Beachheads – Beachheads

von am 20. Februar 2017 in Album

Beachheads – Beachheads

Beachheads liefern auf ihrem Debüt schmissigen Indierock mit nonchalanter Popkante, dem man seine latente musikalische Harmlosigkeit nicht nur deswegen locker verzeiht, weil die Norweger ein Händchen für nebensächlich unangestrengte Melodien haben.

Beachheads spielt sicher auch eine gewisse Faszination in die Karten, die dadurch entsteht, wie leichtgängig und selbstverständlich die beiden Kvelertak-Metal-Maniacs Vidar Landa und Marvin Nygaard hierfür die Spielwiese gewechselt haben, um gemeinsam mit Drummer Espen Kvaløy und Sänger Børild Haughom ihre zwölf Kleinode mühelos inmitten der Koordinaten zwischen sommerlichen Indierock, motivierten Powerpop und geschmeidigen Poppunk in die Gepflogenheiten der Replacements, Rifles, Lemonheads und Hüsker Düs dieser Welt zu schütteln.
Einzig: zu einer restlos überzeugenden Platte macht das Beachheads alleine deswegen trotzdem noch nicht. Die versammelten 35 Minuten haben immerhin primär mit zwei Problemen zu jonglieren.

Zum einen ist das die zweckmäßige, aber wenig variable Stimme von Haughom, deren gelöster Enthusiasmus nicht aufwiegen kann, dass der Beachheads-Frontmann seine Leier im stets ähnlichen Tonfall neben den Tönen vorbeitreibt, ohne dabei aber eine charakteristische Unverwechselbarkeit für seine Band zu erzeugen, sondern vielmehr einer generischen Austauschbarkeit in die Hände spielt.
Zum anderen erweist sich auch das Songwriting dahinter als relativ durchsichtig und wenig vielseitig gestrickt: Beachheads geht zumeist im selben Upbeat auf, macht unkomplizierten Spaß. Doch es fehlt am Druck, Biss und der Unbedingtheit, um die netten Ohrwürmer zu wirklich markante Hooks und nachhaltigen Melodien pushen zu können. Stattdessen schrammelt Beachheads akzentuiert unspektakulär, beinahe belanglos, bratzt nicht nur im flotten Despair zu harmlos. Überschreitet die Band zudem die Dreiminutengrenze (was selten aber doch geschieht), riskiert man plätschernde Langeweile. Die Momente, die von den versammelten 35 Minuten tatsächlich langfristig hängen bleiben, entpuppen sich insofern als arg überschaubar.

Allerdings schießen diese beiden an sich gravierenden Mankos den Beachheads im Umkehrschluss auch nicht in die qualitativen Kniescheibe, obwohl wenn sich die Platte hinten raus ein bisschen zu sehr in der Beliebigkeit zu verlieren droht.
Weil Songs wie der collegerockige Simplizismus Moment of Truth, die aus der Zeit gefallene Nostalgiefeier Your Highness oder das entspannt entlangcruisende Break Me Down in ihrer gitarrendominiert nach vorne eilenden Kurzweiligkeit durchaus catchy ins Ohr gehen, meistens charismatisch auf den Punkt kommen und wie ein beschwingtes Durchlüften im Sommer funktionieren – also ohne großes Aufsehen wunderbar nebenbei laufen.
Vor allem aber setzen Beachheads gerade im starken Mittelteil der Platte doch noch pointierte Akzente. Wenn Monologues energisch auf das Gaspedal steigt, Give Me Some Love den spätsommerlich dösenden Highway-Hit gibt, das tolle Una eine lockere Melancholie mit Beach Slang-Drive dem Sonnenuntergang entgegenbrausen lässt, oder das großartig bedächtig marschierende Piano-Stakkato-Highlight Procession gar Richtung Neutral Milk Hotel schwankt, dann bekommen die Talente und Vorzüge der Band die richtige Bühne. In dieser Spannweite existieren neben den überraschend tiefschürfend kontrastierend abgründigen Texten dann übrigens auch die Vorzüge, wegen der man die nonchalanten Popper von Beachheads (vorerst auch ohne erkennbare eigene Handschrift) auf dem Radar behalten sollte – nicht wegen etwaiger skurril erscheinender Nahverwanschdschaften.

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