Silversun Pickups – Better Nature

von am 28. Oktober 2015 in Album

Silversun Pickups – Better Nature

Wo der irische Produzent der Band aus Los Angeles auf dem Vorgänger ‚Neck of the Woods‚ noch einen Weg aus der vermeintlichen Stil-Sackgasse zeigen konnte, führt er sie auf ‚Better Nature‚ erst recht in eine solche. Man kann es letztlich drehen und wenden, wie man will: Jacknife Lee ist einfach nicht der richtige Mann für den Alternative Rock der Silversun Pickups.

Diese Erkenntnis ist bei der Endabrechnung zwei gravierenden Punkten geschuldet: Erstens erstickt der Erfolgsgarant Lee mit seiner eklatant zugekleisterten, glatten und aufgeblasenen Überproduktion viele der an sich wie immer enorm souveränen bis tollen Songs des kalifornischen Quartetts, indem er mit dem notorischen Zug zur leichten Massen-Verdaulichkeit zweitens auch einem Gros der Kompositionen schlichtweg deren Tiefe raubt. ‚Better Nature‘ sucht sich stets den direktesten Weg in die Gehörgänge, bleibt aber eben gar zu oft an der Oberfläche kratzend und dazu leicht auszurechnen. Auch, weil die Synthies mittlerweile den Gitarren den Rang abgelaufen haben, die Drums eher digital als organisch klingen, die Elektronik sich bratzend vor den Rock geschoben hat und Billy Corgan nicht mehr die erste zulässige Referenz darstellt, gerät etwa ein ‚Connection‚ als vorhersehbar pumpender Indie-Tanzbodenfüller zu einem regelrecht brachial aufdringlich-stupiden Brechstangengehabe, den nicht einmal das grundsätzlich immer noch vorhandene Charisma der Silversun Pickups absolut sympathisch macht.

Dass ‚Better Nature‚ also nahtlos dort weitermacht, wo ‚Neck of the Woods‚ aufgehört hat, ist eine zwiespältige Angelegenheit, die in einigen wenigen Phasen zu den schwächsten Momenten der Silversun Pickups-Discography führt (‚Nightlight‚ wäre etwa gerne eine Hymne, ist aber nur beliebiger Soundmatsch ohne Druck), die grundsätzlich eingeschlagene Gangart beispielsweise mit dem abwartend klatschend-vibrierenden Keyboardflächen-Melodietraum ‚Friendly Fires‘ aber dann doch auch wieder absolut bekräftigt.
Darüber hinaus fährt ‚Better Nature‚ die  ursprünglichen Stärken der Band hinter viel verschenkten Potential (das umständliche ‚Tapedeck‚ kann die anvisierte dramatische Schwere nur bedingt stemmen, ‚Latchkey Kids‘ begnügt sich damit ein unverfänglicher Singalong zu sein) immer noch mindestens solide auf. Das hakelige ‚Pins & Needles‚ flirtet mit nackten Gitarren um die Ecke, ‚Circadian Rhythm (Last Dance)‚ ist eine überaus nette Belanglosigkeit, die einmal mehr aufzeigt, wie gut eine stärker forcierte Nikki Monninger dem Bandsound als Geheimwaffe tut.
Aber selbst das starke Finale aus dem episch aufgespannten ‚Ragamuffin‚ und dem jubillierend-schimmernd ‚The Wild Kind‚ können nicht verhindern, dass man sich an all dem trotzdem deutlich schneller satthört, als an all dem dringlicheren, nachdrücklicheren, spannenderen Material den vorangegangenen drei Studioalben. Viele der Kompositionen hier werden in einem neuerlichen Singles-Kontext wohl besser funktionieren, was dann eben nicht wirklich für ‚Better Nature‚ spricht. Wie oft man in den schätzungsweise wieder drei Jahren bis zum Nachfolger zu diesen 52 Minuten zurückkehren wollen wird, ist insofern äußerst fraglich. Ob sich Silversun Pickups mit der (hier einfach einmal unterstellten) Intention in die erste Reihe zu treten nicht doch langsam ins Abseits manövrieren, erscheint hingegen relativ klar.

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