Villagers – Where Have You Been All My Life?

von am 14. Januar 2016 in Livealbum

Villagers – Where Have You Been All My Life?

Auch wenn sich der theoretische Mehrwert dieser Revue an sich in Grenzen halten mag, wiegen die nuancierten Feinjustierungen durchaus lohnend: Conor O’Brien nutzt einen Tag in den RAK Studios in London um vorzuführen, wie Songs aller drei Villagers-Alben mit dem einkehrenden Gestus von ‚Darling Arithmetic‚ und der perfekt darum herum eingespielten Liveband klingen hätten können.

So mag die Vielzahl der Songs vom letztjährigen, an dieser Stelle unter die Kapazitätenräder gekommenen Schönheit ‚Darling Arithmetic‚ auf den ersten Blick vielleicht nur bedingt Sinn machen, halten sich die Änderungen im Klangbild bei diesen doch im überschaubarsten Rahmen, logischerweise.
Bei genauerer Betrachtung fällt dann aber durchaus auf, dass die auf der vergangenen Tour zu einer perfekten Einheit verschmolzene Backingband hier ohne Overdubs, einer reduzierten Spielweise und spontanen Takes einen noch wärmeren, volleren Klang unterfüttert (alleine der filigran-sakrale Teppich unter einem betörend beruhigt in den Hall schunkelnden ‚Courage‚ kann Herzen schmelzen; ‚The Soul Serene‚ groovt geradezu lässig treibend um ein Harmonica-Arrangement) und damit das wohlig-intime Gefühl noch einmal verstärkt, dass bereits ‚Darling Arithmetic‚ ein wenig unmittelbarer, weil konzentrierter und offener transportierte als jedes andere Villagers-Kleinod: sich sofort verstanden zu fühlen, in die Arme genommen zu werden, sich die Seele tröstend an einem akustischen Kaminfeuer streicheln zu lassen, alleine, weil sich (ob nun erfüllt oder unerfüllt) klagend jeder bereits einmal gefragt haben dürfte: „Where Have You Been All My Life?

Markanter fallen die an diese Ausrichtung angeschmiegten Neuinterpretationen älterer Songs aus, vor allem jene von ‚{Awayland}‚ bekommen hinsichtlich ihrer Inszenierung eine Nachschulung in Sachen Zurückhaltung und Subtilität: ‚Set the Tigers Free‚ gerät so zur schier überwältigenden Innenansicht, ‚That Day‚ zupft sich behutsam in einen feingliedrig schmunzelnde Bläserliebkosung, während sich ‚The Waves‚ erst einmal ausführlich in das verinnerlichte, organische schimmernde Bandfeeling zurücklehnt.
Ein Song glimmert hier heller als der vorherige, ‚Where Have You Been All My Life?‚ ist purer akustischer Balsam – ohne hinter einer gewissen Gleichförmigkeit (oder eher: Seelenruhe?) jedoch tatsächlich Gefahr zu laufen ins Gefällige abzudriften. Die homogene Dynamik findet in der zurückgenommen-vielseitig ausgeleuchteten, sogar griffigeren Intimität der Interpretationen vielseitige Ventile, wie nahtlos die Songs miteinander verbunden sind – inhaltlich und ästhetisch – ist dann ein Ausdruck großer Klasse.
Auch, weil Villagers dann noch für kleine Überraschungen gut sind: ‚Memoir‚, ursprünglich 2011 für Charlotte Gainsbourg geschrieben und später als B-Seite unter eigenem Banner veröffentlicht, taucht hier von jedwedem elektronischem Geplucker befreit als jazzig interessierter Swinger auf; und ‚Wichita Lineman‚ bezaubert als lieblich tröpfelnde Miniatur zwischen leisen Pianoklängen und sanftmütigen Bläsern. Erhebend und unaufdringlich.
Where Have You Been All My Life?‚ ist damit kein typisches Livealbum, keine schnell den Reibach suchende Re-Recorded-Retrospektive, aber das vielleicht schönstmögliche Mittelding zwischen Rückblick und Momentaufnahme, dazu auch ein nettes Geschenk für Langzeitfans und idealer Einstiegspunkt für Neulinge in die Welt des Conor O’Brien. Eigentlich unglaublich, dass dessen Debüt ‚Becoming a Jackal‚ gerade erst 5 Jahre her ist: Spätestens jetzt vermitteln die Songs des Iren nämlich tatsächlich den Eindruck, insgeheim eigentlich bereits lebenslange Begleiter zu sein.

07

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