Unwed – Raise the Kids

von am 7. Juni 2015 in Album

Unwed – Raise the Kids

Neltie Penman ist für gewöhnlich Tourmanagerin von Hot Water Music – was ihr mutmaßlich eher liegen dürfte, als die darüber hinausgehenden Ambitionen im Rampenlicht des Musikbusiness. Dass sie bei Unwed den Posten der Leadsängerin bekleidet tut dem eigentlich fehlerfreien 90er Gebräu der potenten Allstarband jedenfalls nicht unbedingt einen Gefallen.

Es ist nun nicht so, dass Neltie an sich nicht singen könnte – sie schafft es allerdings nur bedingt die 10 Songs von ‚Raise the Kids‚ stimmlich zu tragen. Die süßliche, fast naive Leichtigkeit, mit der die Fronfrau der in Brooklyn beheimateten Allstar-Kombo ihr Organ variabel in die Songs legt, hat sogar durchaus ihren eigenwilligen Reiz, zumal sie damit die harte Gangart ihrer Bandkollegen auf eine neben der Spur liegende, fast poppige Art konterkariert. In Songs wie dem stoischen Stop-and-Go-Brett ‚Desert Gold‚ scheint sogar vereinzelt die verführerische Giftigkeit von den Distillers durch, bei ‚Girl Drink Drunk‚ darf man an die schmutzige Griffigkeit von Hole denken.
Nur bleibt es bei diesen Andeutungen. In Summe sucht man eine charismatische Charakterstärke wie Brody Dalle oder Courtney Love sie im besten Fall ausstrahlen können auf ‚Raise the Kids‚ vergeblich, Nelties Stimme bleibt zumeist dünn, ereignislos-weich und ohne markante Strahlkraft. Zu selten gelingt es den Gesangsmelodien die kompositorischen Kraftpakete beim Schopf zu packen und sich nachdrücklich festzusetzen. Selbst ein angetäuschter Ohrwurm wie ‚Derelict Monroe‚ bleibt unverbindlich und durchwegs souveräne Routinearbeiten wie ‚The Innocent‚ trotz eingängigen Refrain zu beliebig. Was ‚Raise the Kids‚ am Ende einige Punkte kostet und alleine deswegen verdammt ärgerlich ist, weil Unwed ansonsten kaum etwas falsch machen.

Das Debütalbum der Band gestaltet sich instrumental und kompositorisch nämlich über die volle Distanz druckvoll und energiegeladen, im breit aufgestellten Spannungsfeld aus Grunge und Alternative Rock kann sich das Quintett zu jedem Zeitpunkt auf die schlichtweg bärenstarke Rhytmussektion – bestehend aus Ex-Small Brown Bike Drummer Jeff Gentsterblum und einem zweckdienlich seine Virtuosität in Zaum haltenden Hot Water Music Basser Jason Black – verlassen, in mitreißenden Rohdiamanten wie dem knackigen Titelsong zeigen auch Errortype:11/Instruction/Mind Over Matter– Vorstand Arty Shepard und Matt Kane mit knackigen Riffs und interessanter Gitarrenarbeit auf, selbst wenn die wirklich zwingenden Hooks zumeist fehlen.
Überhaupt stellen sich Unwed auf eine breite Basis: ‚Slow Crime‚ täuscht knackigen Punkrock an und unterstreicht nebenbei, das im wunderbar funktionierenden gemischtgeschlechtlichen Wechselspiel aus Nelties und Shepards rauem Gesang eine Zukunft für Unwed liegen könnte, die gar in die Fahrwasser von Alice in Chains führen würde. ‚Weapons‚ rollt dafür mit dichten Soundwänden gen Metal und das archetypisch als Herzstück positionierte Glanzlicht ‚New Skin‚ lässt mit seiner schrammelden Dodos-Folkgitarre, massiven Synthies und einer malmenden Instrumentalsektion aufhorchen – in dessen Strudel Neltie als verschwommene Psychedelic-Begleiterscheinung ohne Rockposen doch besser funktioniert als in den meisten Pit-Augenblicken der Platte.
Nach kompakten 36 Minuten bleibt deswegen zwar weniger hängen, als mit all dem vorhandenen (nicht nur wegen der zugkräftigen Stammbands der Beteiligten vorausgesetzten) Potential hinter ‚Raise the Kids‚ möglich gewesen wäre – allerdings eben auch die Aussicht, das Unwed hier noch mit Kinderkrankheiten kämpfen müssen, weil sie zwar ihre Gangart, aber noch nicht den Kern ihres Wesens freigelegt haben, sozusagen erst ihre eigene Stimme finden müssen. Was trotz allem gar nicht notwendigerweise Hand in Hand mit einem Wechsel am Mikro einhergehen müsste.

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