Vhöl – Deeper Than Sky

von am 17. November 2015 in Album, Heavy Rotation

Vhöl – Deeper Than Sky

Eigentlich kaum zu glauben, aber: War das selbstbetitelte, 2013 unmittelbar auf die Siegertreppe unserer Jahrescharts vorpreschende Debütalbum der designierten Supergroup Vhöl womöglich nur eine erste Aufwärmrunde für John Cobbett (Hammers Of Misfortune), Aesop Dekker (Agalloch), Sigrid Sheie (Hammers Of Misfortune) und YOB-Mastermind Mike Scheidt? Zumindest legt die neuerliche Steigerung ‚Deeper than Sky‚ dies vehement nahe.

Richtiger ist aber eventuell eher: Wenn ‚Vhöl‚ der Beweis dafür war, wie ernst es allen Beteiligten mit ihrer neuen Spielwiese ist, unterstreicht ‚Deeper Than Sky‚ nun den euphorischen Fun-Faktor hinter dem Projekt. Soll heißen: Mit genüsslich gesteigerter Selbstverständlichkeit nützt das Quartett die gewonnenen Freiheiten von Vhöl, um eine unaufhaltsam nach vorne gehende Dokumentation davon zu liefern, wieviel überschwängliche, ausgelassene Freude jeder einzelne hier schlichtweg am puren Metal verspürt, wieviel Spaß die vier Veteranen Scheidt, Sheie, Dekker und Cobbett an dieser als Lebenseinstellung verinnerlichten Spielweise haben.
Deeper than Sky‚ ist ein Album geworden, das die Quintessenz all dessen, was man am Metal-Genre lieben kann über weite Strecken wohl effektiver verinnerlicht und destilliert hat, qauch, weil es dieses Wissen unbeschwerter und humoristischer transportiert, als so ziemlich jedes andere Genre-Werk der letzten Zeit (sorry, Maiden!). Eine Vollblutplatte also, deren Spielwitz hochinfektiös ansteckend ist, barrierefrei überspringt und deren mitreißendem Power-Enthusiasmus man sich kaum entziehen kann. Um als Metalfan Feuer für ‚Deeper than Sky‚ zu fangen braucht es nicht viel – für alle anderen positioniert sich der Vhöl-Zweitling nahezu perfekt als Gateway-Album in das Genre.

Die Feinjustierungen im Vergleich zum Vorgänger sind dabei durchaus eklatant ausgefallen. John Cobbett’s atemberaubend tighte Produktion hievt die Band aus der Doom-orientierteren Vergangenheit in eine hetzende Unbeschwertheit mit immanenter Speed-Metal-Zuneigung, crustschmutzig und freigeistig, die in all ihrer Rasanz paradoxerweise gar nicht notwendigerweise heavy sein möchte, notfalls aber mit jeder Knüppelband den Boden aufwischen könnte, sofern man sich nicht auf eine entfesselte Zechtour samt Headbang-Contest und Slamdance-Party bis in die Morgenstunden einigen kann.
Die generelle Geschwindigkeit ist dementsprechend noch einmal angehoben worden (alleine wie das furiose Opener-Duo aus der hitzigen Thrash-Perle ‚The Desolate Damned‚ und dem gen Rancid-Punk schielenden Hardcore-Sprinter ‚3AM‚ sich weigert den Fuß vom Gaspedal zu nehmen, zaubert wie alles hier ein dauerbreites Grinsen ins Gesicht), die verdichtete Stimmung kompakter aufgearbeitet (sogar die 12 Minuten des harmoniegeschwängerten Titelsongs vergehen wie im schwindelerregenden Rausch, verschnaufen gefühltermaßen nicht einmal dann, wenn der Songs sich über zwingende Grooveänderungen immer weiter selbst drosselt und zu einem atmosphärisch aufmachenden Zwischenpart findet, der freilich irgendwann doch wieder windelweich gekloppt wird).
Deeper Than Sky‚ ist in seiner sofort zündenden Eingängigkeit schon beinahe leichtfüßig ausgefallen, ohne deswegen poppig zu werden, zelebriert seinen irrwitzigen Husarenritt dazu stets mit der nötigen Selbstironie: Fast schon flapsig treiben Bass und Schlagzeug einmal ein herrlich überdreht außer Kontrolle geratenes Slapstick-Revue-Piano durch die Manege, Vhöl nennen das durchgerüttelte, zweieinhalbminütige Intermezzo ‚Paino‚. Symptomatisch für ‚Deeper than Sky‚.

An allen Ecken und Enden scheuchen Vhöl dazu überschwänglichen Melodien und energiegeladenen Soli auf, streuen wahrhaftig epische (!) Refrains ohne Pathoskeule als Sahneschicht darüber. ‚Deeper than Sky‚ stürmt permanent zur Decke und demoliert alles darunterliegende zu verbrannter Erde. Da stört es auch keineswegs, dass die Platte nach der schier überragenden knackigen ersten Hälfte hinten raus auszufransen beginnt, zudem noch einmal gehörig die Brutalität anzieht. Das bissig-agressive ‚Red Chaos‚ hofiert etwa ein Riff, das Slayer so auf ‚Repentless‚ nicht zustande gebracht haben. ‚Lightless Sun‚ ist seine sonderbaren Chöre hippiesk durch die Psychedelik-Brille  shreddernder Black Metal, bevor sich ‚The Tomb‚ seinen Weg mit Hochgeschwindigkeit durch den Hardcore der 80er gniddelt und die Dinge nach 43 Minuten zu Ende bringt, ohne ein Gramm Fett angesetzt zu haben. Unterhaltsamer geht kaum, zumal ‚Deeper than Sky‚ spätestens hier zu einem süchtig machenden Sinnbild der Kurzweiligkeit aufgeht – einer der größten Trümpfe der Platte.
Ein anderer ist dann inmitten der virtuos losgelösten Gitarren-, Schlagzeug und Bassarbeit freilich noch Mike Scheidt, dem der reine Fokus auf das Mikrofon die bisher mutmaßlich beste Gesangsleistung seiner Karriere beschert: Vom vibrierenden Falsettcrooner in bester Rob Halford-Manier bis zum growlend bellenden Shouter ringt sich der YOB-Chef ein schwindelerregend an den Eiern packendes Spektrum der Vielseitigkeit ab, das dem unaufhaltsam galoppierenden Songwriting stets wie ein energischer Motivator vorneweghastet. Da passt es nur zu perfekt, das Vhöl mit ihrem Zweitwerk auch der Konkurrenz enteilen, obwohl sie genau genommen wenig anders machen als diese. Nur das eben zwingender, nonchalanter und schlichtweg besser.

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