Werewolf Etiquette – Werewolf Etiquette

von am 15. Dezember 2025 in EP

Werewolf Etiquette – Werewolf Etiquette

Davo Gould und Geoff Haba haben noch „unfinished business“ zu erledigen. Das bedeutet, dass man neuem Mother Tongue-Material vielleicht nicht mehr näher kommen wird, als auf dieser ersten Vorstellungsrunde von Werwolf Etiquette. Womit man – erstaunlicherweise – sehr gut leben könnte!

Der Noiseolution-Pressetext hat absolut recht, man könnte es nicht besser auf den Punkt bringen: Werwolf Etiquette teilen sich mit Mother Tongue dieselbe DNA, kommen vertraut rüber, klingen aber frisch und doch anders, neu und wild.
Insofern sei dieser ersten EP gleich da größte Kompliment vorweg ausgerichtet: Selbst wenn man die hier aufgefahrenen 5 Songs direkt an der makellosen (und meistens sogar ziemlich legendären) Diskografie jener Band misst, deren jüngstes Album von 2008 datiert, stehen die die versammelten 17 Minuten Spielzeit ihren (an Erwartungshaltung, Anspruch und Entzugserscheinungen eigentlich nur scheitern könnenden) Mann so verdammt befriedigend, enthusiastisch und mitreißend, wie das überhaupt nur möglich sein kann.

Wo Davos Bassspiel, seine Stimme und Songwriting sofort und vom Fleck weg abholen, ist Geoffs Schlagzeugspiel (nebst sparsam texturierend eingesetzten „keyboards, piano, glockenspiel, maracas, percussion, Minimoog, samples“) beeindruckend kraftvoll vor Energie sprühend. Die Dynamik und Intensität, die das Duo mit vergleichsweise minimalen Mitteln (und: ohne Gitarren!) erzeugt, ist einfach nur atemberaubend infektiös, packend.
Insofern ist der Vorwurf, dass Werwolf Etiquette-Kompositionen eigentlich stets nach dem selbe Prinzip zünden, zwar schlüssig, hängt sich aber eigentlich an einer Tugend der Platte auf: Das Gespann weiß, wie es die Schrauben eng dreht und die Ohrwürmer verschwitzt aus der Zeit fallen lässt.
In You Better Spray weht ein latenter 60s-B-Movie-Grusel durch das Szenario, bevor das Duo wuchtig rockt und peitschend fetzt, um sich dann in die Atmosphäre zurückzulehnen. Dieses unmittelbar etablierte Umschaltspiel aus langsam und schnell, laut und leise, hart und verführerisch, zwischen energischen Ausbrüchen und catchy groovenden Hooks attackierend, ist dann auch das Kontrastprogramm, das den Kern jeder Nummer hier ausmacht.

Das knochentrocken slapende, knatternd und hochpräzise tackernde Hurt People ist ein brillanter Bastard aus Bluesrock-Trademarks und Punk-Spirit mit Psychedelic-Patina, für dessen ultralässige Schnittigkeit unzählige Rhythmusgruppen töten würden. Dear Me tänzelt somnambul verführerisch, wechselt von der zähen Heaviness zum verführerisch delirant schlendernden Schleichen in die Harmonie, lädt grummelnd durch und eilt treibend zum Burn Baby Burn-Rappel, um seine Muskeln dann bis zum Dance Punk der Yeah Yeah Yeahs anzuspannen – der dritte Hit am Stück, klar. Doch ausnahmsweise wird das Hin und Her zwischen den polarisierten Segmenten nun zu lange und oft ausgereizt.
In Blow Out The Candles poltert das Duo den choralen Rahmen zu einem klimpernden Vintage-Solo in bester White Stripes-Manier nieder und Hold on Me bändigt seine sinister-fiebrige Explosivität dann mit einer kaum in Zaum gehalten Dringlichkeit, findet dabei aber nicht zum Punkt.
Dass die selbstbetitelte EP sich mit dem vergleichsweise schwächsten Song verabschiedet, schmälert die Euphorie ob des über weite Strecken geradezu berauschenden Auftauchens von Werwolf Etiquette jedoch kaum. Wir haben es hier schließlich ebenso mit dem bestmöglichen Mother Tongue-Methadonprogramm zu tun, wie gleichzeitig mit deutlich mehr als „nur“ damit. Da darf der begeisterte Fan rhig aufrunden:

Print article

Kommentieren

Bitte Pflichtfelder ausfüllen