End – Splinters From An Ever​-​Changing Face

von am 25. Juni 2020 in Album

End – Splinters From An Ever​-​Changing Face

Fit for an Autopsy-Gitarrist und Szene-Produzent Will Putney reaktiviert seine (seit der ersten EP From the Unforgiving Arms of God von 2017 mittlerweile personell leicht veränderte) Allstar-Kombo End für deren ersten Langspieler Splinters From an Ever-Changing Face.

Zu Putney und Sänger Brendan Murphy (Counterparts), Gitarrist Gregory Thomas (Ex-Shai Hulud und Misery Signals), Bassist Jay Pepito (Reign Supreme, Ex-Blacklisted) rückt mittlerweile Schlagzeuger Billy Rymer (ehemals The Dillinger Escape Plan und Gastspiele bei unter anderem Glassjaw) als Ersatz für Andrew McEnaney nach, was am grundlegenden Sound der Band aber wenig ändert: Immer noch spielen End ihren metallischen Hardcore konsequent in die Kerbe zwischen Cursed und Nails, so brachial und finster wie effektiv, frontal in der Abrissbirnen-Agenda und mit atmosphärischen Samples ausgeschmückt, wenngleich immer mit einem Bein im generischen Mangel an Originalität.
Es fehlt End dann hinter der absoluten Kompetenz und technischen Makellosigkeit dann doch an einer unverkennbaren Handschrift, die das Konglomerat über die Masse, aus der sich die Platte speist, abhebt; die all jene Momente, wenn das Songwriting weniger wichtig als die Ästhetik scheint, mit originärer Substanz füllen würde.

So zeigen die beiden Nummern mit Gästelisteneintrag noch am ehesten auf. Absence bekommt besonders bärbeißende unterstützend an den Vocals von Pete Morcey (100 Demons) was End näher zu den Nate Newton-Szenen von Converge bringt, während der vergleichsweise überlange Schlußpunkt Sands of Sleep sich lauernder zurückzieht, durch Tanner Merritt hypnotische Halluzinogene in den Bannkreis von O’Brother verströmt, bevor der Closer nach bewährter Hardcore-Formel ausblutet.
Auch diese Szenen bleiben eher assimilierte Facetten einer Band, die ihren massiven Standpunkt maximal durch Tempo- und Druckvariationen ändert, in einem Strom aus Brutalität primär auf die dynamisch im Fluss gehaltene Durchschlagskraft der 33 Minuten am Stück setzt.

In Covet Not legen End finstere Riffs zu beißendem Gebell, streuen auch bereits ein paar Breakdowns für den Pit ein, ballert aber mit phasenweise dissonanter Kante im irrwitzig rasendes Tempo – wer möchte kann hinten raus im walzenden Part Psychedelik erkennen. Doch erst Pariah agiert wirklich epischer, voluminöser, drückender und zählflüssiger in der Klaustrophobie, steigert sich immer brutaler Stakkato, bevor The Reach of Resurrection den Morast mit Verve anrührt.
Weil Splinters From an Ever-Changing Face im Verlauf dann eben auf hohem Niveau doch winter indifferenterem Gleichförmigkeit anheim fällt, ist es umso ärgerlicher, dass Nuancen wie das Kurz kristallin heulende Motiv samt dem Suspence-Ausklang in Hesitation Wounds nur Ahnungen ohne Konsequenz bleiben. Splinters From an Ever-Changing Face macht insofern vielleicht absolut nichts falsch, lässt auch ein Gros der ähnlich operierenden Konkurrenz hinter sich, hat aber eben nicht nur aufgrund der namhaften Beteiligung auch mit einer größeren Fallhöhe zu kämpfen. Die akute Ambitionslosigkeit der Platte abseits der furiosen Kernkompetenzen kann zumindest durchaus enttäuschen.

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