Schlagzeug rückwirkend betrachtet keine wirklich erinnerunswürdigen Songs mehr auf Lager, zumindest aber noch einen wohlklingenden Titel. Und nun, vier Jahre  später spielen We Are Scientists charmante 35 Minuten lang dagegen an endgültig jegliche Relevanz zu verlieren.

Sie tun dies im Wissen dass kaum jemand (außer vielleicht ein paar unermüdlichen Hardcorefans von der Insel) auf der Rechnung hat, und selbst alte Bekannte wie Maxïmo Park mittlerweile zu neuen Ufern aufzubrechen anstreben: ‚TV en Français‚ versucht sich selbst immer wieder mit neuen Impulsen eine Frischzellenkur zu verpassen: wüsste man es nicht besser könnte man mutmaßen dass dies vor allem Burrows – der sich mit Smith & Burrows oder seinem Soloschaffen durchaus bereits einen Namen als fähiger Songwriter machen konnte – Wirken zuzuschreiben, dass sich Keith Murray und Chris Cain mit ihrem von Postpunk Revival zum Indierock gezähmten Songs an allerlei Seitenblicken versuchen. Für die erste Single ‚Dumb Luck‚ spechtelt das Trio mit diebischen Grinsen Richtung Metal und merkt vielleicht nicht einmal wie dreist der Fingerpickingpart bei Wolfmother abschaut. ‚Courage‚ verpufft als ‚Everybody Hurts‚-Klon in unter 150 Sekunden als dramatische Skizze hinter seinen Möglichkeiten. Das zappelnde The Cure-Discoblitzlicht ‚Overrreaction‚ kentert mit einem rotierenden Andy Burrows beim Versuch die zwingende Knackigkeit von ‚With Love and Squalor‚ aufzuwärmen, in ‚Sprinkles‚ scheinen späte Kaiser Chiefs durch. als totsichere Single wird das melancholische ‚Don’t Blow It‚ durch so manche amerikanische Teenie-TV-Serie geistern, während ‚Make it Easy‚ sich mit seiner Bloc Party-im-Wachkoma-Gitarre für Jimmy Eat World taugliche Melodien öffnet und ‚Take an Arrow‚ immer wieder The Edge und U2 anpeilt, aber als Luftschloss kraftlos in den Seilen hängt.

Denn leider: so spannend wie das alles theoretisch werden hätte können, so unspektakulär ist das konsumfreundlich aufbereitete ‚TV en Français‚ letztendlich: zu keinem Zeitpunkt tatsächlich zwingend oder mitreißend, geschweige denn so unterhaltsam wie die YouTubevideos oder Facebookfotos der Band. In seinen treffsichersten Augenblicken weist das als viertes Studioalbum durchgewunkene Werk durchaus die Zutaten vor, die es für nette Hintergrundohrwürmer bräuchte (von ‚What You Do Best‚ weg: shuffelnde Pop-Melodien, schneidende Gitarren, funkelnde Synthies, etwaige Backingchöre) und unterhält dann auch ohne nachhaltigen Eindruck durchaus kurzweilig -, in den überwiegenden Schwächephasen bereiten We Are Scientists  ihre Komposition jedoch mit zuviel Valium vermengt zu, bleiben zu unverbindlich und ohne den nötigen Biss. 10 Jahre nach dem Durchbruch muss man natürlich nicht mehr so jugendlich zielstrebig klingen wie noch auf ‚With Love and Squalor‚ – aber die vielbeschworene Floskel vom einer erwachsener werdenden Band ist hier auch fehl am Platz. ‚TV en Français‚ plätschert stets halbgar und gefällig um seine bissig gemeinten Beziehungsanklagen, lässt vielversprechende Ansätze in einem unspektakulären Einheitsbrei enden. Richtig schade ist das aber nicht nur deswegen, weil die Band sich immer noch sehr sympathisch zu präsentieren weiß, sondern vor allem, weil man immer noch erkennt, dass We Are Scientists nicht so austauschbar und altbacken klingen müssten wie sie es auf ‚TV en Français‚ tun.

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